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Marie Strauss

Personendaten

Marie Strauss

Nachname: Strauss
geborene: Eisinger
Vorname: Marie
Geburtsdatum: 28. Oktober 1877
Geburtsort: Mannheim (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Verwandtschaftsverhältnis: Ehefrau von Max S. (1871-1940);

Mutter von Fritz und Walter
Adresse: Richard-Wagner-Str. 9, Mai 1937 nach Wiesbaden verzogen
Deportation: 11.6.1942 von Frankfurt a.M. nach Izbica (Polen)
Weitertransport vermutlich nach Sobibor (Polen)

Biographie

Marie Strauß geb. Eisinger

Dies ist nicht nur ein Bericht über Marie Strauß, sondern auch über ihren Ehemann Max Strauß und beider Söhne Walter und Fritz Strauß; ohne Max, Walter und Fritz wäre das Leben von Marie Strauß so nicht gewesen, wie es war.

Beginnen wir mit Max Strauß. Er wurde am 2. Juni 1871 als zwölftes Kind von Leopold und Sarah Strauß, geborene Kirchheimer, in Heilbronn geboren (drei Kinder waren allerdings schon im Babyalter gestorben). Max war das jüngste Kind, ein "Nachzügler" (der älteste Bruder Louis, 1852 geboren, war zum Zeitpunkt der Geburt von Max schon in die USA ausgewandert). Die Mutter starb zwei Wochen nach seiner Geburt am 17. Juni 1871 an Kindbettfieber, wie es im Sterberegister heißt. Der Vater Leopold heiratete bald darauf wieder und hatte mit seiner zweiten Frau, Ernestine Sarah, geborene Uhlfelder, weitere fünf Kinder.
Leopold Strauß, geboren 1826 in Massenbachhausen, einem schwäbischen Dorf im heutigen Landkreis Heilbronn, heiratete 1851 in Berwangen, einem Nachbardorf im Badischen, heute auch zum Landkreis Heilbronn gehörend, Sarah Kirchheimer und ließ sich nach der Heirat in Berwangen nieder. Er betätigte sich als Getreide- und Futtermittelhändler, anfangs in Berwangen, aber schon Mitte der 1850er Jahre verlegte er seine geschäftlichen Aktivitäten nach Heilbronn (im Württembergischen war zu dieser Zeit bedeutend mehr Mühlenindustrie angesiedelt als im Badischen) und kaufte dort ein Haus in der Sulmer Straße; zunächst wohnte er noch in Berwangen, zog aber Mitte der 1860er Jahre nach Heilbronn um.
Max Strauß kam um 1890 nach Karlsruhe. Sein Schwager Bernhard Würzburger, der Max' ältere Schwester Cäcilie 1880 geheiratet hatte, betrieb in Karlsruhe recht erfolgreich eine Großhandlung für Lokomobile, Pumpen, Rollbahnen und Werkzeugmaschinen in der Gerwigstraße 51. Bei Bernhard Würzburger, der 1880 aus Binau am Neckar nach Karlsruhe kam und sich aus kleinsten Anfangen hoch gearbeitet hatte, lernte er den Kaufmannsberuf.
Offenbar war er so tüchtig, dass er schon 1900 Prokurist und 1902 bereits Teilhaber in der Firma seines Schwagers wurde. Die Teilhaberschaft gab Max Strauß die finanzielle Basis, im gleichen Jahr, am 3. Juli 1902, Marie Eisinger - in Mannheim - zu heiraten.
Marie Elise Eisinger wurde am 28. Oktober 1877 in Mannheim als ältere von zwei Töchtern von David Eisinger und Rosa Aberle in Mannheim geboren. Der Vater David Eisinger, Tabakhändler, kam Anfang der 1870er Jahre aus Merchingen, heute Ortsteil von Ravenstein im Landkreis Buchen, nach Mannheim. Als Tabakhändler belieferte er- erfolgreich - die zahlreichen prosperierenden Zigarrenfabriken und –manufakturen. Zigarrenrauchen war in Mode gekommen. So war er in der Lage, seine Tochter für die Ehe mit Max Strauß gut "auszustatten". Er starb 1908 in Mannheim.
Max Strauß war ehrgeizig, die Teilhaberschaft bei seinem Schwager genügte ihm nicht, er wollte ganz auf eigenen Füßen stehen und gründete bereits zwei Jahre später, 1904, mit 33 Jahren seine eigene Firma, die Firma Max Strauß , Feld-, Wald- und Industriebetriebs-, Bau- und Werkzeugmaschinenhandel in der Hansastraße 18 im kurz zuvor neu eingeweihten Rheinhafen. Am 3. September 1927 wurde die Firma in das Handelsregister eingetragen.
Am 11. Oktober 1903 wurde der Sohn Walter, am 14. Oktober 1904 der Sohn Fritz geboren.
Max Strauß' Geschäft war von Anfang an recht erfolgreich. Mit großem Engagement baute er es aus, knüpfte auch zahlreiche Kontakte ins benachbarte Ausland. Und er wollte mit dem, was er erwirtschaftete, seiner Familie ein eigenes Heim bieten und aus der Mietwohnung am Haydnplatz 2 ausziehen. So kaufte er 1909 in dem Villen-Neubaugebiet zwischen Kaiserallee und Maxau-Straße (heute Ludwig-Marum-Straße), das zu jener Zeit gerade erschlossen wurde, das Haus Richard-Wagner-Straße 7 (damals wie heute eine der besten Wohnadressen in Karlsruhe). Sein prosperierendes Geschäft erlaubte es ihm auch noch im Jahre 1925 das benachbarte größere Haus Richard-Wagner-Straße 9 zu kaufen (das Haus Richard-Wagner-Straße 7 wurde danach vermietet). Anfang der 1930er Jahre war das Geschäft von Max Strauß - trotz Weltwirtschaftskrise - eines der bedeutendsten in der Branche in Deutschland.
Er erwarb Grundstücke in Kassel und Hagen (Westfalen) für die Errichtung einer Fabrik zur industriellen Verwertung von Erfindungen und Patenten des Sohnes Fritz bzw. für ein Auslieferungslager. Für 1934 war die Eröffnung einer Filiale in Düsseldorf geplant, aber dazu kam es durch die Ereignisse nicht mehr.
Marie Strauß war die „gute Seele im Hintergrund". Sie kümmerte sich um den Haushalt, um die Erziehung und Schulausbildung der Kinder und mancherlei gesellschaftliche Verpflichtungen, die die Tätigkeit ihres Mannes mit sich brachte; sie hielt ihrem Mann den "Rücken frei“, damit er sich voll seinen Geschäften widmen konnte. Ihr soziales Engagement bewies sie durch aktive Mitarbeit im Israelitischen Frauenverein, in dem sie langjähriges Mitglied war.
Walter, der ältere Sohn, besuchte von 1913 bis 1919 die Helmholtz-Oberrealschule (heute Helmholtz-Gymnasium). Er war der mehr praktisch veranlagte Mensch, der auch kein Interesse am Abitur hatte, deshalb ging er vorzeitig mit dem „Einjährigen“ ab. Fritz, der jüngere Sohn, besuchte von 1914 bis 1923 die gleiche Schule und legte dort im März 1923 sein Abitur ab. Beide waren für das Jahr 1918 vom Schulbesuch abgemeldet. Das lässt darauf schließen, dass vermutlich die ganze Familie das Jahr 1918 nicht in Karlsruhe verbrachte. Aber das ist nicht mehr aufzuklären.
Fritz Strauß studierte die ersten vier Semester Elektrotechnik an der TH Karlsruhe, danach setzte er das Studium im gleichen Fach an der TH Berlin-Charlottenburg fort und legte dort am 30. Juni 1928 seine Diplom-Prüfung ab. Er war gut befreundet mit Hans-Albrecht Straus, Sohn von Dr. Moritz A. Straus, Teilhaber des Bankhauses Straus & Co. am Friedrichsplatz, der an der TH Karlsruhe Maschinenbau studierte und zeitweise sogar bei ihm wohnte.
Walter Strauß trat 1920 in die väterliche Firma als Lehrling ein. Er hatte offenbar in besonderem Maße die kaufmännische Befähigung seines Vaters geerbt, denn er lernte schnell, worauf es in diesem Geschäft ankam. Bereits zehn Jahre später, mit 27 Jahren - wir greifen dem Zeitablauf voraus -, war er Prokurist und Teilhaber in der väterlichen Firma - eine außergewöhnliche Karriere. Und Walter Strauß war auch schon in jungen Jahren politisch und gesellschaftlich interessiert und engagiert. 1921 gründete er mit Gleichgesinnten die Ortsgruppe Ettlingen des jüdischen Wanderbundes "Kameraden" und baute - vom Vater finanziert - mit seinen Kameraden die „Kreuzelberghütte“ in Ettlingen auf (sie existiert heute noch) als Wanderheim und für Liederabende. Ziel war die Pflege des Deutschtums bei den Juden (es waren Schüler und Studenten von Karlsruher Juden, die dem Besitz- und Bildungsbürgertum zuzurechnen waren). 1925 wurde er Mitglied der SPD und des sozialdemokratischen Reichsbanners sowie des sozialistischen Arbeiterschützenvereins. Später wurde er sogar - durch Rechtsanwalt Dr. Hugo Marx - in den Vorstand der „Centralvereinigung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ berufen. Durch seine SPD-Mitgliedschaft zählten bedeutende Persönlichkeiten zu seinen politischen Freunden, so Rechtsanwalt Dr. Ludwig Haas, der schon erwähnte Dr. Hugo Marx und Dr. Ludwig Marum, mit dessen Sohn Hans er eng befreundet war. Zu seinen Freunden - in den 1920er Jahren - gehörte auch Otto Abetz, mit dem er den so genannten Sohlbergkreis 1929 gründete ( das war eine Bewegung zur Annäherung der deutschen und französischen Jugend). Abetz war Kunsterzieher am Fichte-Gymnasium. Er mutierte jedoch bereits Anfang der 1930er Jahre zum glühenden Nationalsozialisten und machte ab 1933 im Außenministerium Karriere; 1940 wurde er sogar deutscher Botschafter bei der Vichy-Regierung in Paris und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Deportation der Juden von Frankreich nach Auschwitz, Majdanek etc.
Walter Strauß nahm regelmäßig an den Kundgebungen des Reichsbanners teil, verteilte Flugblätter für die SPD und bildete mit Kameraden den Saalschutz bei Wahlversammlungen.
Für den „Centralverein“ wirkte er als Redner bei örtlichen Veranstaltungen in der Region.
Fritz Strauß ging als Dipl.-Ingenieur nach Berlin zur Firma AEG und wurde dort bald Leiter in einem Forschungslabor.
Mit der Machtübernahme Hitlers am 30.Januar 1933 änderte sich für die Familie schlagartig alles.
Die Söhne Walter und Fritz sahen ihre Zukunft offensichtlich nicht mehr in Deutschland. War es Weitsicht?
Nach der Verhaftung von Ludwig Marum und Adam Remmele, dem badischen Innenminister, verließ Walter Strauß Deutschland Ende Juli 1933 und ging nach Paris, wo sein Freund Hans Marum, der bereits Ende April das Land verlassen hatte, lebte. Walter Strauß fürchtete, wegen seiner politischen Betätigung in der SPD verhaftet zu werden. Hier heiratete er Marianne Born (geboren 27. September 1914). 1934 und 1936 wurden die Kinder Michel und Monique in Paris geboren. 1934 gründete Walter eine eigene Firma in Paris in der gleichen Sparte wie die väterliche Firma. Der Anfang war außerordentlich schwer, wie er schrieb. Als er endlich die Firma auf ein die Existenz seiner Familie sicherndes Niveau gebracht hatte, kam der Krieg.
Fritz Strauß emigrierte 1933 nach Palästina und heiratete dort die aus Polen stammende Franziska. 1934 wurde der - einzige - Sohn Joseph in Tel Aviv geboren. Im gleichen Jahr kehrte die Familie jedoch nach Karlsruhe zurück. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Familie wohnte im elterlichen Haus. Fritz wurde wieder bei der AEG tätig. 1937 entschloss sich die Familie, Deutschland endgültig zu verlassen; sie gingen nach Paris, wo der Bruder schon vier Jahre lebte.
Die Nazi-Parole "Kauft nicht beim Juden" zeigte auch für Max und Marie Strauß ihre Wirkung. Max Strauß verlor sehr bald einen Kunden nach dem anderen, sein Geschäft ging rapide bergab. Er veräußerte seine Warenbestände zu Schleuderpreisen so schnell es ging und liquidierte die Firma schon 1934; 1936 wurde die Firma auch im Handelsregister gelöscht.
Nachdem die Söhne Deutschland für immer verlassen hatten, immer mehr Freunde und Bekannte emigrierten, beschlossen Max und Marie Strauß von Karlsruhe wegzugehen.
Sie verkauften ihr - schönes - Haus in Karlsruhe an den Fabrik-Direktor Oskar Peter und zogen 1937 nach Wiesbaden, wo sie sich schon geraume Zeit zuvor ein Haus in der Richard-Wagner-Straße 3 gekauft hatten.
Mit Kriegsbeginn wurden Walter und Fritz Strauß als Ausländer in Frankreich interniert, die Firma von Walter Strauß unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Beide entschlossen sich, mehr oder weniger gezwungen, in die Fremdenlegion einzutreten. Sie kamen nach Algerien und Marokko. Nach dem Waffenstillstand wurden sie im Oktober 1940 aus der Legion entlassen. Danach lebten sie mit ihren Familien einige Zeit in der unbesetzten Zone Frankreichs und danach illegal im Untergrund bei der Resistance. Walter Strauß war zeitweise als Knecht auf einem Bauernhof tätig. Der Sohn von Fritz Strauß, Joseph, wurde durch seine Mutter in einem Nonnenkloster untergebracht, die Mutter schloss sich ebenfalls der Resistance an.
Nach den November-Pogromen 1938 wurde auch Max Strauß zwischen dem 11. und 13. November 1938 (das genaue Datum ist nicht mehr feststellbar) zusammen mit fast 10.000 anderen Juden aus weiten Teilen des Reiches in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Die Haftbedingungen und die Behandlung der Häftlinge durch die SS waren katastrophal, weit schlimmer noch als in anderen Konzentrationslagern (detaillierte Beschreibung bei Harry Stein: Das Sonderlager im Konzentrationslager Buchenwald nach dem Pogrom 1938, in: Monica Kingreen: Nach der Kristallnacht.Frankfurt a.M.). Am 12. Dezember 1938 (möglicherweise auch früher) wurde er wieder entlassen. Anfang 1940 kam er in Gestapohaft; vermutlich wollte die Gestapo von ihm Näheres über den Verbleib der beiden in Frankreich lebenden Söhne erzwingen. Über die Dauer der Haft ist nichts bekannt. Am 30. Juni 1940 starb Max Strauß in Wiesbaden, an den Folgen der Gestapohaft, wie der Sohn Walter vermutete, offiziell gemäß der Sterbeurkunde an altersbedingter Herzmuskeldegeneration, nach einer Gestapoliste jedoch an einem Lungenödem. Was war zutreffend? Vermutlich keine der beiden Todesursachen.
Haben Max und Marie Strauß zu irgendeiner Zeit ihre Auswanderung betrieben? Dafür konnte kein Nachweis gefunden werden, nicht in Karlsruhe, nicht in Wiesbaden. Dies ist umso verwunderlicher als ja die Söhne schon 1933 aus begründeter Furcht vor den Nazis das Land verlassen hatten und die Buchenwald-Erlebnisse von Max Strauß doch nachhaltig die Gefahr für Leib und Leben evident gemacht haben müssen.
Nach dem Tode ihres Mannes war Marie Strauß völlig allein - vermutlich die schlimmste Zeit ihres bisherigen Lebens. Zu den Söhnen und ihren Familien in Frankreich bestand wegen der Kriegsereignisse kein Kontakt mehr, ja, sie wusste nicht einmal, ob sie noch am Leben waren.
Die jüdischen Freunde und Bekannten waren größtenteils nach den USA ausgewandert, auch der Schwager Salomon Strauß, Bruder ihres Mannes, seinerzeit Trauzeuge bei ihrer Hochzeit in Mannheim, mit seinen Kindern und deren Familien. Dazu kamen die sozialen Ausgrenzungen und Diskriminierungen, die das Leben für Juden immer schwieriger machten.
Sicherlich hatte sie noch Verbindungen nach Karlsruhe und wird deshalb auch von den Deportationen der badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs in Südfrankreich am 22. Oktober 1940 gehört haben. Und sie wird auch erfahren haben von den Deportationen der Juden aus der Nachbarstadt Frankfurt am Main "nach dem Osten", die am 19. Oktober 1941 begannen und in mehreren Wellen fortgesetzt wurden, bis auch Wiesbaden erreicht wurde.
Am 10. Juni 1942 begann - zusammen mit 372 Wiesbadener Juden - ihr letzter Weg.
Sammelplatz für den Abtransport war der in der Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofs gelegene Schlachthof. Von hier erfolgte der Weitertransport per Bahn zum Hauptbahnhof nach Frankfurt. Hier trafen auch etwa 200 weitere Personen aus den umliegenden Landkreisen ein. Sie alle wurden in Gruppen zum Sammelplatz Großmarkthalle in Frankfurt geführt, bewacht von Polizisten, wo bereits 618 Frankfurter warteten.
Am Morgen des 11. Juni 1942 verließ ein Zug mit fast 1.200 Menschen Frankfurt am Main. Das Fahrziel war Izbica, 80 km von Lublin entfernt. Der Zug hielt - wie vorangegangene Transporte auch - in Lublin, etwa 200 Männer wurden "ausgeladen" und nach Majdanek gebracht, alle übrigen dieses Transportes - Kinder, Frauen, ältere Männer- kamen nach Izbica, blieben dort aber nur ein bis zwei Tage, um von dort in eines der Vernichtungslager weiter transportiert zu werden, wahrscheinlich nach Sobibor. Das Öffnen der Türen des Zuges in Sobibor bedeutete, dass die Angekommenen nur noch zwei Stunden zu leben hatten. Überlebende dieses Transportes gab es nicht. Auch das Leben von Marie Strauß wurde so ausgelöscht. Vielleicht ist sie aber schon auf dem Transport den Strapazen erlegen gewesen, wie so viele andere auch. Sie wurde 64 Jahre und 7 Monate.
Nachzutragen ist, dass in einem Eichmann- Schnellbrief vom 31. Januar 1942 an die Frankfurter Gestapo (auch zuständig für Wiesbaden) über die Planungen für die weiteren Deportationen informiert wurde. Hiernach waren für diese Transporte diejenigen vorgesehen, die unter 65 Jahren alt waren. Wäre Marie Strauß nur ein paar Monate älter gewesen, wäre sie mutmaßlich- nicht auf diesen Transport gekommen, dann wäre sie jedoch mit Sicherheit im August oder September 1942 nach Theresienstadt gebracht worden, vielleicht nur ein kurzer Aufschub für ihr Leben, vielleicht aber eine winzige Chance für das Überleben. Sie hatte diese Möglichkeit nicht.

Die Söhne und ihre Familien konnten die Kriegszeit in Frankreich unter schwierigsten Bedingungen und oft in unmittelbarer Lebensgefahr überleben.
Fritz Strauß wanderte mit seiner Familie 1946 in die USA aus. Die Ehefrau starb 1979, Fritz
Strauß hoch betagt 1997. Der Sohn Joseph lebt mit seiner - deutschen - Frau in einem Vorort von Los Angeles; er hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder.
Walter Strauß blieb in Frankreich. Er starb 1967. Er hatte einen Sohn, der 1970 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, und eine Tochter, die in Paris lebt. Aus der Ehe des Sohnes stammen zwei Kinder, aus der Ehe der Tochter drei Kinder und vier Enkelkinder.

(Wolfgang Strauß, Januar 2003)