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Regina Ullmann, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Regina Ullmann

Nachname: Ullmann
Vorname: Regina
Geburtsdatum: 10. Januar 1886
Geburtsort: Würzburg (Deutschland)
Familienstand: ledig
Adresse: 1939: Karl-Friedrich-Str. 16, von Würzburg zugezogen
Schule/Ausbildung: Töchterschule
Beruf: Handelsvertreterin
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
10.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Regina Ullmann

Regina Ullmann wurde am 10. Januar 1886 als Tochter des Kaufmanns und Schuhwarenhändlers Moritz Ullmann (1843-1899) und seiner zweiten Ehefrau Klara, geborene Ifri (1853-1936), in Würzburg geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf, den älteren Schwestern Hedwig (geboren 1880) und Ida (1882-1940) sowie dem Bruder Max (geboren 1884). Ihre jüngere Schwester hieß Jenny (geboren 1891).

Als Regina 13 Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Seit 1901 wohnte die Familie in der Würzburger Sophienstraße 14. Regina besuchte eine Töchterschule, wurde Vertreterin und lebte unverheiratet bei ihrer Mutter Klara, einer Privatiere.

Wenige Monate nach dem Tod ihrer Mutter zog Regina im Februar 1937 in die Sieboldstraße 3 ½. Dort wohnte sie als Untermieterin bei der jüdischen Privatiere Rosa Neuberger. Etwa zwei Jahre später, zum 1. März 1939, zog sie erneut um – in die Hindenburgstraße 29, eines der Würzburger „Judenhäuser“. Sie lebte dort als Untermieterin des Kaufmanns Anton Vorchheimer.

Im Februar des folgenden Jahres verstarb ihre Schwester Ida, die Berthold Diefenbronner (1877-1953), einen Kaufmann und zugleich Sekretär der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Karlsruhe geheiratet hatte. Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn Eric. Vermutlich um ihrem Schwager den Haushalt zu führen, zog Regina im März 1940 zu ihrem Schwager Berthold nach Karlsruhe. Er wohnte in der Karl-Friedrich-Straße 16, dem Gemeindehaus der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft. Das Zentrum fungierte zu dieser Zeit auch als „Judenhaus“, d.h. dort wurden zwangsweise jüdische Bürger einquartiert.

Von dort wurde Regina zusammen mit ihrem Schwager am 22. Oktober 1940 wie über weitere 6.500 Juden aus Baden, dem Saarland und der Pfalz in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Die Aktion war von langer Hand von den Gauleitern Wagner und Bürckel geplant worden und hat die badischen Juden vollkommen überrascht.

Das Internierungslager Gurs war am Fuße der Pyrenäen für Flüchtlinge des spanischen Bürgerkrieges errichtet worden. Es genügte nicht einmal den primitivsten menschlichen Bedürfnissen und war durch die Aufnahme der Badener Juden hoffnungslos überfüllt. Da Männer und Frauen getrennt untergebracht wurden, dürfte Regina ihren Schwager seit der Ankunft nicht mehr gesehen haben.

Etwa zwei Jahre später, am 5. August 1942 wurde sie über das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.

Ihr Schwager Berthold Diefenbronner war bis zum 31. Mai 1943 im Lager Gurs interniert. Er überlebte den Holocaust und blieb nach dem Krieg in Frankreich, wo er am 12. Juli 1953 in Conat sur Haute Vienne verstarb.

(Manuel Huth für die Initiative „Würzburger Stolpersteine“, 2015)

Mit freundlicher Genehmigung des Autors