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Rosa Schwarzenberger, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Rosa Schwarzenberger

Nachname: Schwarzenberger
Vorname: Rosa
Geburtsdatum: 9. August 1904
Geburtsort: Karlsruhe (Deutschland)
Familienstand: ledig
Eltern: Leon und Ida Sch.
Verwandtschaftsverhältnis: Schwester von Karola und Walter
Adresse: Schützenstr. 73
Schule/Ausbildung: Mittelschule
Beruf: Schneiderin (Schneidermeisterin)
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
12.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Familie Schwarzenberger

Dieser Bericht gilt Leben und Schicksal der verzweigten (Groß-)Familie Schwarzenberger, die zu den typischen badischen Landjuden zählte, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere aber nach Erlass des Gesetzes über die bürgerliche Gleichstellung der Juden im Jahre 1862 – neben den massenhaften Auswanderungen in die USA - in großer Zahl von den Dörfern in die Städte abwanderten, weil sie hier bessere berufliche Möglichkeiten sahen, es gab ja keine beruflichen Beschränkungen mehr und Niederlassungsfreiheit war gewährleistet, vor allem aber gab auch bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder. Lebten z.B. um 1850 etwa 18% der badischen Juden in den Städten, so waren es 40 Jahre später schon fast 50%. Sie machten ihren Weg, manche schneller und besser als andere, zurück in die Dörfer ging so gut wie keiner. Doch beginnen wir von vorn mit der Beschreibung von Weg und Schicksal der Familie Schwarzenberger.

Familiäre Wurzeln.
Unsere biografische Zeitreise führt uns in das Dorf Untergimpern, ein kleines Dorf bei Neckarbischofsheim (seit 1971 Ortsteil von Neckarbischofsheim), unweit von Sinsheim gelegen. Untergimpern hieß das Dorf deshalb, weil es noch ein Nachbardorf mit Namen Obergimpern gab, das heute zu Bad Rappenau gehört. In Untergimpern lebte Levi Schwarzenberger, verheiratet mit Regina Wolf (Geburtsdaten sind von beiden nicht überliefert, ebenso nicht seit wann diese Familie in dem Ort lebte, aber mindestens seit Ende des 18. Jahrhunderts hier nachweisbar). Die vorerwähnte Landflucht zeigt sich auch in Untergimpern sehr deutlich: Lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts hier noch 55 Juden (fast 11% der Gesamtbevölkerung), so lebte im Jahre 1900 kein einziger Jude mehr hier.

Levi Schwarzenberger hatte drei Söhne: Wolf, geboren am 12. September 1831, Haium (der sich später Heinrich nannte), geboren am 19. September 1834 und Josef, geboren am 19. Juli 1839, und drei Töchter: Josepha, geboren am 16. Juli 1829, Fanni, geboren am 10. November 1836 und Edel (Adelheid), geboren am 2. Oktober 1844, alle geboren in Untergimpern. Die Schwarzenbergers waren unter den Juden Untergimperns die zahlreichste Familie. Levi Schwarzenberger betrieb in Untergimpern einen Handel zur Verwertung von Baumwoll-(stoff)resten. Weil diese Firma nicht drei Söhne und deren Familien ernähren konnte, beschlossen der älteste Sohn Wolf und der Sohn Heinrich, ihr ‚Glück’ in der aufstrebenden Landesmetropole Karlsruhe zu suchen.

Die Schwarzenberger in Karlsruhe: die ersten Jahre
Sie kamen um 1868 nach Karlsruhe: Wolf Schwarzenberger mit Frau Regina geborene Thalheimer, geboren am 1832 in Lehrensteinsfeld (Nähe Heilbronn) und den Kindern Gabriel, geboren am 7. Juli 1862, Sofie, geboren am 19. Oktober 1863, Max, geboren am 31. Oktober 1864 und Adolf, geboren am 23. März 1866, alle in Untergimpern. Bei Heinrich Schwarzenberger ist unklar, ob er mit seiner Frau Babette, geborene Wollenberger, geboren am 16. März 1839, und den Kindern Adolf, geboren am 8. Oktober 1864, Lehmann (der sich später Ludwig nannte), geboren am 19. Januar 1866 und Simon, geboren am 22. Januar 1867, alle in Untergimpern, nach Karlsruhe kam oder ob Frau und Kinder vorerst in Untergimpern blieben, denn dem Paar wurde am 9. Januar 1870 in Untergimpern ein weiteres Kind geboren: Benjamin.
Jedenfalls eröffneten sie – Wolf und Heinrich Schwarzenberger - in Karlsruhe die Firma Schwarzenberger & Söhne, Domizil zunächst in der Bahnhofstraße 3. Ein Jahr später betreibt die Firma gemäß Adressbuch Großhandel mit Baumwolle und Hadern, jetzt in der Steinstraße 6, ebenso in den beiden folgenden Jahren; 1873 finden wir als Wohn- u. Firmenadresse Querstraße 25, im Folgejahr ebenso. Es ist jedoch überliefert – aus Heilbronner Quellen -, dass Heinrich Schwarzenberger bereits 1871 die väterliche Firma, die er übernommen hatte, von Untergimpern nach Heilbronn verlegt hatte und unter seinem Namen führte. Mit der Verlegung der väterlichen Firma ist vermutlich auch seine Familie nach Heilbronn umgesiedelt. Möglicherweise war Heinrich Schwarzenberger an dem Geschäft seines Bruders in Karlsruhe aber noch bis 1874 beteiligt. Es kann aber auch ganz anders gewesen sein: vielleicht hat Heinrich Schwarzenberger nur versäumt, sich in Karlsruhe abzumelden. Belege gibt es für die eine wie die andere Version nicht. Ab 1875 erscheint er nicht mehr im Karlsruher Adressbuch, sondern nur noch Wolf Schwarzenberger, jetzt aber mit Geschäfts- u. Wohnadresse Luisenstraße 45; im Folgejahr finden wir ihn in der Rüppurrer Straße 44. 1877 erwirbt er das Anwesen Schützenstraße 73, in dem stark wachsenden Stadtteil Südstadt gelegen, Wohnquartier der zumeist „kleinen Leute“, Arbeiter, Handwerker, kleine Beamte der Reichsbahn, für die beachtliche Summe von 17.500 Mark; das Haus bleibt Wohn- und Geschäftsadresse bis zum Tode von Wolf Schwarzenberger und seiner Frau (ab 1886 ist die Ehefrau Regina Eigentümerin). Sein Geschäft war der Handel mit Alteisen, Altmetall, Rohprodukten (das können auch Lumpen, Hadern etc. gewesen sein), im großen Stil betrieben ein durchaus lukratives Geschäft, wie das Beispiel der Firma Vogel & Schnurmann in Karlsruhe zeigte (textile Alt-Materialien, hauptsächlich für die Papiererzeugung), die um 1877 ihre Firma von Muggensturm nach Karlsruhe verlegte und – Jahre später – einer der größten Arbeitgeber am Ort wurde. Zumindest das Anwesen in der Schützenstraße 73 diente nicht als Lager, vielmehr berichtete Wilhelm Schwarzenberger, es habe ein Lager in der Schützenstraße 92 gegeben, sogar mit Pferdeställen. Allerdings ist nicht ausgeführt, von bis wann dieses Lager unterhalten wurde. Später – als die Söhne dieses Geschäft betrieben - gab es angeblich ein großes Lager in der Zimmerstraße, sogar mit Gleisanschluss, aber im Adressbuch ist dies nicht eingetragen, vielleicht war dieses Lager zur ‚Untermiete’ bei einer anderen Firma, die dort ein Lager unterhielt. Ob dieses Geschäft bereits nach wenigen Jahren so viel eingebracht hatte, dass das Anwesen in der Schützenstraße erworben werden konnte, bleibt offen, denn es kann ebenso mit einer Erbschaft erworben worden sein.


Familiengründungen
Als erste von den Kindern von Wolf und Regina Schwarzenberger heiratete die Tochter Sofie am 17. Januar 1888 in Karlsruhe den am 14. März 1856 in Brezova/Ungarn geborenen Adolf Rosenberger.
Angeblich kam er – nach einigen „Wanderjahren“ in Ungarn und Deutschland – 1884 nach Karlsruhe; im Adressbuch finden wir ihn erst im Jahre 1889. Seine Frau Sofie war offenbar eine sehr agile, tüchtige Frau, die schon mit kaum 25 Jahren, noch im Jahr ihrer Heirat, ein Eisenwarengeschäft in der Rüppurrer Straße 48 eröffnete – für eine Frau für die damalige Zeit völlig ungewöhnlich. Und so stellt sich zwangsläufig die Frage: wo hat sie dieses Metier erlernt? Und ungewöhnlich aktiv war sie auch in den folgenden Jahren: sie blieb die „Seele“ des Geschäftes, solange es existierte. Im Folgejahr finden wir Sofie mit ihrem Eisenwarengeschäft in der Schützenstraße 52, also in nächster Nähe zum elterlichen Haus, in dem auch sie mit Ehemann bis 1892 wohnt. Der Ehemann Adolf Rosenberger betrieb anfangs in Karlsruhe ein Ledersortiergewerbe. Erst im Jahre 1893 finden wir dann unter der Adresse Werderstraße 53 das Eisenwarengeschäft Adolf Rosenberger, ab 1898 in der Marienstraße 32; Adolf Rosenberger hatte auch dieses Haus erworben. Und neben ihrer beinahe ständigen Arbeit bzw. Mitarbeit im Geschäft bekam Sofie noch vier Kinder: Michael, geboren am 14. November 1888, Recha, geboren am 4. Januar 1890, Emil, geboren am 9. Juni 1891, und Rosalie, geboren am 22. April 1896, alle in Karlsruhe. Über die Familie Rosenberger und die Familien ihrer Kinder und aller Schicksal besteht zwar eine eigene Biografie, auf die hier verwiesen wird, im Kontext mit Mitgliedern der Familien Schwarzenberger wird jedoch fallweise auf die Familie Rosenberger verwiesen.

Am 6. April 1899 heiratete der Sohn Adolf in Karlsruhe die am 9. Juli 1874 in Königsbach geborene Auguste Maier, zehntes und jüngstes Kind des Handelsmannes Abraham Maier und seiner Frau Jeanette geborene Strauß, und zog aus dem elterlichen Haus aus in eine Wohnung in der Rüppurrer Straße 40. Dem Paar werden vier Kinder geboren: Albert Adolf am 10. April 1900, Ludwig am 17. Mai 1902 (gestorben am 1. Februar 1903), Irma am 6. Juli 1903, Wilhelm am 23. Oktober 1905. Am 31. Oktober 1917 starb Auguste Schwarzenberger in Karlsruhe. Adolf Schwarzenberger heiratete am 1. September 1921 in Karlsruhe in zweiter Ehe die am 8. Dezember 1882 in Freudenburg (heute Saarburg/Kreis Trier) geborene Rebecka (genannt Resi) Kahn, eines von zehn Kindern des Handelsmannes David Kahn und seiner Ehefrau Rosalie geborene Kahn. Aus dieser Ehe ging der Sohn Werner, geboren am 29. Mai 1923 in Karlsruhe hervor, er starb am Tag der Geburt.

Der Sohn Gabriel ist laut Adressbücher von 1895 bis 1901 ebenfalls unter eigener Adresse zu finden: Schützenstraße 59. Er heiratete (Heiratsort und –datum sind nicht bekannt) Amalie Hirschfelder, als viertes von fünf Kindern geboren am an 8. November 1866 in Mühringen, Oberamt Horb, heute Ortsteil von Horb a.N.. Dem Paar wurden am 25. November 1896 der Sohn Max und am 4. Dezember 1898 die Tochter Senta Gertrud (genannt Trude) geboren, beide in Karlsruhe. Über beide wird noch berichtet. Da aber zuerst die Tochter Erna am 19. Juli 1892 in Stuttgart geboren am wurde, muss davon ausgegangen werden, dass Gabriel Schwarzenberger einige Jahre in Stuttgart gelebt und gearbeitet hat (Einzelheiten sind nicht bekannt) und dann etwa 1895 zurück nach Karlsruhe kam und hier bis 1901 lebte. Im Januar 1933 finden wir ihn in Gailingen wieder, von Pforzheim zugezogen, wo er vermutlich seit seinem Wegzug von Karlsruhe 1901 lebte und arbeitete.

Der Sohn Leon lebte weiterhin und auch nach seiner Eheschließung am 10. April 1902 in Offenbach a.M. mit der hier am 16. September 1870 geborenen Ida geborene Dietz, Tochter des Steindruckers David Dietz und seiner Ehefrau Karolina geborene Hammel, im elterlichen Haus; beide Eltern von Ida Dietz waren zum Zeitpunkt ihrer Heirat bereits verstorben. Heirat in Offenbach trotz Tod der Eltern war wohl ein Anliegen des Bruders Leopold Dietz, Milchhändler seines Zeichens in Offenbach, mit eigenem Haus. Dem Paar wurden ebenfalls vier Kinder geboren: Rosa am 9. August 1902, ein tot geborener Knabe (ohne Namen) am 16. August 1903, Walter am 2. September 1905 und Karola am 1. April 1909, alle in Karlsruhe.

Es ist anzunehmen, dass alle drei Söhne – Adolf, Gabriel, Leon - im väterlichen Geschäft mitarbeiteten, zumal die Söhne Adolf und Leon dieses nach dem Tod des Vaters – dann allerdings unter eigener Firma – weiterführten.
Wolf Schwarzenbergers Frau Regina starb am 6. März 1901, am 21. Juni 1905 starb Wolf Schwarzenberger, beide in Karlsruhe.

Die Firma Schwarzenberger
Wie oben erwähnt, gründeten die Brüder Wolf und Heinrich Schwarzenberger 1869 als sie nach Karlsruhe kamen die Firma Schwarzenberger & Söhne. Diese Firma war aber nie im Handelsregister eingetragen. Anfänglich im Lumpensammel-Geschäft, bald aber im Großhandel mit Baumwolle und Hadern tätig, so die Adressbücher als einzige Informationsquelle, sattelten sie – oder war es nur Wolf Schwarzenberger allein als sein Bruder Heinrich nach Heilbronn übersiedelte? – auf den Handel mit Alteisen, Altmetallen und Rohprodukten um, vermutlich war dieser Geschäftszweig lukrativer. Und so blieb es auch so lange diese Firma bzw. ihre Nachfolgerin existierte. Nach dem Tod des Vaters 1905 führte Leon Schwarzenberger die väterliche Firma weiter, ab Oktober 1907 allerdings unter seinem Namen „Leon Schwarzenberger“. Im August 1911, also vier Jahre später, trat Adolf Schwarzenberger als Teilhaber in die Firma seines Bruders ein. Was dieser in den Jahren bis dahin gemacht hatte, ist nicht überliefert. Es dauerte aber weitere sieben Jahre, nämlich bis November 1918, bis Adolf Schwarzenbergers Teilhaberschaft auch im Firmennamen Niederschlag fand, die Firma hieß nunmehr L. & A. Schwarzenberger und wurde in eine OHG umgewandelt. Die Firmenanschrift war seit Erwerb des Hauses Schützenstraße 73 immer hier. 1930 schied Adolf Schwarzenberger aus der Firma aus, die Gründe sind nicht bekannt, Leon war und blieb Alleininhaber bis zum Erlöschen der Firma am 14. April 1935. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass am 15. April 1931 das Vergleichsverfahren über die Firma eröffnet wurde, dem am 8. Mai 1931 das Anschlusskonkursverfahren folgte, das sich sehr lange hinzog bis es schließlich nach erfolgtem Zwangsvergleich am 2. November 1934 aufgehoben wurde. Die Firma kam nicht mehr auf die Beine und wurde auch bald darauf liquidiert. Die Gründe für das Konkursverfahren sind nicht bekannt, es gibt auch keinerlei Zahlen vom Geschäft, auch keine Umsatz- und Ergebniszahlen. Ähnlich erging es übrigens der Firma Rosenberger, die Anfang der 1930er Jahre, also etwa zeitgleich und vermutlich aus gleichen Gründen, in Zahlungsschwierigkeiten kam und einen Konkurs nur durch einen Vergleich 1931 abwenden konnte. Diese Firma kam danach zwar auch nicht mehr richtig auf die Beine, konnte aber immerhin noch 1936 an einen gewissen Otto App für RM 10.000 verkauft werden, während die Firma Schwarzenberger liquidiert wurde, ohne einen neuen Eigner gefunden zu haben.
Aber das war nicht das einzige Dilemma, das Leon Schwarzenberger traf. 1931 kam das von ihm bewohnte (Eltern-)Haus auf Anordnung des Amtsgerichtes Karlsruhe in die Zwangsvollstreckung und sollte versteigert werden. Die - unvollständigen - Informationen sagen etwa Folgendes: das Haus – es gehörte nach dem Tod der Eltern seit 1910 den Brüdern Adolf und Leon je zur Hälfte – war völlig überschuldet, offenbar konnten die Zinsen nicht mehr aufgebracht werden. Die – eingetragenen – Grundschulden dienten vermutlich dazu, die finanziellen Schwierigkeiten der Firma ganz oder teilweise abzudecken. Möglich ist aber auch diese Version: als Adolf Schwarzenberger aus der Firma 1930 ausschied, ließ er sich seinen Anteil an der Firma auszahlen, das brachte die Firma in die beschriebene Misere. Zur Zwangsversteigerung ist es aber offensichtlich nicht gekommen. Wie dies bewerkstelligt wurde, ist leider nicht überliefert.
Wie sich aus den Wiedergutmachungsverfahren – indirekt – ergab, hat die Firma – nach dem Tod von Wolf Schwarzenberger – zwei Familien zwar ernährt, aber offenbar doch recht bescheiden. Reichtümer wurden nicht erworben, nicht einmal „bürgerlicher Wohlstand“, obwohl – laut Aussage des Sohnes Wilhelm im Wiedergutmachungsverfahren – in der Firma immerhin bis zu 15 Angestellte und Arbeiter beschäftigt waren, so dass von einer größeren Geschäftstätigkeit ausgegangen werden kann, aber es ist nicht bekannt, in welchem Zeitraum dies war. Von einem Vergleich mit der oben erwähnten Firma Vogel & Schnurmann konnte also nicht entfernt die Rede sein. Das Schicksal der Firma seit 1930 impliziert zwangsläufig die Frage: wovon haben die Familien Adolf und Leon Schwarzenberger seither gelebt? Nennenswerte Ersparnisse können sie kaum gehabt haben.

Familie Adolf Schwarzenberger
Adolf Schwarzenberger tritt erstmalig 1899 mit seiner Heirat mit Auguste Maier in Erscheinung. Über die Zeit vorher wissen wir nichts von ihm. Nach der Heirat zieht er, wie schon erwähnt, aus dem elterlichen Haus aus in die Rüppurrer Straße 40, 1906 finden wir ihn in der Rüppurrer Straße 26, im Folgejahr in der Schützenstraße 51, ab 1908 dann in der Luisenstraße 34, ab 1911 in der Luisenstraße 29, immer zur Miete. Diese Wohnung blieb das Domizil der Familie bis zu seinem Tode. Er starb am 5. Februar 1937 in Karlsruhe. So lange die Firma existierte, wird diese seinen Lebensinhalt bestimmt haben. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass er sich – vor 1933 – politisch betätigt hatte oder in irgendeinem Verein, israelisch oder nicht, Mitglied gewesen wäre.
Von Adolf Schwarzenbergers Frau Auguste, geborene Maier, wurde bereits oben erwähnt, dass sie schon 1917, gerade 43 Jahre alt, verstarb. Über sie ist nichts überliefert. Auch ihre zahlreichen Geschwister tauchen in den Unterlagen, die die Familie Schwarzenberger betreffen, nicht auf.
Von der zweiten Ehefrau, Rebecka (Resi), wissen wir immerhin, dass sie – nach eigenen Angaben – von 1898 – 1914 in Frankreich lebte und von daher gut Französisch sprach. Aber Einzelheiten über ihre Frankreich-Zeit (was und wo) sind nicht überliefert. Da sie keine berufliche Ausbildung hatte, wird sie möglicherweise irgendwo „in Stellung“ gewesen sein, vielleicht bei einem der zahlreichen Geschwister bzw. deren Familien.
Am 1. September 1939 begann der Krieg. Da Karlsruhe im Schussbereich der französischen Artillerie lag und offenbar auch damit gerechnet wurde, dass die Stadt als erstes von der französischen Grenze aus beschossen würde, wurde von der Stadt Karlsruhe den – „arischen“ – Bewohnern mitgeteilt, dass Kinder, Menschen über 60 und Kranke evakuiert und in so genannte Bergungsgaue, also weiter im Landesinnern liegende Regionen, gebracht würden. Den Juden stand es frei, gleichfalls die Stadt zu verlassen oder zu bleiben.
Die Jüdische Gemeinde Karlsruhe organisierte die Evakuierung derjenigen, die nicht in der Stadt bleiben wollten – nach München, Halle und anderen Städten. Die jüdischen Partner-Organisationen vor Ort hatten für die Unterbringung zu sorgen, sie trugen auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, soweit erforderlich. Ab dem 4. September 1939 reisten 44 Karlsruher Juden nach Halle, darunter auch Resi Schwarzenberger am 9. September 1939. Nur die wenigsten konnten in Halle privat untergebracht werden, so auch Resi Schwarzenberger, die im Hause Wilhelmstraße 6 bei einer Familie unterkam; die meisten wurden jedoch vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Halle in den Räumen der ehemaligen Trauerhalle des 1938 geschlossenen Jüdischen Friedhofs in der Boelckestraße 24 behelfsmäßig untergebracht. Am 16. Oktober 1939 kehrte Resi Schwarzenberger wieder nach Karlsruhe zurück.
Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach ihrer Rückkehr aus Halle musste sie – und mit ihr der bei ihr lebende unverheiratete Sohn Albert – die Wohnung Luisenstraße verlassen, vermutlich wurde sie als Jüdin vom Hauseigentümer gekündigt, sie zog mit dem Sohn in das Haus der Familie Rosenberger in der Marienstraße 32. Warum sie, Mutter und Sohn, nicht zum Schwager in dessen Haus in der Schützenstraße 73 zogen, gibt Raum zu einigen Spekulationen.
Am 22. Oktober 1940 wurden die badischen und saarpfälzischen Juden, über 6.500 an der Zahl, darunter 905 von Karlsruhe (inklusive Grötzingen) auf Initiative der Gauleiter Wagner und Bürckel, die ihre Gaue „judenrein“ haben wollten, nach Gurs in Südfrankreich deportiert, darunter auch Resi Schwarzenberger.
Noch wenige Tage zuvor, am 17. Oktober 1940, hatte die Karlsruher Auswandererberatungsstelle Resi Schwarzenberger für die Beantragung eines Reisepasses beim Polizeipräsidium bestätigt, dass sie in die USA auswandern wolle und für den 11. November 1940 zum US-Konsulat nach Stuttgart bestellt sei. Am 6. November 1940 vermerkte die Gestapo Karlsruhe zynisch, dass sich die Ausstellung eines Reisepasses erübrigt habe, da sie bei der „Judenaktion“ am 22. Oktober 1940 evakuiert wurde.
Über das Leben im Lager Gurs, über die miserablen Lebensbedingungen, über die unsäglichen hygienischen Verhältnisse, über den Hunger ohne Ende, über das Sterben hunderter, insbesondere älterer Menschen an Erschöpfung, ist an anderer Stelle von zahlreichen Autoren, insbesondere Überlebenden, in ausführlichen Erlebnisberichten geschrieben worden, das soll hier nicht wiederholt werden.
Über das Sammellager Drancy bei Paris kam Resi Schwarzenberger mit Transport Nr. 17 am 10. August 1942 nach Auschwitz. Der Transport umfasste 1.006 Personen, davon wurden bei Ankunft 766 sofort umgebracht, 240 (140 Männer, 100 Frauen) wurden zur Arbeit selektiert, eine einzige Person überlebte.

Albert Schwarzenberger, der älteste Sohn, absolvierte nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre in dem Eisenwarengeschäft von Adolf und Sofie Rosenberger, seiner Tante. Ob er danach weiterhin in diesem Geschäft tätig war oder im Geschäft seines Vaters, ist nicht aktenkundig.
Auch sonst ist so gut wie nichts über ihn überliefert.
Die Tage 9./10. November 1938 sind in die Geschichtsbücher als „Reichskristallnacht“ oder auch „November-Pogrome“ eingegangen, die Synagogen wurden verwüstet, zerstört, abgebrannt, ungezählte jüdische Geschäfte zerstört und auch geplündert. Zahlreiche männliche Juden zwischen 16 und 60 Jahren wurden in die Konzentrationslager Dachau (aus dem süddeutschen Raum und aus Österreich), Buchenwald oder Sachsenhausen verbracht. Auch Albert Schwarzenberger traf es, zusammen mit mehr als 200 Karlsruher Juden: vom 11. November bis zum 28. Dezember 1938 (weit überdurchschnittlich lang) war er mit der Häftlings-Nr. 20793 in Dachau. Auch der Ehemann seiner Cousine Recha (geborene Rosenberger), Albert Falk (geboren am 13. April 1884), einst Mitinhaber der Firma Rosenberger, kam nach Dachau und war dort mit der Häftlings-Nr. 20764 bis 15. Dezember 1938 inhaftiert. Und gleichermaßen erging es dem Cousin Emil Rosenberger sowie dem Ehemann der anderen Rosenberger-Tochter Rosalie, seiner Cousine, Karl Baer, der bis 29. November 1938 in Dachau inhaftiert war. Es gibt eine Vielzahl von Erlebnisberichten über die Verhaftung, den Transport nach Dachau und insbesondere über die Zeit in Dachau. Josef Werner hat in seinem Buch „Hakenkreuz und Judenstern“ ausführlich darüber berichtet.
Irgendwelche Auswanderungsbemühungen von ihm sind nicht feststellbar, auch nicht im Zusammenhang mit Auswanderungs-Aktivitäten der Mutter.
Am 22. Oktober 1940 wurde er – zusammen mit der Mutter und der Tante Sofie Rosenberger – nach Gurs deportiert. Zusammen mit der Mutter wird er über das Sammellager Drancy am 10. August 1942 mit Transport Nr. 17 nach Auschwitz deportiert. Da er zu diesem Zeitpunkt gerade 42 Jahre alt war, ist es durchaus möglich, dass er bei den 140 zur „Arbeit selektierten“ Männern war und vielleicht noch kurze Zeit am Leben blieb bis auch er ermordet wurde oder starb.

Von der Tochter Irma wissen wir, dass sie den Beruf der Kindergärtnerin gelernt hatte. Wie lange sie diesen Beruf nach 1933 noch ausüben konnte, ist nicht bekannt. In den Karlsruher Adressbüchern finden wir sie bis 1937 unter dieser Berufsbezeichnung Kindergärtnerin und unter der elterlichen Anschrift. Danach verliert sich ihre Spur. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs finden wir sie allerdings unter dem Ehenamen Kelmann in Berlin, von wo sie am 19. Februar 1943 – zusammen mit ihrem Ehemann Kurt Kelmann, geboren am 6. Januar 1896 in Berlin, Tischler von Beruf – nach Auschwitz deportiert wurde und dort umkam. Irgendwelche Unterlagen (Wiedergutmachungsakten) über sie und den Ehemann gibt es angeblich bei den Berliner Behörden, dem letzten Wohnort und damit für Wiedergutmachungsverfahren zuständig, nicht. Aber von Kurt Kelmann gibt es eine Häftlings-Personal-Karte (Häftlings-Nr. 119910) vom KZ Mauthausen, aus der hervorgeht, dass er am 25. Januar 1945 vom KZ Auschwitz kommend im KZ Mauthausen ankam. Weitere Eintragungen enthält diese Karte nicht, auch in der Totenliste des KZ ist er nicht zu finden. Aber das österreichische Innenministerium teilte auf Anfrage mit, dass er nach einer anderen Quelle (Häftlingszugangsbuch) am 29. Januar 1945 in das Außenlager Ebensee (am Traunsee) überstellt wurde. Hier kam er zu einem nicht bekannten Datum zu Tode. Im Mai 1952 wurde in Ebensee ein Massengrab geöffnet, in dem 1.341 KZ-Opfer gefunden wurden; 185 Opfer konnten anhand von Plaketten mit der Häftlingsnummer identifiziert werden, darunter auch Kurt Kelmann. Seine Überstellung von Auschwitz, wo der Transport von Berlin am 21. Februar 1943 ankam, nach Mauthausen Ende Januar 1945 bedeutete aber unzweifelhaft, dass er Auschwitz um fast zwei Jahre überlebt hat, während seine Frau wahrscheinlich noch am Tage der Ankunft in Auschwitz ermordet wurde.

Der Jüngste von den Kindern Adolf Schwarzenberger, Wilhelm, ist der einzige Überlebende dieser Familie. Er besuchte nach der Volksschule vom 16. September 1916 bis zum Ende des Schuljahres 1918/19 die Kant-Realschule in Karlsruhe, allerdings mit mäßigem Erfolg (Noten 3 – 4). Ab Mai 1920 absolvierte er eine 3-jährige kaufmännische Lehre bei der Eisenwarenhandlung L.J. Ettlinger in der Kronenstraße, eine alteingesessene und angesehene Firma in Karlsruhe und wohl auch hier die größte in der Branche. Ein gutes Zeugnis wurde ihm von der Firma ausgestellt. Nach der Lehre blieb er noch etwa ein Jahr als Angestellter in der Firma und ging dann in die elterliche Firma. Hier war er zuständig für den Einkauf. Die 1930 einsetzenden Schwierigkeiten in der elterlichen Firma (s.o.) und die nach der Machtübernahme Hitlers 1933 schnell einsetzenden Boykottmaßnahmen gegen die jüdische Firma mit der Folge eines rapiden Geschäftsrückganges veranlassten ihn, bereits 1934 seine Auswanderung nach Palästina zu planen und auch zu realisieren. Zunächst ging er nach Frankreich, um dort eine landwirtschaftliche Grundausbildung für seine spätere Tätigkeit in einem jüdischen Kibbuz in Palästina zu absolvieren (Ort und Ausbildungseinrichtung sind nicht bekannt). Über Marseille kam er schließlich per Schiff am 14. Oktober 1934 nach Palästina; hier kam er in die Gruppe Bath Telem in Nahalat Jehuda, aus der der Kibbuz Ejn Gev, am äußersten Ende des Kinereth Sees (See Genezareth), nur 500 m von der syrischen Grenze entfernt, 200 m unter dem Meeresspiegel gelegen, hervorging, der seine neue „Heimat“ bis zu seinem Tode wurde. Die ungewohnte dauerhaft körperliche Schwerarbeit, ungewohnte spartanische Lebensbedingungen (jahrelang Leben in Zelten, sommers wie winters), unzureichende Verpflegung, mangelnde hygienische Bedingungen machten ihm – er war von schmächtiger Statur, nur 160 cm groß, von anfälliger Gesundheit – von Anfang an Schwierigkeiten, er bekam Malaria, später dauerhafte Magenbeschwerden, die zu einer Magenoperation 1965 führten. Von da ab war er nur noch 5 Std. täglich mit leichterer Arbeit im Magazin eingesetzt.
Sein späteres Bemühen, diese Erkrankung als verfolgungsbedingt anerkennen zu lassen, um eine Rente zu erhalten, blieb erfolglos; aber statt der Rente erhielt er immerhin auf dem Vergleichswege (Vergleich vom 26. September 1973) eine Entschädigung von 7.000 DM. Und für die „Verdrängung aus seiner Erwerbstätigkeit“ erhielt er eine Entschädigung von 15.400 DM (Vergleich vom 14. Januar 1960). Eine –kleine – (Berufsunfähigkeits-)Rente erhielt er aber ab 1. April 1969, ab 1. November 1970 dann seine Altersrente (65. Lebensjahr) von der BfA aus seiner früheren Angestelltentätigkeit.
Mit drei weiteren Kibbuz-Mitgliedern – Chava Neter (Eva Kochmann), ursprünglich aus Karlsruhe, Henry Stern aus Stuttgart, und Elieser (Leopold) Auerbacher, ebenfalls aus Karlsruhe - beantragte er 1963 ein Aufbau-Darlehen bei der Bundesrepublik Deutschland von 50.000 DM (30 Tausend Wilhelm Schwarzenberger, die anderen je 10 Tausend) zum Aufbau einer Zitrus-Pflanzung im nahe gelegenen Kibbuz Dogma Aleph. Das Bundesentschädigungsgesetz vom 29. Juni 1956 sah solche Darlehen vor, wenn auch in der Praxis davon nur selten Gebrauch gemacht wurde, zumeist wohl aus Unkenntnis. Der Antrag wurde bewilligt, mit dem Land Baden-Württemberg wurde am 25. Februar 1964 ein Darlehens-Vertrag geschlossen: nach zwei tilgungsfreien Jahren sollte das Darlehen – bei mäßiger Verzinsung von 3 % – nach 11 Jahren getilgt sein. Ob das Unternehmen Erfolg hatte und alles plangemäß verlief, ist nicht überliefert. Wilhelm Schwarzenberger starb am 21. Oktober 1974. Er war nie verheiratet und hatte auch keine Kinder.

Familie Leon Schwarzenberger
Über Leon Schwarzenberger ist – jedenfalls bis zum Zeitpunkt der Übernahme der väterlichen Firma unter eigenem Namen 1907 – lediglich bekannt, dass er, nach eigenen Angaben, eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte; wann und wo und in welchem Geschäftszweig ist nicht bekannt. Dies gilt ebenso – wie bei seinem Bruder Adolf – auch für sein Privatleben.
Sein Leben war offenbar – wie bei seinem Bruder - wesentlich geprägt durch seine geschäftliche Tätigkeit, die bereits oben dargelegt wurde.
Am 22. Oktober 1940 wurde er, zusammen mit seiner Frau Ida, seiner Tochter Rosa und seinem Sohn Walter nach Gurs deportiert. Am 11. Mai 1941 kam er von hier in das Lager Les Milles (bei Aix en Provence). Les Milles war das Übergangslager für eine Auswanderung nach Übersee, insbesondere in die USA, für diejenigen, die über ein Visum verfügten, wo sie die Wartezeit bis zum Aufruf ihrer Registrier-Nummer oder zur Einschiffung verbringen mussten. Zwar sind in Karlsruhe keine Auswanderungsbemühungen ersichtlich, weder bei Leon Schwarzenberger noch bei dem Sohn Walter, aber vermutlich hat die Tochter Karola, der es irgendwie gelang, noch rechtzeitig in die USA auszuwandern, die erforderlichen Visa besorgen zu können, vielleicht auch für die Mutter, die aber weiterhin in Gurs verblieb, und diese an das US Konsulat nach Marseille geschickt. Les Milles war für die Internierten gleichbedeutend mit Marseille, Marseille gleichbedeutend mit Ausreise, mit Rettung – aber eben leider nicht für alle. Für viele war der Aufenthalt in Marseille eine grausame Wartezeit, die Hoffnung auf eine Ausreise – neben dem Visum, musste ein gültiger Reispass vorhanden und vor allem eine bezahlte Schiffspassage nachgewiesen sein – erfüllte sich für viele nicht, nicht selten auch – aus nicht nachvollziehbaren Gründen - in den Fällen, da alle Voraussetzungen für eine Ausreise gegeben waren. Und ab 23. August 1941 war die Ausreise durch Erlass des Berliner Reichssicherheitshauptamtes ohnehin verboten. Einigen wenigen gelang gleichwohl auch danach noch die Auswanderung. Das war wohl auch der Grund, warum Leon Schwarzenberger noch bis zum 9. September 1942 in Les Milles verblieb, der Sohn Walter kam schon wenige Tage zuvor nach Drancy (s. Kapitel Walter Schwarzenberger). Leon Schwarzenberger wurde von Les Milles am 10. September 1942 in das Lager Rivesaltes (bei Perpignan gelegen) verbracht, seine Frau war schon einen Monat zuvor nach Auschwitz deportiert worden, aber das wusste er vermutlich nicht oder noch nicht als er in Rivesaltes ankam. Hier blieb er bis zum 5. Oktober 1942 und kam von hier in das Lager Nexon (bei Limoges gelegen) in das Alte, Invaliden und Kranke überstellt wurden. Am 28. November 1942 verstarb er hier.

Ida Schwarzenberger, Leons Frau, kam mit der Heirat 1902 nach Karlsruhe. Soweit feststellbar hatte sie keinen Beruf erlernt. Ihr Leben war wohl für viele Jahre mit Geburt und Erziehung der Kinder und Sorge für den Ehemann ausgefüllt. Allerdings bestätigte eine Nachbarin der Tochter Karola im Wiedergutmachungsverfahren, dass Ida Schwarzenberger halbtags im Geschäft des Ehemannes (Zeitraum? Welche Arbeiten?) mitgearbeitet habe, während die Tochter Rosa den Haushalt, zusammen mit einer Putzfrau, gemacht habe. Diese Tätigkeit wurde allerdings von der Entschädigungsbehörde als nicht entschädigungsfähig anerkannt, weil als üblich im gemeinsamen Familieninteresse gelegen habe und durch Unterhaltsgewährung des Ehemannes ausgeglichen sei. In Gurs verblieb Ida Schwarzenberger bis 26. Januar 1942, dann kam sie in das Lager Recebedou (bei Toulouse gelegen). Von hier wurde sie am 8. August 1942 in das Sammellager Drancy bei Paris verbracht und von hier am 12. August 1942, zusammen mit ihrer Tochter Rosa und Cousine Rosalie und deren Ehemann Karl Baer, die von Gurs, und ihrer Nichte Senta, die von Noé diesem Transport zugeführt wurde, mit Transport Nr. 18 nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1.007 Personen, 705 wurden bei Ankunft sofort umgebracht, 295 (233 Männer, 62 Frauen) zur Arbeit selektiert, 11 überlebten. Die ursprünglich – der üblichen Entschädigungspraxis entsprechend, weil mit hoher Wahrscheinlichkeit die über 50-Jährigen sofort nach Ankunft umgebracht worden seien - nur bis August 1942 der Tochter Karola als Erbin gewährte Haftentschädigung wurde jedoch nach Einspruch mit Hinweis auf die relativ hohe Zahl von zur Arbeit selektierten Personen dieses Transportes und der nicht auszuschließenden Möglichkeit, noch einige Zeit am Leben geblieben zu sein, trotz hohen Alters, noch bis Januar 1945 (Befreiung des KZ Auschwitz durch die sowjetische Armee) verlängert. Zu den Überlebenden dieses Transportes gehörte sie jedoch nicht.
Im Zusammenhang mit Ida Schwarzenberger soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch ihr Bruder Leopold Dietz, geboren am 1. November 1867 in Offenbach, der seinerzeit die Hochzeit seiner Schwester mit Leon Schwarzenberger in Offenbach ausgerichtet hatte, am 27. September 1942 über Darmstadt nach Theresienstadt deportiert wurde, wo er am 15. Februar 1943 verstarb. Auch dessen Sohn Hermann, geboren am 5. November 1900 in Offenbach, der bei seinem Vater lebte, blieb nicht verschont: er wurde am 30. September 1942 über Darmstadt nach Treblinka deportiert und kam dort um.

Rosa Schwarzenberger, die älteste der Kinder von Leon und Ida Schwarzenberger, besuchte die Realschule bis zur Mittleren Reife und erlernte danach das Damenschneider-Handwerk, allerdings ist nicht aktenkundig von wann bis wann genau und bei wem. Sehr viel später, erst Mitte der 1930er Jahre, besuchte sie die Meisterschule und legte am 16. Juni 1937 die Meisterprüfung im Damenschneider-Handwerk ab – erstaunlich, dass dies zu dieser Zeit für Juden noch möglich war. Ab 1938 war sie als selbständige Schneidermeisterin –im elterlichen Haus den Beruf ausübend – tätig. Leider war ihr dies aber nur bis Ende des Jahres möglich, weil es ihr als Jüdin durch VO des Reichswirtschaftsministers zur Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft vom 12. November 1938 in der Folge der November-Pogrome ab 1. Januar 1939 untersagt war, ein Gewerbe auszuüben. Eine Eingabe von ihr an das Polizeipräsidium Karlsruhe vom 24. Dezember 1938, ihr die vorübergehende Erlaubnis bis zu ihrer Auswanderung in die USA, die sie beim US-Konsulat in Stuttgart betrieb, zu gewähren mit dem Versprechen, keine Hilfskräfte zu beschäftigen und ausschließlich für jüdische Kundschaft zu arbeiten, wurde mit Schreiben vom 13. Januar 1939 abgelehnt.
Am 22. Oktober 1942 wurde sie zusammen mit den Eltern und ihrem Bruder Walter nach Gurs deportiert. Von hier wurde sie über das Sammellager Drancy am 12. August 1942 mit Transport Nr. 18, zusammen mit ihrer Mutter, nach Auschwitz deportiert. Auch sie gehörte nicht zu den wenigen Überlebenden dieses Transportes. Erstaunlicherweise erhielt die Schwester Karola als Erbin ihrer Schwester im Wiedergutmachungsverfahren Entschädigung für die Verdrängung aus dem Erwerbsleben für den Zeitraum November 1938 bis zum 8. Mai 1945 (Ende des Krieges). Rosa Schwarzenberger war nicht verheiratet, hatte keine Kinder und hatte immer im elterlichen Haus gelebt.

Walter Schwarzenberger besuchte von 1915 bis 1921 die Kant-Realschule mit Abschluss Mittlere Reife, allerdings – wie auch sein Cousin – Wilhelm Schwarzenberger mit recht mäßigem Erfolg (Noten 3 – 4). Auch er absolvierte eine kaufmännische Lehre, allerdings ist nicht dokumentiert wann und wo bzw. bei wem. Im Adressbuch von 1933/34 finden wir ihn mit eigener Firma „Walter Schwarzenberger“, Handel mit Rohprodukten, also in der gleichen Sparte wie das elterliche Gewerbe, mit Anschrift Schützenstraße 73, also im elterlichen Haus. Mit dieser Firma war er allerdings nicht im Handelsregister eingetragen, offenbar war es eine „Ein-Mann-Firma“. Mit seiner Verhaftung am 10. November 1938 im Zuge der November-Pogrome von 1938 („Reichskristallnacht“) und seiner Verbringung in das KZ Dachau – zusammen mit mehr als 200 männlichen Juden zwischen 16 und 60 Jahren aus Karlsruhe, u.a. mit seinem Cousin Wilhelm Schwarzenberger (s.o.) – endete seine zuletzt laut Steueramt Karlsruhe nur noch minimale gewerbliche Tätigkeit . In Dachau war er bis 2. Dezember 1938 mit der Häftlings-Nr. 22333 inhaftiert. Warum er soviel früher als sein Cousin von dort entlassen wurde, ist ungeklärt und lässt nur auf reine Willkür schließen, denn eine bevorstehende Auswanderung als frühzeitiger Entlassungsgrund war nicht gegeben, er hatte bis dato noch keinerlei Auswanderungsbemühungen auf den Weg gebracht, auch später nicht.
Nach Dachau hatte er keinerlei Arbeit und mithin keinerlei Einkünfte mehr, lebte von den Eltern. Im Jahre 1939 wurde er durch das Arbeitsamt beim Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe zum Arbeitseinsatz (Zwangsarbeit) verpflichtet.
Am 22. Oktober 1940 wurde er – zusammen mit den Eltern und seiner Schwester Rosa – nach Gurs deportiert. Von hier kam er – zusammen mit seinem Vater – am 11. Mai 1941 in das Lager Les Milles (s.o. unter Leon Schwarzenberger). Während sein Vater von hier am 10. September 1942 nach Rivesaltes verbracht wurde, kam er von Les Milles direkt in den ersten Septembertagen 1942 (das genaue Datum ist nicht aktenkundig) in das Sammellager Drancy und von hier am 7. September 1942 mit Transport Nr. 29 nach Auschwitz. Auf dem gleichen Transport waren auch Cousine Recha mit Ehemann Albert Falk. Der Transport umfasste 1.000 Personen, davon wurden 889 sofort nach Ankunft ermordet, 111 Personen (59 Männer, 52 Frauen) wurden zur Arbeit selektiert, 34 erlebten die Befreiung des KZs am 27. Januar 1945, Walter Schwarzenberger war nicht darunter. Die Auschwitz – Forschung hat jedoch ermittelt, dass von den Transporten aus Frankreich nach Auschwitz zwischen Ende August und Anfang November 1942 insgesamt 15 Transporte, darunter auch der vom 7. September 1942, in Cosel, kurz vor ihrer Ankunft in Auschwitz, stoppten und einer Selektion nach arbeitsfähigen Männern unterzogen wurden; insgesamt wurden etwa 3500 Männer selektiert, sie kamen – vermutlich – in das (Zwangs-)Arbeitslager Blechhammer, zeitweise Anhängsel von Auschwitz III (Monowitz), zeitweise Anhängsel von Groß Rosen, wo sich eine größere Zahl von Zweigbetrieben deutscher Industriefirmen befanden. Von diesen 3500 Männern waren 1945 nur noch etwa 10% am Leben. Es ist also möglich, dass auch Walter Schwarzenberger hier dabei war. Wo und wann er letztlich umkam, ist nicht zu klären. Da aber immerhin die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden konnte, dass er bis Januar 1945 noch gelebt haben könnte, erhielt seine Schwester Karola als Erbin im Wiedergutmachungsverfahren Entschädigung für ihn wegen Verdrängung aus seiner früheren Erwerbstätigkeit für die Zeit vom 10. November 1938 bis 31. Januar 1945.
Walter Schwarzenberger war unverheiratet, hatte keine Kinder und lebte immer im elterlichen Haus.

Karola Schwarzenberger, jüngste der Kinder von Leon und Ida Schwarzenberger, besuchte ebenfalls – wie ihr Bruder und die Schwester - die Realschule bis zur Obersekundareife. Danach absolvierte sie eine Banklehre. Leider ist auch bei ihr nicht feststellbar von wann bis wann und bei welcher Bank; aus archivrechtlichen Gründen ist ihre Wiedergutmachungsakte, die vielleicht nähere Auskunft darüber und ebenso über ihre weitere Tätigkeit nach der Lehre geben könnte, gesperrt. So ist also von ihr weiteres nicht bekannt. Wir wissen lediglich, dass sie – als Einzige der Familie – 1939 in die USA ausgewandert ist; wann und wie und von wo ist nicht bekannt. In den USA heiratete sie einen gewissen Zirker, von dem aber nicht einmal der Vorname bekannt ist, auch sonst fehlen weitere Informationen.

Familie Gabriel Schwarzenberger
Wie oben schon ausgeführt, lebte der älteste Sohn von Wolf Schwarzenberger, Gabriel, der um 1895 von Stuttgart wieder zurück nach Karlsruhe kam, von 1895 – 1901 nicht wieder im elterlichen Haus, sondern unter eigener Adresse: Schützenstraße 59. Hier wurden auch die beiden Kinder Max und Senta geboren. Nach 1901 verliert sich die Spur von Gabriel und Amalie Schwarzenberger, d.h. sie sind weggezogen, sicherlich mit den Kindern; es ist zu vermuten, dass er mit Frau und Kindern nach Pforzheim zog, denn zum 31. Januar 1933 finden wir ihn in Gailingen wieder, als Heiminsasse im „Friedrichsheim“, einem israelischen Alten- und Pflegeheim („Landesasyl“), zugezogen aus Pforzheim. Als am 22. Oktober 1940 die badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs deportiert wurden, waren auch die Heiminsassen unter den Deportierten – soweit sie transportfähig waren. Etwa 15-20 nicht transportfähige Personen aus dem Jüdischen Krankenhaus und dem Friedrichsheim, darunter auch Gabriel Schwarzenberger, wurden am 16. November 1940 von Gailingen nach Konstanz in die „Pension Levy“ zur „Sonderbetreuung“ - was immer das heißen mag – gebracht. Dieses Haus wurde 1942 aufgelöst. Und hier verliert sich die Spur von Gabriel Schwarzenberger endgültig. Es wird für durchaus möglich gehalten (Verein für jüdische Geschichte Gailingens), dass Gabriel Schwarzenberger und andere noch Euthanasie-Opfer wurden. Zwar war diese offiziell seit September 1941 auf Befehl Hitlers beendet worden, aber es gab sie danach noch weiter, sogar bis Kriegsende mit – möglicherweise, so die Forschung – noch mehr als 20.000 Opfern.

Von Erna Schwarzenberger ist lediglich bekannt, dass sie sich 1938 in Gailingen im „Friedrichsheim“ befand, vom Alter her allerdings wohl nicht als Insassin, sondern vermutlich als – ungelernte – Pflegekraft. Eventuell kam sie im Januar 1933 von Pforzheim mit ihrem Vater nach Gailingen, die Mutter war schon in Pforzheim gestorben, und fand Beschäftigung im Heim. Am 22. Oktober 1940 wurde sie – zusammen mit allen anderen jüdischen Pflegekräften des Heimes und dessen transportfähigen Insassen nach Gurs deportiert. Am 12. August 1942 wurde sie über das Sammellager Drancy mit Transport Nr. 18 - zusammen mit ihrer Schwester Senta Gertrud und ihrer Cousine Rosa - nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam.

Max Schwarzenberger taucht zum ersten Mal in einer Düsseldorfer Gestapo-Akte aus 1937/38 auf. Seinerzeit wurde ihm Devisenverschiebung ins Ausland – zusammen mit einem, nicht-jüdischen, Mann – vorgeworfen. Er war zu dieser Zeit selbständiger Handelsvertreter und unverheiratet. Dies führte zunächst zu einer Schutzhaftinhaftierung und anschließenden Untersuchungshaft. Im Zuge der Ermittlungen gegen ihn wurde auch sein Strafregister offenkundig: in den Jahren 1921 bis 1934 war er mehrfach in Haft, zuletzt bis Januar 1935, insgesamt drei Jahre u. neun Monate zuzüglich Geldstrafen wegen Urkundenfälschung und Betrug, Unterschlagung und Untreue sowie Vergehen gegen Steuergesetze – er war also das „Schwarze Schaf“ der Familie. Wie dieses Verfahren ausgegangen ist, ist nicht bekannt, aber seit 26. Oktober 1938 befand er sich wieder in „Schutzhaft“, zunächst im Untersuchungsgefängnis in Berlin-Moabit, anschließend (Datum ist nicht bekannt) kam er in das KZ Buchenwald, von hier am 26. Mai 1939 in das KZ Sachsenhausen. Von hier kam er zu einem nicht bekannten Datum in das KZ Neuengamme, wo er am 24. November 1940 verstarb; Todesursache unbekannt.
Ob er außer seinen ersten Lebensjahren je in Karlsruhe gelebt hat, ist ungeklärt, da auch seine Wiedergutmachungsakte, die es in Berlin gibt, aus archivrechtlichen Gründen nicht zugänglich ist.
Bekannt ist jedoch, dass er eine uneheliche Tochter, Sonja mit Namen, geboren am 26. September 1934 in Berlin, hatte, deren Mutter er aber wegen der „Nürnberger Gesetze“ nicht heiraten konnte. Auf Schicksal und Leben dieser Tochter und ihrer – lang verstorbenen Mutter - soll hier allerdings nicht weiter eingegangen werden, weil bestimmte Detailinformationen fehlen und auch keine Verbindungen zu Karlsruhe mehr ermittelt werden konnten.

Senta Gertrud (gen. Trude) Schwarzenberger besuchte eine Höhere Mädchenschule bis zur Mittleren Reife und ein Jahr eine Handelsschule; wann und wo dies war, ist nicht bekannt, vermutlich aber nicht in Karlsruhe, denn die Eltern lebten zu dieser Zeit schon längst nicht mehr in Karlsruhe. Aus ihren Angaben zur – obligatorischen – Kennkarte von Ende 1938 wissen wir, dass sie im Bankfach tätig war (nähere Angaben fehlen) und zu diesem Zeitpunkt bei ihrer Tante Clara Hirschfelder – Schwägerin ihrer Mutter, Witwe des bereits 1912 gestorbenen praktischen Arztes Dr. Louis Hirschfelder – in deren Haus in der Kriegsstraße 146 in Karlsruhe lebte. Ob sie schon zuvor und gegebenenfalls wie lange hier lebte, ist offen, in den Adressbüchern von Karlsruhe erscheint sie zu keiner Zeit, auch nicht 1938.
Aus ihrer Passakte ist ersichtlich, dass sie im Juli 1939 einen Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses für eine Auswanderung in die USA stellte. Die Auswandererberatungsstelle Karlsruhe bestätigte ihr, dass sie wegen der hohen Quoten-Nummer für die USA die Zwischenzeit in England verbringen wolle, sie habe bereits eine Stelle als Hausgehilfin in England angenommen (nähere Angaben fehlen). Zu einer Ausreise nach England, wo vermutlich ihre Cousine Senta, Tochter der Tante Clara, lebte, die ihr diese Arbeitsmöglichkeit vermittelt haben könnte, kam es aber nicht mehr, wahrscheinlich wegen des bald danach ausgebrochenen Krieges. Gleichermaßen erging es der Tante Clara Hirschfelder, die zeitgleich mit ihrer Nichte die Ausstellung eines Reispasses für eine Auswanderung in die USA und Verbringung der Wartezeit in England beantragt hatte.
Am 22. Oktober 1940 wurde sie – zusammen mit ihrer Tante Clara – nach Gurs deportiert. Am 20. Januar 1942 wurde sie von hier – wiederum zusammen mit ihrer Tante – in das Lager Noé verbracht. Während allerdings die Tante hier bis 17. August 1943 lebte, danach in das Hospital Napoleon in Mague in der Dordogne kam, hier lebt sie mit 20 jüdischen Frauen, alle über 65, in einem Raum unter haftähnlichen Bedingungen, und Ende Mai 1945, nach Beendigung des Krieges, in das Chateau Le Gondeau übersiedelte und im März 1946 nach England auswandern konnte, kam Senta Schwarzenberger bereits in den ersten Tagen des August 1942 von Noé nach Drancy und von hier mit Transport Nr. 18 am 12. August 1942 nach Auschwitz: Auf dem gleichen Transport waren auch Ihre Tante Ida Schwarzenberger und deren Tochter Rosa, also ihre Cousine.


Das Anwesen Schützenstraße 73
Zum Schluss noch einige Anmerkungen zum „Schicksal“ des Anwesens Schützenstraße 73, das immerhin nicht nur Mittelpunkt der geschäftlichen Tätigkeit der Schwarzenberger Familien für fast sechs Jahrzehnte war, sondern auch Domizil und damit auch Asyl in den sehr beschwerlichen letzten Karlsruher Jahren für so viele Schwarzenberger war. Es war ein kleines Grundstück von gerade mal 266 qm mit einem 2-stöckigen Wohnhaus, mit Hofreite und je einem einstöckigen Seitenbau und Querbau. Mit der Deportation der Bewohner am 22. Oktober 1940 nach Gurs war das Anwesen herrenlos und ging gemäß 11. VO zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 an das Deutsche Reich (Reichsfinanzverwaltung) über. Es war danach nicht mehr bewohnt, es wurde während des Krieges durch Brand zerstört, es war also ein Ruinengrundstück. Nach dem Krieg unterlag das Grundstück dem Gesetz der Militärregierung Nr. 52, d.h. es wurde – wie alle von deportierten Juden verlassene Grundstücke – unter vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt, ausgeübt durch die deutsche Finanzverwaltung (OFD). Es wurde zunächst an einen Altwarenhändler als Lager verpachtet, der aber keine Pacht zahlte, danach von 1955 –1958 an den Nachbarn (Schützenstraße 71, Architekt von Beruf) für den Betrag von 50 DM monatlich als Lager verpachtet. Bereits 1951 war das Grundstück wegen befürchteter Einsturzgefahr durch die Stadt Karlsruhe enttrümmert worden. Durch Vergleich vor dem Landgericht Karlsruhe vom 22. November 1957 ging das Grundstück vom Deutschen Reich, vertreten durch die Oberfinanzdirektion Karlsruhe, an die Erben wieder zurück, die es – zu einem nicht bekannten Zeitpunkt – veräußerten. Auf dem Gelände befindet sich heute ein Nachkriegs-Neubau mit fünf Etagen, darin zehn Wohnungen; Seitenbau und Querbau (ursprünglich) gibt es nicht mehr, in dem kleinen Hof befinden sich Parkplätze.


Zur Vervollständigung der Schicksale der Familie Schwarzenberger, obwohl nicht in das Zeitraster für die Aufnahme in das Gedenkbuch – in Karlsruhe lebend zwischen 1933 – 1945 – gehörend, hier noch einige Angaben zum Schicksal der Nachfahren von Heinrich Schwarzenberger, der einst (s.o.) mit seinem Bruder Wolf den Grundstein für die Firma Schwarzenberger in Karlsruhe legte, aber Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts sein Domizil und seine väterliche Firma (Großhandel mit Baumwolle und Hadern) von Untergimpern nach Heilbronn verlegte.
Heinrich Schwarzenberger baute die Firma weiter aus; später - mit seinen Söhnen Adolf und Ludwig - war die Firma vorwiegend mit der Produktion von Putzwolle tätig.
Heinrich Schwarzenberger starb am 22. November 1893, 59-jährig; seine Frau starb am 14. Januar 1908.
Adolf Schwarzenberger heiratete Josefine Hilb aus Baisingen (heute Ortsteil von Rottenburg). Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Lothar, geboren am 17. Oktober 1893, der Liese Kahn, geboren am 6. Juni 1902, heiratete; Heinrich Schwarzenberger, geboren am 20. September 1894, der Bertha Kirchheimer, geboren am 12. Mai 1908, heiratete, und Hertha Schwarzenberger, geboren am 16. Juli 1896, die den Likörfabrikanten Paul Löwengardt, geboren am 24. Oktober 1890, heiratete.
Ludwig Schwarzenberger heiratete Fanny Riesz, geboren am 2. Februar 1875. Aus dieser Ehe ging der Sohn Georg hervor, der nach Jurastudium an mehreren Universitäten im In- und Ausland bereits 1929, mit 21 Jahren, an der Universität Tübingen zum Dr. jur promoviert wurde, bereits 1934 mit seiner – arischen - Ehefrau nach England emigrierte und später ein sehr bedeutender Völkerrechtler am London Institute of World Affairs, Mitglied und Direktor dieses Institutes, Professor for International Law of University of London, wurde, mit ungezählten wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sein 1939 von Uni Tübingen aberkannter Doktorgrad wurde ihm 1947 von der gleichen Uni wieder zurückgegeben. Er starb am 20. September 1991.
Adolf Schwarzenberger, der die Firma nach dem Tod seines Vaters mit seinem Sohn Lothar führte, starb am 21. März 1928. Ludwig Schwarzenberger starb am 2. Dezember 1934 – beide in Heilbronn.
Von den anderen beiden Söhnen von Heinrich Schwarzenberger, Simon und Benjamin, liegen keine Informationen vor.
Die Familien Lothar Schwarzenberger (Ehefrau Liese, Sohn Peter), Paul Löwengardt (Ehefrau Hertha, Tochter Charlotte) und Heinrich Schwarzenberger (Ehefrau Bertha und Söhne Paul u. Franz Adolf) emigrierten alle rechtzeitig in den Jahren 1934/35/36 nach England, Frankreich und Belgien, die Witwe von Adolf Schwarzenberger, Josefine, folgte im Oktober 1938 ihrem Sohn Lothar nach England, kehrte aber nach dem Krieg nach Heilbronn zurück und starb hier am 13. Dezember 1960. Es ist anzunehmen, dass die nach Frankreich und Belgien emigrierten Familien rechtzeitig weiter wandern konnten, denn im Gedenkbuch des Bundesarchivs ist niemand von ihnen als Opfer des Nationalsozialismus aufgeführt.
Es stimmt allerdings verwunderlich, dass sich alle Heilbronner Schwarzenberger rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, während von den Karlsruher Schwarzenberger fast alle Opfer des Regimes wurden.

(Wolfgang Strauß, Juni 2010)