Aus dem Fotoalbum

Bild 1
Großansicht des Bildes
[Bild 1 von 2]
Das Mädchen Liselotte Margot im Alter von 14 Jahren; Porträt für Reisepassantrag 1938

Personendaten

Liselotte Margot Elikan

Nachname: Elikan
Vorname: Liselotte Margot
Geburtsdatum: 7. Mai 1924
Geburtsort: Heidelberg (Deutschland)
Familienstand: ledig
Eltern: Willi Lichtenwalter und Helene Geiger, geb. E.
Verwandtschaftsverhältnis: Schwester von Marianne (29.7.1928, Durlach )
Adresse: Krumme Str. (Synagogenstr.)
Waldhornstr. 39
Brunnenstr./Am Künstlerhaus (Durlacher Str.; Durlachertorstraße) 59
Schule/Ausbildung: Volksschule:
1932-1939: Landschulheim Herrlingen
Ausbildung im Heim des ehemaligen Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, 1939-1941
Beruf: Krankenschwester ( im Jüdischen Krankenhaus, Frankfurt a.M.)
Deportation: 27.1.1942 von Gelsenkirchen nach Riga (Lettland)
später nach Stutthof (Deutschland, heute Polen)
Sterbedatum: Dezember 1944
Sterbeort: Stutthof (Deutschland, heute Polen)

Biographie

Liselotte Margot Elikan

Der letzte Vorbeter und Gemeindediener in der Grötzinger Synagoge, Leopold Traub, war mit Johannette Elikan aus Hagenbach verheiratet (siehe seine Biographie). Sie hatte eine Tochter, Helene Elikan (geboren 1903), mit in die Ehe gebracht. Eine Zeitzeugin, heute über 90 Jahre alt, erinnert sich noch an „Leopolds Tochter Helen“, die in ihrer Kinderzeit „vielleicht 20 Jahre jung war“. Helene lebt mit ihrer Tochter Liselotte Margot Elikan, die 1924 in Heidelberg geboren wurde, im Haushalt des Stiefvaters Leopold Traub in der Synagogenstraße. Eine Grötzingerin, die ihre Mutter und Tante vor 1934 jährlich zum Großputz in die Synagoge begleitete, durfte mit „Lotte“ in Schulsaal und Betraum spielen. Liselotte Margot wird in Grötzingen eingeschult. Es gibt noch ein Klassenfoto von 1931, auf dem sich ganz vorne rechts Liselotte deutlich von ihren – eher ländlich gekleideten - Klassenkameraden abhebt. Als einzige trägt sie ein Mäntelchen, in dunkler Farbe, anscheinend mit Pelzbesatz am Kragen (der Stiefgroßvater, wenn auch arm, handelte mit Hasenfellen). Sie trägt weiße Söckchen und blank polierte Halbschuhe, und die dunklen Haare sind zu einem modischen „Bubikopf“ gekämmt.
1931 stirbt Helenes Mutter, Liselottes Großmutter Johanette mit 65 Jahren in Grötzingen.
In den Erinnerungen der Mitschüler war Liselotte Margot plötzlich während der ersten beiden Schuljahre verschwunden. Am 30. Dezember 1931 wird sie mit ihrer Mutter Helene in Grötzingen abgemeldet, sicherlich, weil die Großmutter, Johannette, gestorben war. Beide ziehen nach Ettlingen.
Helene heiratet dort den Ofensetzer Franz Josef Geiger und wird wieder geschieden. 1940 wohnt Helene in Karlsruhe, erst in der Durlacher Straße 59 (heute: Am Künstlerhaus/Brunnenstraße), dann in der Kriegsstraße 88, dem Nassauer Hof, der ein Zufluchtsort der Karlsruher Juden geworden war. Sie wird am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Am 11. Juni 1942 kommt sie von Rivesaltes zum Sammellager Drancy und von dort am 14. August 1942 nach Auschwitz. Laut Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen verstarb sie dort am 26. März 1942.
Die Tochter Liselotte Margot wohnt mit ihrer Mutter erst in Ettlingen, dann ebenfalls in der Durlacher Straße in Karlsruhe. Im Dezember 1938 wird auf ihren Namen ein Passantrag gestellt. Ihre Adresse ist jetzt mit Waldhornstraße 39 angegeben, ihr Vater: „Willi Lichtenwalder, verstorben“. Der Anlass für den Passantrag war die mögliche Auslandsunterbringung jüdischer Kinder in England durch die „Amtlich anerkannte öffentliche gemeinnützige Auswanderer-Beratungsstelle Karlsruhe“: Das hätte die Rettung werden können!
Dieser Pass wird aber niemals abgeholt, er liegt heute noch im Archiv. Liselotte Margot ging nach Gelsenkirchen und wurde von dort am 27. Januar 1942 nach Riga (bislang war der Deportationsort wegen unterschiedlicher Angaben fraglich) deportiert. Sie ist nach Beschluss des Amtsgerichtes Gelsenkirchen für tot erklärt.

Helene Elikan hatte noch eine zweite Tochter: Marianne, geboren 1928. In Grötzingen erinnert sich keiner an sie. Als Dreijährige, ungefähr zum Zeitpunkt des Todes ihrer Großmutter, kommt sie zu Pflegeeltern, den Eheleuten Eduard Wolf und Melanie geb. Hayum. Bis 1938 besucht sie die Volksschule in Wawern, danach in Trier. Eduard und Melanie Wolf werden am 1. März 1943 nach Osten deportiert, sie sind für tot erklärt.
Pflegetochter (oder Adoptivkind?) Marianne wird im Juli 1942 allein nach Theresienstadt verbracht, bleibt dort bis zum Kriegsende. Später heiratet sie, wird Ende der 1960er Jahre wieder geschieden. Ihrem Antrag auf Wiedergutmachung wird nie entsprochen. Endlose Korrespondenz von Rechtsanwälten mit den möglicherweise zuständigen Bundesländern (Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg?), über den tatsächlichen Vollzug einer Adoption durch die Eheleute Wolf oder die rechtliche Nachfolge der leiblichen Mutter (obgleich doch alle drei durch das Naziregime zu Tode kamen!) und die Nichteinhaltung von Antragsfristen und -orten, haben wir mit Beklemmung und Unverständnis im Generallandesarchiv zur Kenntnis genommen (2008 erschienen ihre Erinnerungen: Thomas Schnitzler Hrsg., „Das Leben ist ein Kampf“. Marianne Elikan - Verfolgte des Nazi-Regimes. Tagebuch, Briefe und Gedichte aus Trier und Theresienstadt. Trier 2008).

(Rita Butendeich und Uschi Steinhardt-Stauch, März 2007)

Das Gedenkbuch zum Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg wurde 2010 online gestellt und enthält weiterreichende biographische Informationen zu Liselotte Margot Elikan:

http://gedenkbuch.neu-isenburg.de/elikan-lieselotte-margot/