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Hermine Mansbach, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Hermine Selma Mansbach

Nachname: Mansbach
geborene: Wolff
Vorname: Hermine Selma
Geburtsdatum: 7. Juli 1876
Geburtsort: Niederhochstadt/Pfalz (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Alphons und Regina, geb. Mayer, W.
Verwandtschaftsverhältnis: Ehefrau von Dr. Moritz M.;

Mtter von Alice und Erwin
Adresse: Ritterstr. 6
Schule/Ausbildung: Töchterschule
Beruf: Hausfrau
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
20.2.1941 nach Récébédou (Frankreich)
3.8.1942 nach Noé (Frankreich)
Sterbedatum: 23. November 1942
Sterbeort: Noé (Frankreich)

Biographie

Familie Mansbach
In Erinnerung an Hermine Mansbach

Moritz Mansbach wurde am 31. März 1866 in Kassel als ältester Sohn des Religionslehrers und zeitweise als Zigarrenhändler tätigen Simon Mansbach (16. Februar 1820 - 12. Februar 1905) und der Hausfrau Minna Mansbach, geborene Blankenstein (16. Oktober 1818 - 8. Februar 1905) von insgesamt sechs Geschwistern geboren.
Bereits kurz nach Moritz’ Geburt zog die Familie nach Karlsruhe, weil Simon Mansbach hier die Stelle des Religionslehrers der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft, die sich 1864 als Austrittsgemeinde verselbstständigt hatte, einnehmen konnte. Nach dem Adressbuch von 1869 wohnten sie zunächst im (inneren) Zirkel 24, anschließend im Zirkel 30. Die 1880 geborene Rahel Straus, geborene Goitein, Tochter des Rabbiners der orthodoxen Gemeinde, beschreibt den zu ihrer Zeit bereits betagten Religionslehrer Mansbach und seinen Unterricht in ihrer Autobiographie „Wir lebten in Deutschland“ ziemlich unvorteilhaft, als buckeligen, kleinen Mann, der schnell zeterte und oft züchtigte. Womöglich hat sie etwas übertrieben, wie viele Erwachsene, die den Unterricht ihrer Jugendzeit vor der Enkelgeneration abschreckend darstellen und damit kundtun, um wieviel leichter diese es in der Gegenwart hätten. Dennoch scheint es gerechtfertigt, sich Simon Mansbach als einen Vertreter der „alten Schule“ vorzustellen, ganz im Gegensatz zum Bestreben des Oberrats der Israeliten Badens am Ende des 19. Jahrhunderts, pädagogisch befähigte und umfassend gebildete Religionslehrer auszubilden.
Über die Jugendzeit von Moritz Mansbach und seinen Geschwistern ist nichts bekannt. Die Einhaltung der religiösen Gebote, wie das geringe väterliche Einkommen dürften das Leben bestimmt haben. Wie bei vielen Juden, so war auch bei den Mansbachs auf eine gehobene Ausbildung Wert gelegt worden. Moritz Mansbach besuchte die höhere Schule und absolvierte ein Studium der Zahnmedizin.
Am 15. Februar 1896 heiratete er standesamtlich in Karlsruhe die am 7. Juli 1876 in Niederhochstadt geborene Hermine Selma Wolff. Familie Wolff hatte bereits länger Wurzeln in dieser pfälzischen Gemeinde. Aber Alphons Wolff begab sich alsbald nach St. Wendel im preußischen Regierungsbezirk Trier, wo er 1878 ein Textilgeschäft begründete, das er zum größeren Kaufhaus Wolff in der Kelsweilerstraße 1 ausbaute. Die Familie gehörte zu den begütertsten jüdischen Familien in St. Wendel.
Moritz Mansbach war nach den Adressbüchern kurz vor der Eheschließung zunächst in der Lammstraße 5, anschließend in der Kaiserstraße 56, ab spätestens 1905 in der Kaiserstraße 82 wohnhaft.
Ab 1896, dem Jahr der Eheschließung, betrieb Moritz in Karlsruhe seine eigene Zahnarztpraxis. Die Zahnarztpraxis befand sich ab 1900 in der Kaiserstraße 121, was auch gleichzeitig die Melde- und Wohnadresse der Familie war. Nach nochmaligem Umzug in die Kaiserstraße 82, wurde die Zahnarztpraxis in dem 1905 neu errichteten Haus der Ritterstraße 6 eingerichtet. Moritz Mansbach war an der Errichtung dieses Hauses, das zu den markanten Karlsruher Wohnhäusern im Jugendstil zählt, als Bauherr aktiv beteiligt und nach erfolgreicher Komplettierung dessen Baus zusammen mit Hermine im Besitz einer Hälfte des Hauses. Die andere Hälfte gehörte Paula Bär (geb. Wolff), Hermines Schwester. Der vermögende Vater von Hermine Mansbach hatte offensichtlich mit höheren Beträgen zum Hauseigentum seiner Kinder bzw. des Schwiegersohnes beigetragen.
Das Haus der Ritterstraße 6 blieb bis zum 1. April 1939 zur Hälfte im Besitz der Mansbachs. Infolge der „Arisierung“ musste Moritz Mansbach seinen Anteil verkaufen. Das Haus wurde von Adolf Runck, einem Friseurmeister, erworben. Dem Ehepaar Mansbach blieb nur noch das Wohnrecht gegen Mietverrechnung von 90 RM monatlich bis zur Deportation am 22. Oktober 1940.

Moritz und Hermine Mansbach hatten zwei Kinder. Die erstgeborene Alice, geboren am 24 März 1897 in Karlsruhe, sowie den Sohn Erwin, geboren am 30. Juni 1902, ebenfalls in Karlsruhe. Alice besuchte das Lessing-Mädchen-Gymnasium und legte dort 1915 das Abitur ab. Sie studierte Medizin und wurde schließlich Zahnärztin wie der Vater. Seinerzeit waren Frauen in dieser Sparte noch vollkommen unterrepräsentiert. Im März 1921 verlobte sie sich mit dem am 6. März 1896 in Würzburg geborenen Hans Riesenfeld und am 24. Mai desselben Jahres folgte die Heirat. Auch er war Zahnarzt. Das Ehepaar ging nach Wiesbaden, richtete sich eine Zahnarztpraxis in der Langgasse 18 ein, Wohn- und Meldeadresse war die Herderstraße 26. Hans Riesenfeld hatte seinen Militärdienst geleistet und war im April 1919 noch als Medizinstudent mit dem Dienstgrad „Sanitätsgefreiter“ in das Freikorps Würzburg eingetreten. Er dürfte demnach sehr deutschnational eingestellt gewesen sein.
Am 12. März 1922 kam Tochter Miriam Marianne Riesenfeld in Wiesbaden zur Welt, am 30. September 1925 folgte Tochter Hannah Riesenfeld, ebenfalls in Wiesbaden geboren.
Erwin ging auf das humanistische Gymnasium, das Bismarck-Gymnasium, wo er 1920 das Abitur ablegte. Er und seine Schwester waren beide aktive und führende Mitglieder im zionistischen Jugendbund „Blau-Weiß, Bund für Jüdisches Jugendwandern in Deutschland“. Dieser griff die Tradition der bündischen Jugendbewegung auf, die für jüdische Jugendliche im „Wandervogel“ wegen dessen Deutschtums mit antisemitischen Einschlägen nicht lebbar war. „Blau-Weiß“ orientierte auf die Auswanderung nach Palästina, die so genannte Alyah.
Auch Erwin Mansbach studierte Medizin und wurde Zahnarzt. Er ging nach Essen und heiratete dort am 24. Oktober 1928 die in Bonn wohnhafte Margot Augusta Zlotnicki, geboren am 20. Oktober 1901 in Berlin-Schöneberg. Der Familie und Karlsruhe blieb Erwin Mansbach verbunden. Wenn er aus Essen zu Besuch kam, traf er sich auch mit der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe und hielt Vorträge. Die beiden Töchter Dora und Susanna des Ehepaares wurden 1930 und 1931 in Essen geboren. Noch im Jahr 1933 wanderte die Familie nach Palästina aus. Auch Alice Riesenfeld ging nach Palästina.

Die Familie Mansbach gehörte der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft an, die ihre Synagoge in der Karl-Friedrich-Straße hatte. Moritz Mansbach war auch sonst im jüdischen wie allgemeinen gesellschaftlichen Leben der Stadt engagiert. Er war Mitglied in der B'nai B'Brith-Loge, wo sich die besser gestellten jüdischen Männer der Stadt trafen. Daneben war er auch dem Schwarzwaldverein beigetreten, dem zahlreiche Männer aus der Verwaltung ebenso wie honorige Bürger angehörten. Dann war er Mitglied im C.V., dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Ende des 19. Jahrhunderts vor allem von „assimilierten“ jüdischen Bürgern ins Leben gerufen worden war, die sich Deutschland und der Nation verbunden fühlten, zugleich ihre Rechte als Staatsbürger in Anspruch nahmen und antisemitische Anfechtungen zurückwiesen. Nachweislich Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre war Moritz Mansbach im Vorstand der Ortsgruppe Karlsruhe. Inwieweit Juden integriert waren und sich als deutsche Staatsbürger sahen, zeigte ihre „patriotische Pflichterfüllung“, wie die anderer gesellschaftlicher Schichten auch. Die orthodoxe jüdische Gemeinde hatte nach dem schweren Luftangriff vom 22. Juni 1916, bei dem 120 Besucher, darunter zahlreiche Kinder, einer Zirkusvorstellung getötet wurden, und noch mehr verletzt, zu Spendensammlungen aufgerufen. Zu den vielen Spendern der Gemeinde gehörte auch Moritz Mansbach.
Der Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 war folgenschwer. Freiberufliche jüdische Ärzte gerieten unter Druck. Mit dem Gesetz vom 22. April 1933 verloren sie ihre Kassenzulassung. Das bedeutete einen Einkommensverlust, der kaum durch Behandlung von Privatpatienten auszugleichen war. Dies dürfte auch der Grund der Praxisverlegung 1936 vom Erdgeschoss in die Privatwohnung im 1.Obergeschoss gewesen sein. Mansbach galt auch nicht mehr als Arzt, sondern als „Krankenbehandler“, was eine weitere Demütigung durch die judenfeindlichen Nationalsozialisten darstellte. Den Praxisbetrieb konnte er bis dahin immerhin noch aufrechterhalten, obgleich ab dem Jahre 1938 ausschließlich Juden behandelt werden durften. Da die zahnärztliche Praxis von Moritz Mansbach die von diesem Zeitpunkt an einzige zahnärztliche Einrichtung zur Behandlung von Patienten jüdischen Glaubens in Karlsruhe war, konnte die Familie Mansbach von den resultierenden Einnahmen leben.

Die Demütigungen gingen weiter. Im Juni 1937 beantragte Hermine Mansbach einen Reisepass mit sechsmonatiger Gültigkeit für das Ausland, mit der Begründung „bereits 61 Jahre alt und zuckerkrank“ zu sein und die Reise nutzen zu wollen, um ihre Kinder in Palästina zu besuchen. Der Passantrag wurde unmittelbar abgelehnt: „Ein dringendes Bedürfnis kann nicht anerkannt werden. Für den Fall der Auswanderung könnte ein kurzbefristeter Reisepass für das betr. Einwandererland erteilt werden“, teilte die Polizeibehörde mit. Das war reine Willkür, die Moritz Mansbach in einem Replikschreiben an das Badische Innenministerium zwar nicht so nannte, aber richtig darauf hinwies, dass andere jüdische Antragsteller anstandslos einen Pass für eine solche Reise erhalten hätten. „Ich hoffe, keine Fehlbitte gethan zu haben“, beendete er sein höflich verfasstes Schreiben, „und sehe einem gütigen Bescheid entgegen.“ Das Innenministerium wollte sich nicht um diesen Vorgang kümmern, immerhin wurde der Reisepass einen Monat später im Juli 1937 dann doch noch ausgestellt.

Am 6. September trat Hermine Mansbach die Reise zu ihren Kindern über die Schweiz an und begab sich in Triest auf das Dampfschiff „Esperanza“ nach Haifa. Es sollte das letzte Wiedersehen der Kinder und ihrer Mutter sein. Sie kehrte am 21. Oktober zurück. Nachdem die Lebensbedingungen sich 1938 nochmals verschlechtert hatten und nach der Reichspogromnacht, bei der Moritz Mansbach einer Verhaftung und Verschickung in das KZ Dachau wegen seines Lebensalters von über 60 Jahren entging, stellten die Eheleute nun für sich beide am 7. Dezember 1938 nochmals einen Reisepassantrag. Die vom NS-Regime anerkannte Amtliche Auswanderer Beratungsstelle Karlsruhe bescheinigte, dass eine Informationsreise zu den Kindern in Palästina für die spätere Auswanderung geplant sei. Daraufhin ruhte der Passantrag. Vermutlich gelang es nicht mehr, die für das englische Mandatsgebiet Palästina notwendigen Papiere zu besorgen. Die Polizeibehörde vermerkte am 3. Januar 1940 auf dem Antrag, dass dieser nicht weiter verfolgt werde, „da bisher nicht erschienen“.

Nach der Reichspogromnacht wurden die Juden zum erlittenen Terror und ihrer kompletten Ausschaltung aus dem Wirtschaftsleben noch mit „Sühnezahlungen“ belegt, weil sie von den Nazis für das Pogrom auch noch schuldig gemacht wurden. Moritz Mansbach musste somit insgesamt 12.800 Reichsmark an „Juden-vermögensabgabe“ zahlen, zusätzlich zu den entgangenen Einnahmen, die aus dem eingeschränkten Praxisbetrieb resultierten.

Am 22. Oktober 1940 wurden Moritz und Hermine Mansbach von Polizisten in ihrer Wohnung aufgesucht. Sie hatten zwei Stunden Zeit, um das wichtigste Hab und Gut zusammenzusuchen und die Ritterstraße 6 zu verlassen. Dabei durften sie maximal 100 kg Gepäck mitnehmen.
Eine dreitägige Fahrt führte sie zunächst in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich, wo Moritz nach einiger Zeit an Dysenterie, auch unter dem Namen Ruhr bekannt, erkrankte. Er und Hermine waren dort in verschiedenen, von einander getrennten Bereichen untergebracht. In den ca. drei Wochen bis Mitte November hatten sie nur zweimalig die Gelegenheit, miteinander zu sprechen.
In einer Postkarte an seinen Sohn Erwin teilte er ihm bereits am 2. November 1940 mit, dass sie dort in Frankreich „sehr bescheiden untergebracht“ sind.
In einer zweiten Postkarte vom 11. November 1940, welche ebenfalls an seinen Sohn Erwin adressiert ist, aber beide Kinder ansprach, teilte Moritz mit, dass er und Hermine „unter der erzwungenen Trennung leiden“, sowie, dass die Kinder eine bevorstehende Einwanderung der Eltern [nach Palästina] „mit aller Energie“ vorbereiten sollten. Moritz und Hermine hatten noch Hoffnung, dass sich die Lage, in welcher sie sich befanden, bald bessern würde, was sich aber nicht bestätigen sollte. Nach der hohen Sterblichkeit im Lager Gurs vor allem der Alten und ganz Jungen angesichts der katastrophalen Lebensbedingungen, organisierte die französische Kollaborationsregierung im Frühjahr 1941 das Internierungslagersystem neu.
Am 20. März 1941 wurden Hermine und Moritz Mansbach in das ca. 180 Kilometer entfernte Camp de Récébédou bei Toulouse verlegt. Dies war ein Internierungslager, in dem vor allem Alte und Sieche untergebracht wurden.

Als ab Ende Juli 1942 die Deportationen in die Vernichtungslager begannen, war das Ehepaar nicht darunter. Es wurde stattdessen am 3. August 1942 in das Camp de Noé verlegt, ca. 20 Kilometer von Récébédou entfernt. Auch Noé war ein Lager der Vichy-Regierung für Alte und Kranke aus dem ebenfalls Transporte in Transitlager zur Vernichtung abgingen. Doch Moritz und Hermine Mansbach waren wundersamerweise nicht darunter. Doch für Hermine Mansbach waren die Strapazen zu stark. Sie verstarb just in dem Moment, als die Vernichtungstransporte Mitte November unterbrochen wurden im Lager Noé am 29. November 1942.

Moritz Mansbach blieb allein zurück. Als die Transporte im Frühjahr 1943 wieder losgingen, von französischer Seite inzwischen mit etwas minderem Eifer und nun ohne Zuführung älterer Menschen über 65 Jahren, blieb er verschont. Am 17. April 1943 schreibt er über das Internationale Rote Kreuz eine Kurznachricht an den Sohn Erwin in Palästina: „"Euren l. Brief vom 10.4. erhalten. Bin noch gesund. Herzlicher Gruß euer Vater." Eine Zeile dieses Mitteilungsformulars war herausgeschnitten, vermutlich zensiert. Er gehörte schließlich zu denen, die vom Präfekten aus den Lagern entlassen wurden und unter Aufsicht in spezielle Altenzentren unter Überwachung kamen. So wurde Moritz Mansbach am 19. August 1943 nach Montélimar verbracht. Dort blieb er bis zur Befreiung am 28. August 1944 und darüber hinaus, was ein Ausweispapier belegt, welches als letztes Erneuerungsdatum den 10. April 1946 aufweist.

Vermutlich setzten sich seine Kinder ein. So konnte Moritz Mansbach schließlich nach Israel ausreisen, wo er in der Stadt Cholon lebte, die heute ein Vorort von Tel Aviv ist.
Moritz Mansbach betrieb aus Cholon 84-jährig ab 1950 sein Wiedergutmachungsverfahren gegenüber der noch jungen Bundesrepublik Deutschland geistig rege. Aufgrund des im Jahre 1942 von der Reichsbank beschlagnahmten Bankkontos, auf welchem sich zu dem Zeitpunkt Einlagen von ungefähr 13.800 Reichsmark befanden, wegen der beschlagnahmten Wohnungs- bzw. Praxiseinrichtung sowie wegen der durch die Deportation nicht mehr durchführbaren Arbeit als Zahnarzt, wurde Moritz Mansbach entsprechende Entschädigung zugesprochen. Er erhielt eine Entschädigung von 20.500 Deutschen Mark (DM) für den verlorenen Haushalt, sowie nach einem Bescheid vom 16. Juli 1956 eine monatliche Rente als Ausgleich für die verlorenen Praxiserlöse von 429 DM. Eventuell hätte er damit seinen Lebensunterhalt in Israel mäßig bestreiten können. Aber das erlebte er nicht mehr.
Am 18. Juni 1956 verstarb Dr. Moritz Mansbach in Tel Aviv 90-jährig eines natürlichen Todes.

Sein Sohn Erwin Mansbach war zuvor gestorben. Am 27. März 1948 war er im Krankenhaus von Haifa einem Bauchschuss erlegen. Er war gefallen, wie die Witwe mitteilte. Erwin Mansbach war demnach also Teilnehmer im Arabisch-Israelischen Krieg, auch Israelischer Unabhängigkeitskrieg genannt (1947-1949).

(Julian Müller, März 2017)


Quellen:

Stadtarchiv Karlsruhe: 1/AEST 36, 1238; 1/H-Reg 123; 8/StS 20, 204; 8/StS 34, 159-161;
Generallandesarchiv Karlsruhe: 237 Zugang 1967-19 Nr. 1185; 330/795 und 796; 480/7453, 29335;
Staatsarchiv Ludwigsburg: EL 402/13, Nr. 384;
Bismarck-Gymnasium-Archiv;
Israelitisches Gemeindeblatt Ausgabe B: 16.12.1932, 10.2.1935, 15.7.1936
Blau-Weiß: Blau-Weiß-Blätter (Alte Folge) 6, 1918;
Blau-Weiß: Blau-Weiß-Blätter (Neue Folge), Sonderheft, 1925;
Verlobung sowie Geburtsanzeige: Karlsruher Tagblatt vom 19.3.1921 und 17.3.1922;
Spende: Badische Presse, 11.7.1916;
Rahel Straus, Wir lebten in Deutschland, Erinnerungen einer deutschen Jüdin, 1880-1933, München 1961, S. 33f;
Josef Werner, Hakenkreuz und Judenstern, S. 225;