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Leopold Traub 1939. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Leopold Traub

Nachname: Traub
Vorname: Leopold
Geburtsdatum: 23. November 1871
Geburtsort: Karlsruhe-Grötzingen (Deutschland)
Familienstand: verwitwet
Eltern: Bernhard und Regine, geb. Holz, T.
Verwandtschaftsverhältnis: Witwer von Johanette (16.7.1866-28.10.1931) T., geb. Elikan;

Stiefvater von Helene Geiger, geb. Elikan;

Bruder von Ludwig Lazarus
Adresse: Krumme Str. (Synagogenstr.)
Beruf: Kaufmann, Rohproduktehändler (Altwarenhändler)
Deportation: 11.11.-2.12.1938 in Dachau (Deutschland)
22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
Sterbedatum: 17. September 1941
Sterbeort: Gurs (Frankreich)

Biographie

Leopold Traub, Helene Geiger und Liselotte Margot Elikan

Wann die Traubs nach Grötzingen gekommen sind, können wir nicht sagen, eine erste Eintragung der Familie in den Kirchenbüchern finden wir im Jahr 1811. Zu dieser Zeit ist Salomon David Traub jüdischer Schullehrer im Ort, auch „Totengräber zu Grombach“, da die Grötzinger Juden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem dortigen jüdischen Friedhof beerdigt werden mussten. Erst 1905 wurde damit begonnen, einen eigenen jüdischen Friedhof in Grötzingen anzulegen. Salomon und seine Ehefrau Bühele, die häufig als Zeugin bei Geburten im Dorf erwähnt wird, werden die Stammeltern von vier Generationen Traub im Dorf, bis der Vernichtungswahn des Nationalsozialismus diesen Namen in Grötzingen endgültig löschte. Die Traubs waren meist „Schutzjuden“, von einigen wissen wir, dass sie ins Bürgerrecht aufgenommen wurden. Im 19. Jahrhundert übten sie handwerkliche Berufe wie Schuster und Schneider aus, manche waren Handelsleute. In jeder Generation ist einer von ihnen Vorsänger oder Schullehrer der jüdischen Gemeinde, bis zu Leopold Traub, der 1941 im Lager Gurs umgekommen ist.
Seit den 1830er Jahren hatte Maier Traub, der Sohn Salomons und Büheles, das Amt des Schullehrers und Vorbeters inne und wohnte daher im Synagogengebäude. Seine Bemühungen um ein angemessenes Gehalt und die Instandsetzung des Schulzimmers und der Lehrerwohnung („Boden nicht gedielt, Wohnzimmer feucht und Fußboden verfault etc.“), sind mehrfach aktenkundig geworden. Der israelitische Oberrat musste im Dezember 1859 mit deutlichen Worten eingreifen, damit Maier von der Grötzinger Gemeinde endlich besser entlohnt wurde. Auch die Renovierung der Dienstwohnung und des Schulzimmers wurde erst begonnen, nachdem mehrfache Inspektionen es als „blutnotwendig“ bezeichneten, „diesem Zustand ein Ende zu machen“. Maier interessierte sich um 1848 für revolutionäre Ideen und war Leser des „Verkündiger“, einer in Karlsruhe erscheinenden Zeitung, welche unter anderem „den Lateinisch sprechenden Bürgermeister aus Grötzingen“ aufs Korn nahm. Sein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof oberhalb Obergrombachs trägt folgende hebräische Inschrift:

„Hier ist begraben
Ein getreuer Mann, untadelig wandelnd,
seine Taten waren gut und vollkommen,
frühmorgens und abends eilte er zu Tora und Gebet,
sein Name ist bekannt zu Ruhm und Preis;
es ist der Vorsänger, Herr Me’ir Traub,
Sohn des Chawer, Herrn Schlomo Halevi aus Grötzingen“

Eine weitere, in die Ortsgeschichte eingegangene Persönlichkeit war Maiers Bruder Menke Traub. Wahrscheinlich mit einigem Vermögen gesegnet, wurde der Schuhmachermeister 1840 in das Bürgerrecht aufgenommen. Das beinhaltete einen Anteil am Allmendgenuss. Acht Jahre später, während der „Judenkrawalle“ nach mehreren Missernten, werden er und die anderen Grötzinger Juden gezwungen, auf dieses Recht zu verzichten. 1850 sollte dies („die Verzichtleistung des Menk Traub pp.“) auf Verlangen des Oberamtes wiederum rückgängig gemacht werden, und der Gemeinderat „unter Verfällung in die Kosten“ habe alle Juden wieder einzusetzen. Es folgt ein erbitterter Streit, und obwohl die Mitglieder des Grötzinger Gemeinderates erst fünf, dann acht Gulden Strafe zahlen müssen, wollten sie den Prozess unter Beteiligung der Bürger an den Kosten bis in die höchste Instanz weiterführen. Erst 1851, als abzusehen war, dass ein Urteil zum Nachteil der christlichen Bevölkerung gesprochen werden würde, einigte man sich in einem Vergleich.

Im Jahr 1936 sind in Grötzingen nur noch zwei Haushalte der Familie Traub registriert: der von Ludwig Lazarus in der Waldstraße 13 (Bruchwaldstraße) und die Wohnung seines Bruders Leopold in der Synagogenstraße 15 (Krumme Straße). Ein weiterer Bruder, Samuel, muss nach 1904 verstorben oder weggezogen sein, dessen Ehefrau Bertha, geb. Daube, ist 1941 in Gurs verstorben. Die Brüder Lazarus Ludwig und Leopold waren Söhne von Bernhard Bär Traub und Regine geb. Holz, Enkel von Löw und Jeannette Wolf. 1899 werden Bernhard Traub und sein Sohn Lazarus in der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Grötzinger Synagoge als Gemeindemitglieder erwähnt.

Leopold Traub, geboren 1873, war der letzte Vorbeter und Gemeindediener der Grötzinger Synagoge, welche auch für Durlach zuständig war. Er folgte so der Tradition der Traubs nach: Schon Vater Bernhard, Großonkel Maier und Urgroßvater Salomon waren „Sänger“ und „jüdische Schullehrer“ gewesen. Einen eigenen Rabbi konnten sich die Grötzinger anscheinend nicht leisten. Wie Maier Traub, der sich die Renovierung des Schulzimmers und der Wohnung so hart erkämpfen musste, wohnte auch Leopold in der Synagoge. Die Vollendung dieses Gotteshauses im Jahre 1798, zu dem auch der spätere Großherzog Karl erschienen war, gestaltete sich zu „einer glanzvollen Kundgebung der Toleranz und der Duldsamkeit“, wie Sigmund Metzger, der Vorsitzende des Synagogenrats 1899 in der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum schrieb. „Wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen, ist es wohl“ stand in Hebräisch auf einer an der Synagoge angebrachten Marmortafel. Sie wurde am 10. Oktober 1938 vom nationalsozialistischen Mob zerschlagen.
Die Grötzinger Gemeinde war wahrscheinlich eine orthodoxe. Dennoch kann sich niemand im Dorf daran erinnern, dass der Vorbeter oder seine Familie anders gekleidet waren als der Rest im Ort. Kopftücher waren bei allen Frauen Gang und Gäbe und Schwarz eine übliche Textilfarbe unter den Armen, von denen es reichlich gab. Leopold war, wie auch sein Bruder Ludwig, einer dieser Armen. Eine ehemalige Nachbarin sagt: „ohne Wagen und Pferd sicherlich der Ärmste der Juden in Grötzingen“. Nicht einmal Hühner hätten im Hof der Synagoge gescharrt. Nach einer Steuerakte der israelischen Gemeinde, welche von ihm unterschrieben ist, erhielt er in den zwanziger Jahren 100 Mark als Vorbeter und eine Vergütung für den Synagogendienst von 20 Mark, zusätzlich 100 Mark für „Hilfsvorbeter an hohen Feiertagen“. Der Religionslehrer Ehrlicher bekam in derselben Zeit 600 Mark. Ab 1934 reduzierten sich die Ausgaben für den Lehrer auf 360 Mark, Leopold Traub erhielt weiterhin 100, aber: „Hilfsvorbeter an Feiertagen entfällt“. Da die Grötzinger sich keinen eigenen leisten konnten, kam an hohen Feiertagen ein Rabbiner oder Oberrabbiner von auswärts. Aus der Sitzung des Grötzinger Gemeinderats vom 13. Februar 1919 geht hervor, dass Leopold Traub das der Gemeinde gehörende Alteisen auf Grund seines Angebots zu 5 Mark pro Kilo abgegeben wurde. Er verdiente sich also seinen kargen Lebensunterhalt auch mit Handel von Alteisen. Metalle, alle Sorten Lumpen und Felle, Papier usw. kauft er zu höchsten Tagespreisen, wie aus einem Inserat im „Grötzinger Anzeiger“ vom 6.12. 1919 hervorgeht. 1922 inseriert er wiederum im Anzeiger, diesmal auch zum Ankauf von Kupfer, Messing, Rotguss, Zink, Wein-, Bordeaux- und Sektflaschen. Dennoch werden ein- oder zweimal im Jahr die Synagoge und ihre Wohnung von zwei Frauen aus dem Dorf (mindestens bis 1934) gründlichst geputzt. Das war wahrscheinlich kein Luxus, sondern die rituelle Reinigung vor Pessach, ähnlich dem „Osterputz“. Die beiden Reinemachefrauen sind Schwestern und bringen während der Putzaktionen ihre kleinen Töchter mit ins Haus der Synagoge. Eine der beiden Mädchen, welche ihre Mütter freudig begleiteten, erinnert sich noch heute an Lotte, das 1924 geborene Kind von Leopolds Stieftochter Helene, mit der sie dann spielten. Auch gab es dort einen geheimnisvollen Samtvorhang, der nicht berührt werden durfte und die Kinder bekamen Matzen von Leopold, etwas Eigenartiges, das ihnen aber „nach nichts“ schmeckte… Am Sabbat durften die Bewohner der Synagoge kein Feuer machen und kein Streichholz anreißen – selbst im Winter nicht. Die Nachbarstöchter gingen dann hinüber, heizten die Öfen und brachten das vorgekochte Essen angewärmt mit.

Bereits am 5. März 1934 beschloss der „gleichgeschaltete“ Grötzinger Gemeinderat, die Synagogenstraße in „Krumme Straße“ umzubenennen.

Am 10. November 1938 erschrecken die Kinder in der Grötzinger „Kinderschule“ über zerberstende Fensterscheiben und lautes Getöse. Über einen benachbarten Garten hinweg geht ihr Blick auf die Synagoge. Dort werden Tische, Bänke und andere Einrichtungsgegenstände mit voller Wucht auf den Vorplatz geworfen und zerbrechen: Es ist der Tag nach der „Reichskristallnacht“.
Gegen Mittag hatten vier Personenwagen mit unbekannten Männern in Zivil die Synagoge erreicht, in der Leopold Traub wohnte. Das Haus sollte angezündet werden, aber nebenan stand ein ziemlich neues Gebäude, das sicherlich auch Feuer gefangen hätte, so beschränkten sich die Eindringlinge auf einfachen Vandalismus und zerstörten, was möglich war. Pergamentrollen, Gebetbücher und zerschlagenes Mobiliar flogen aus den Fenstern. Der Nachbar Hermann Jordan berichtete später: „Die haben randaliert wie eine wilde Horde. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich habe zwei Weltkriege mitgemacht, aber so etwas nie sonst erlebt“. Jahre zuvor hatte derselbe Jordan die marmorne Stele mit der Inschrift zu den einträchtig beieinander wohnenden Nachbarn angebracht.
Die Gemeindeverwaltung ließ die auf der Straße liegenden Gebetsrollen verwahren. Am 15. November 1938 wurden sechs Gebetsrollen an die Kreisleitung der NSDAP abgeliefert. Leopold Traub konnte einen Teil einer Gebetsrolle retten, den er vor seiner Deportation nach Gurs bei Pfarrer Herbert Fuchs verwahrte. Am 40. Jahrestag der Zerstörung der Grötzinger Synagoge wurde bei ihrem ehemaligen Standort eine Gedenkstele enthüllt. Pfarrer Eckart Fuchs, Sohn von Herbert Fuchs, erstattete hierbei den damals seinem Vater überlassenen, von Leopold Traub geretteten Teil der Gebetsrolle zurück an den Oberrat der Israeliten Badens.
Am gleichen Tag wurden alle jüdischen Männer, derer man habhaft werden konnte, abgeholt. Eine Nachbarin, welche das wahrnahm, machte Leopold noch ein Essen. Als er danach aus deren Haus abgeführt wurde, rief eine Frau: „Lennt doch den Leopold in Ruh!“ Sie wurde durch die Wachposten ermahnt, danach war Stille. Auf einem Lastwagen fuhr man die Männer auf die „Schwanenwiese“, dort wurden sie umgeladen und mit den anderen männlichen Juden aus der Umgebung nach Durlach gebracht. Nach einer Nacht im dortigen Gefängnis lieferte man sie am 11. November ins KZ Dachau ein. Erst am 2. Dezember kehrten sie von dort zurück. Leopold muss danach mit seinem Bruder Lazarus Ludwig Traub und dessen Familie in der Mittelstraße 34 (heute: Schultheiß-Kiefer-Straße 25/27) gewohnt haben. Im Erdgeschoss, hinter dem Laden von Max Palm haben die Grötzinger Traubs ihre letzte Wohnstätte gehabt.
Leopold und sein Bruder Lazarus Ludwig, dessen Ehefrau Thekla und seine Töchter Mina und Jenny wurden am 22. Oktober 1940 zusammen mit den anderen in Grötzingen verbliebenen Juden nach Gurs, der Vorhölle von Auschwitz, deportiert. Leopold stirbt dort am 17. 9. 1941. Sein Grab hat dort die Nummer 829.
Am 4. Januar 1942 stirbt Leopolds Bruder Ludwig im Lager Noé. Seine Nichten Mina und Jenny werden am 12. August 1942 nach Auschwitz deportiert und sind dort umgekommen. Die Schwägerin Thekla wurde 1943 aus dem Lager Noé in ein französisches Altersheim entlassen und kehrte 1947 nach Karlsruhe zurück.

Leopold Traub war mit Johannette Elikan aus Hagenbach verheiratet. Sie hatte eine Tochter, Helene Elikan (geboren 1903), mit in die Ehe gebracht. Eine Zeitzeugin, heute über 90 Jahre alt, erinnert sich noch an „Leopolds Tochter Helen“, die in ihrer Kinderzeit „vielleicht 20 Jahre jung war“. Helene lebt mit ihrer Tochter Liselotte Margot Elikan, die 1924 in Heidelberg geboren wurde, im Haushalt des Stiefvaters Leopold Traub in der Synagogenstraße. Eine Grötzingerin, die ihre Mutter und Tante vor 1934 jährlich zum Großputz in die Synagoge begleitete, durfte mit „Lotte“ in Schulsaal und Betraum spielen. Liselotte Margot wird in Grötzingen eingeschult. Es gibt noch ein Klassenfoto von 1931, auf dem sich ganz vorne rechts Liselotte deutlich von ihren – eher ländlich gekleideten - Klassenkameraden abhebt. Als einzige trägt sie ein Mäntelchen, in dunkler Farbe, anscheinend mit Pelzbesatz am Kragen. Sie trägt weiße Söckchen und blank polierte Halbschuhe, und die dunklen Haare sind zu einem modischen „Bubikopf“ gekämmt.
1931 stirbt Helenes Mutter, Liselottes Großmutter Johanette mit 65 Jahren in Grötzingen.
In den Erinnerungen der Mitschüler war Liselotte Margot plötzlich während der ersten beiden Schuljahre verschwunden. Am 30. Dezember 1931 wird sie mit ihrer Mutter Helene in Grötzingen abgemeldet, sicherlich, weil die Großmutter, Johannette, gestorben war. Beide ziehen nach Ettlingen.
Helene heiratet dort den Ofensetzer Franz Josef Geiger und wird wieder geschieden. 1940 wohnt Helene in Karlsruhe, erst in der Durlacher Straße 59 (heute: Am Künstlerhaus/Brunnenstraße), dann in der Kriegsstraße 88, dem Nassauer Hof, der ein Zufluchtsort der Karlsruher Juden geworden war. Sie wird am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Am 11. Juni 1942 kommt sie von Rivesaltes zum Sammellager Drancy und von dort am 14. August 1942 nach Auschwitz. Laut Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen verstarb sie dort am 26. September 1942.
Die Tochter Liselotte Margot wohnt mit ihrer Mutter erst in Ettlingen, dann ebenfalls in der Durlacher Straße in Karlsruhe. Im Dezember 1938 wird auf ihren Namen ein Passantrag gestellt. Ihre Adresse ist jetzt mit Waldhornstraße 39 angegeben, ihr Vater: „Willi Lichtenwalder, verstorben“. Der Anlass für den Passantrag war die mögliche Auslandsunterbringung jüdischer Kinder in England durch die „Amtlich anerkannte öffentliche gemeinnützige Auswanderer-Beratungsstelle Karlsruhe“: Das hätte ihre Rettung werden können!
Dieser Pass wird aber niemals abgeholt, er liegt heute noch im Archiv. Liselotte Margot wird am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert, vermutlich ist sie dort auch umgekommen. Warum sie nach Gelsenkirchen ging, bleibt im Verborgenen. Sie ist nach Beschluss des Amtsgerichtes Gelsenkirchen für tot erklärt.

Helene Elikan hatte noch eine zweite Tochter: Marianne, geboren 1928. Nur eine Nachbarin, Frau Rothweiler, weiß noch, dass Helen zwei Kinder hatte, mit denen sie ganz plötzlich fort gegangen war. Sie habe sich oft gefragt, was aus ihnen geworden sei. Als Dreijährige, ungefähr zum Zeitpunkt des Todes ihrer Großmutter, kommt Marianne Elikan zu Pflegeeltern, den Eheleuten Eduard Wolf und Melanie geb. Hayum. Bis 1938 besucht sie die Volksschule in Wawern, danach in Trier (2008 erschienen ihre Erinnerungen: Thomas Schnitzler Hrsg., „Das Leben ist ein Kampf“. Marianne Elikan - Verfolgte des Nazi-Regimes. Tagebuch, Briefe und Gedichte aus Trier und Theresienstadt. Trier 2008). Eduard und Melanie Wolf werden am 1. März 1943 nach Osten verbracht, sie sind für tot erklärt.
Anfang 1944 (sie ist 16 Jahre alt) wird Marianne allein nach Theresienstadt deportiert und bleibt dort bis zum Kriegsende. Später heiratet sie einen Herrn Roland, wird Ende der sechziger Jahre wieder geschieden und heißt danach wieder Elikan. Als Erbin ihrer Mutter (Helene Geiger) stellt Marianne 1951 in Trier erstmals einen Entschädigungsantrag für deren Haftzeit und Tod, welcher wegen Nichtzuständigkeit abgelehnt wird. Es folgt eine endlose Korrespondenz von Rechtsanwälten mit den möglicherweise zuständigen Bundesländern (Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg), über den tatsächlichen Vollzug einer Adoption durch die Eheleute Wolf oder die rechtliche Nachfolge der leiblichen Mutter (obgleich doch alle drei durch das Naziregime zu Tode kamen!) und die Nichteinhaltung von Antragsfristen und –orten, welche wir mit Beklemmung und Unverständnis im Generallandesarchiv zur Kenntnis genommen haben. Marianne Elikan schafft es nicht, als Erbin ihrer leiblichen Mutter eine Entschädigung zu erhalten. Trotz fehlender Adoptionspapiere wird sie den Hayums zugeordnet, dennoch sei die Adoption nicht vollzogen, weil die Adoptionseltern „die Voraussetzungen nicht erfüllten“ . Sehr spät wird ihr in Rheinland-Pfalz eine kleine Waisenrente zugebilligt und zusätzlich eine Kapitalentschädigung in unbekannter Höhe. Diesen Bescheid erhält sie 1971.

(Rita Butendeich und Uschi Steinhardt-Stauch, März 2007)