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Martha Schwarz, 1937. Porträt in Reisepassantrag für Frankreich (Foto: GLA)

Personendaten

Martha Schwarz

Nachname: Schwarz
geborene: Levy
Vorname: Martha
Geburtsdatum: 14. Dezember 1890
Geburtsort: Dahn/Pfalz (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Simon I. und Regina, geb. Stern, L.
Verwandtschaftsverhältnis: 2. Ehefrau von Emil Sch.;

Mutter von Rolf, Hans und Bernhard Albert
Adresse: Akademiestr. 51
1930: Turnerstr. 3
1931/32: Kriegsstr. 290
1932/33: Marie-Alexandra-Str. 44
1933/34: Karlstr. 94
1934/35: Herrenstr. 66
Beruf: Hausfrau
Deportation: 31.8.1942 nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Familie Schwarz
Im Andenken an Emil und Martha Schwarz und ihre Kinder Bernhard, Hans und Rolf sowie die einzigen Überlebenden Elsa Gonzalez und Rudolf Schwarz

Der Ursprung der Familie lässt sich bis in das Jahr 1846 in Busenberg bei Dahn im südpfälzischen Wasgau zurückverfolgen. Hier wurde Ferdinand Schwarz, der „Stammvater“, geboren. Wie zahlreiche Juden um 1870 mit der Niederlassungsfreiheit vom Land in die Stadt zogen, so verließ auch Ferdinand das etwa 850 Einwohner zählende Busenberg, das zu seiner Geburtszeit eine stattliche jüdische Gemeinde mit fast 170 Mitgliedern oder etwa 20 % der Einwohner aufwies. Er ging nach Pirmasens und heiratete dort am 27. Februar 1872 die 25-jährige Henriette Blum. Sie war ebenfalls 1846 geboren, in Pirmasens. Das Ehepaar bekam zusammen zehn Kinder: Jakob (geb. 22. Dezember 1872, kam vom Wohnort Frankfurt a.M. am 15. September 1942 nach Theresienstadt und dort am 9. Februar 1943 ums Leben), Karl (geb. 27. Januar 1874, verstorben 2. Januar 1875), Josef (geb. 19. November 1875, gestorben 23. Januar 1951), Gustav (geb. 2. Februar 1878, verstorben 13. April 1879), Amalia (geb. 19. November 1879, verstorben 9. Juni 1912), Ludwig (geb. 11. Juni 1881, verstorben 5. Oktober 1885), Emil (geb. 7. Oktober 1882, am 6. März 1943 in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet), Karolina (geb. 2. Mai 1885, ledig, am 1. Juni 1943 nach dem Durchgangslager Izbica deportiert und vermutlich im Vernichtungslager Sobibor ermordet), Leonie (geb. 22. April 1887) und Helena (geb. 16. März 1891). Die Familie lebte bis zum 15. Oktober 1897 in der Alleestraße 42 und zog danach in die Schäfergasse 8 um. Karl, Gustav und Ludwig verstarben bereits im Kleinkindesalter, die Tochter Amalia unverheiratet im Alter von 32 Jahren. Ferdinand Schwarz verstarb 1914 in Pirmasens, Henriette 1924.

Von den übrig gebliebenen sechs Kindern wurden drei Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung: Jakob, Karolina sowie Emil. Emil Schwarz, der später in Karlsruhe lebte, wird noch ausführlicher dargestellt. Zwei der Töchter haben nachweisbar geheiratet: Leonie am 12. Oktober 1920 den am 26. Januar 1883 in Hüttenheim geborenen Jakob Liebensteig und Helena am 19. September 1919 den am 1. Januar 1887 in St. Ingbert geborenen Gottfried Schwarz. Beide haben offensichtlich die Judenverfolgung überlebt, ebenso Josef Schwarz, der wie Emil ebenfalls in Karlsruhe lebte.

Josef Schwarz verließ als Erwachsener Pirmasens wie bereits sein älterer Bruder Jakob, der sich eine Existenz in Frankfurt a.M. geschaffen hatte. Josef verheiratete sich 1902 mit der am 19. August 1876 in Rülzheim geborenen Melanie Löb und eröffnete unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg in Karlsruhe-Mühlburg eine Schuhhandlung in der Rheinstraße 48. Das Ehepaar blieb kinderlos und wohnte zuletzt in der Stephanienstraße 11. Am 22. Oktober 1940 wurden beide nach Gurs, Frankreich deportiert. Einige Monate später, am 20. März 1941 wurden sie von Gurs nach dem Lager Récébédou bei Perpignan verlegt. Nach dem ersten Winter in Gurs, in dem über 700 jüdische Lagerinsassen aus Baden und der Pfalz aufgrund der katastrophalen Nahrungs- und Sanitärverhältnisse verstorben waren, versuchte das französische Vichy-Regime sein Internierungslagersystem zu reorganisieren, es verbesserte sich jedoch auch durch die Einrichtung von so genannten Familien- und Altenlagern wie Récébédou und Noé nichts. Am 8. September 1942 kam Josef Schwarz nach dem Lager Noé. Inzwischen hatten durch Kollaboration der Vichy-Regierung seit August 1942 planmäßig die Deportationen der im Oktober 1940 nach Frankreich deportierten badischen und saarpfälzischen Juden nach Auschwitz begonnen. Es mutet wie großes Glück an, dass Josef und Melanie Schwarz nicht darunter waren. Als die französischen Behörden die Transporte nach dem Oktober 1942 drosselten und nach der Wiederaufnahme im Frühjahr 1943 viele Alte“, das heißt über 65-jährige, nicht mehr den Transporten zuteilten, vergrößerten sich die Chancen der beiden. Josef Schwarz wurde aus dem Lager Noé am 17. August 1943 entlassen, Ehefrau Melanie am 8. September 1943 aus Récébédou und sie lebten im Hospice de Romans in Drôme, einem Altenheim. Beide wurden nicht mehr von deutschen Häschern erreicht und überlebten den Krieg und die Verfolgung in Frankreich dort. Sie blieben nach der Befreiung in Frankreich und lebten in Gresy sur Aix-les-Bains. Josef Schwarz verstarb dort 1951, Melanie 1956.

Emil Schwarz und Familie
Der am 7. Oktober 1882 in Pirmasens geborene Emil Schwarz heiratete am 7. Februar 1907 die am 26. Oktober 1870 in Essingen/Landau geborene Sydonia (Toni) Rauh. Auch diese Landgemeinde hatte einmal eine starke jüdische Gemeinde aufgewiesen, die ihre Ursprünge sogar auf das 16. Jahrhundert zurückführen konnte. Wie im Geburtsort Busenberg des Ehemannes waren auch in Essingen um 1850 fast 20 % der Einwohner jüdischen Glaubens, ehe auch hier die Abwanderung in die Städte begann, oft nach Landau, Ludwigshafen oder eben Karlsruhe.

Unmittelbar nach der Heirat zog das Ehepaar nach Karlsruhe, genauer nach dem damals noch selbstständigen Durlach. Hier ist die Familie erstmals 1907 aufgeführt, wohnhaft in der Hauptstraße 80 (Pfinztalstraße). Dort blieb sie bis 1916/17, ehe sie dann direkt in die Residenzstadt zog, 1917 war sie in der Durlacher Allee 18 zu finden.
Aus dieser Ehe gingen zwei in Durlach geborene Kinder hervor: Rudolf, geboren am 15. November 1907 und Else Babette, geboren am 29. August 1910.
In den Adressbüchern finden wir die Familie bis 1922 in der Durlacher Allee 18. Emil Schwarz war Pferdehändler, hatte in der Degenfeldstraße 5 ein Büro. Dieser traditionelle Geschäftszweig zahlreicher Juden hatte auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine starke Stellung. Alles deutet darauf hin, dass Emil Schwarz sein Geschäft sehr erfolgreich führte und sehr viel Geld damit verdienen konnte, jedenfalls zu Beginn. Um 1927 etwa soll Schwarz in Stallungen der ehemaligen Gottesauer Kaserne (Gottesauer Schloss, heute Hochschule für Musik Karlsruhe) öfter bis zu 20 Pferde in Kommission gehabt haben. Vor 1933, als der Handel aber bereits deutlich zurückgegangen war, soll er ein Jahreseinkommen von fast 12.000 RM erzielt haben, das wäre sehr überdurchschnittlich gewesen. Die Familie lebte in außergewöhnlich gutem Wohlstand. Man hatte Hilfspersonal für die häusliche Arbeit. Eine nichtjüdische Nachbarin beschrieb später den gut ausgestatten Hausstand mit wertvollen Teppichen, Silber, Gemälde, Porzellan, Schmuck, Kristallen.

Sohn Rudolf besuchte seit 1917 das Humboldt-Realgymnasium in Karlsruhe. Anhand seiner Zeugnisse ist zu erkennen, dass seine schulischen Leistungen mit der Zeit stark nachließen. In der fünften Klasse lagen seine Noten durchschnittlich bei befriedigend und im Laufe der Zeit verschlechterten sie sich zu ausreichend und sogar mangelhaft. Die achte Klasse musste er deswegen wiederholen und schließlich verließ er die Schule nach Absolvieren der achtjährigen Schulpflicht ganz. Am 6. Juli 1921 erhielt er das Abgangszeugnis, im Schulverzeichnis wurde vermerkt, dass er ein „fauler Schüler“ gewesen sei, festgehalten ist dort noch, dass er den Beruf Kaufmann anstrebte.

Tochter Else besuchte sogar kurze Zeit ein Schweizer Internat, auch ein Hinweis für den Wohlstand der Familie, zuletzt machte sie ihren Abschluss an der Volksschule. Dies war bereits nachdem Mutter Sydonia verstorben war. Sie war am Ende erkrankt und am 29. November 1921 vermutlich infolgedessen verstorben, zuhause in der Durlacher Allee 18. Da waren die Schwarz’ aber bereits keine Familie mehr, denn Emil und Sydonia Schwarz hatten sich scheiden lassen. Dies geht aus ihrem Sterbeeintrag hervor, jedoch nicht wann und auch nicht welche Ursachen es dafür gab. Die Adressbucheinträge lassen vermuten, dass die Scheidung erst um 1920/21 gewesen sein muss. Sydonia blieb danach in der Wohnung Durlacher Allee, Emil nahm eine Wohnung in der Hebelstraße 19. Da der Tod von Sydonia von ihrem Schwager Josef Schwarz gemeldet wurde, könnte man annehmen, dass trotz Scheidung das Verwandtschaftsverhältnis dennoch gut war.
Emil Schwarz heiratete - offensichtlich sehr schnell nach der Scheidung - ein zweites Mal, am 15. Februar 1921 in Dahn die Hausfrau Martha Levy, Tochter von Regina und Simon Levy I. aus Dahn. Dort war sie am 14. Dezember 1890 geboren.

Die neue Familie bekam drei Kinder. Hans Kurt am 12. April 1925, Rolf Gerhard am 9. August 1928 und schließlich als Nachzügler Bernhard Albert am 17. Mai 1937. Die beiden Älteren mussten ab 1936 die Jüdische Schule besuchen, weil jüdische Schüler nicht mehr in die allgemeine Volksschule durften.
Die Geschäfte von Emil Schwarz gingen mit der Zeit aber immer schlechter, die allgemeine wirtschaftliche Krise schien ihn sogar ungleich härter zu treffen, sie hatten kein stabiles Einkommen mehr. Der Verlust der bisher sicheren Existenz machte sich auch in häufigen Wohnungswechseln sichtbar. Die Adressbücher werden hier sogar ungenau, da sich teilweise nicht mehr zuordnen lässt, wo die Familie nun wohnte. Innerhalb zehn Jahren bis 1938 sind fünf Wohnungswechsel sicher zuzuordnen, weitere aber wahrscheinlich. Die letzte aktenkundige Adresse unter der die Familie gelebt hat, ist die Herrenstraße 66.
Nachdem seit April 1933 die Nationalsozialisten anfingen, jüdische Geschäftsinhaber zu boykottieren, um die Juden aus dem Wirtschaftsleben gezielt zu verdrängen, geriet auch Emil Schwarz mit seinem Pferdehandel weiter in Schwierigkeiten. Zuletzt sah er in Deutschland keine Möglichkeit mehr.
Am 25. Januar 1937 stellte Emil Schwarz einen Passantrag, um seine Schwester Helena in Frankeich in Epinay sur Seine zu besuchen, wo diese lebte, wie er darin anführte. Die Art wie der Antrag formuliert ist, erscheint sehr unterwürfig, was darauf schließen lässt, dass Emil sehr viel daran lag, dass sein Antrag genehmigt würde. Am 28. Januar 1937 wurde der Pass auch ausgestellt, woraufhin Emil nach Frankreich reiste. Von dort kam er nicht zurück, scheint eine zeitlang auch in Strasbourg gelebt zu haben. Seine Frau, die mit dem Nesthäkchen Bernhard Albert schwanger war, und die beiden kleineren Kinder blieben in Karlsruhe, die erwachsenen Kinder aus erster Ehe lebten längst selbstständig. Die Wohnung wurde Martha Schwarz währenddessen gekündigt, sie lebte praktisch mittellos und beantragte ebenfalls einen Pass. Am 21. September 1937 wurde dieser ausgestellt, Hinweis darauf, dass gegen die Familie keine Forderungen von privaten Gläubigern und staatlichen Stellen vorlagen, und Martha folgte Emil mit den drei Kindern nach Frankreich.
Dort konnten sie unbehelligt leben, bis zum Kriegsbeginn 1939. Es scheint, dass sie wie zahlreiche Franzosen vor den erwarteten Kriegshandlungen in das Landesinnere gebracht wurden, sehr wahrscheinlich auch könnte Emil Schwarz als Ausländer des Feindstaates wie andere deutsche Juden auch zu Kriegsbeginn von der französischen Regierung zunächst interniert worden sein, vielleicht auch zum Kriegsfreiwilligendienst gepresst worden sein und spätestens mit der Niederlage Frankreichs wieder entlassen worden sein. Darüber aber fehlen Quellennachweise. Gesichert wiederum ist, dass die Familie zuletzt in der Dordogne lebte wie zahlreiche andere französische Flüchtlinge und auch nichtfranzösische Juden. Somit wurde die Familie nicht Opfer der Massendeportation der über 6.500 Juden aus Baden und der Saarpfalz am 22. Oktober 1940 und lebte nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 auch nicht im besetzten Teil Frankreichs, aber die antisemitischen Maßnahmen des kollaborierenden Vichy-Frankreichs wie z.B. die Internierung bedrohte sie ständig.

Währenddessen hatte Rudolph, wie nach seinem Schulende geplant, den Beruf des Kaufmanns ergriffen, schließlich ging er aus Karlsruhe weg und wohnte zuletzt in Köln-Zollstock. Nachweislich gelang es ihm sogar nach Argentinien zu entkommen, wann und wie genau ist aber ungewiss.
Else lernte in einem Schuhgeschäft und arbeitete 1934 auch als Verkäuferin, zuletzt aber war sie Haushaltsgehilfin, 1940 bei der verwitweten Jenny Stern-Löw in der Südlichen Hildapromenade 9. 1934 trat sie auch aus der jüdischen Gemeinschaft aus und zum Katholizismus über. Drei Jahre später allerdings machte sie diese Konversion wieder rückgängig. Ihre Beweggründe kennen wir nicht. Da Else Schwarz in Karlsruhe leben blieb, wurde sie am 22.10.1940 mit Tauenden anderer Juden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Dort lebte sie unter den schlechten Umständen, die über 1.000 Todesopfer wegen Unterernährung und Krankheiten forderten. Das Internierungslager Gurs war im Frühjahr 1939 durch die französische Regierung für Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) aus Spanien, darunter Tausende Kämpfer der spanisch-republikanischen Armee, errichtet worden. Es war als Sommerlager konzipiert, hölzerne Baracken ohne Fenster und unisoliert, weitgehend unbefestigte Wege. Diese Bedingungen hielten die vorwiegend jüngeren spanischen Männer aus dem Bürgerkrieg besser aus, als die Juden aus Deutschland, unter denen die Alten wie die Jungen die häufigsten Todesopfer waren. Als das Lager mit den deutschen Juden im Oktober 1940 gefüllt wurde, befanden sich immer noch zahlreiche Spanier im Lager. Die Abtrennungen innerhalb des Lagers Gurs, so genannte Ilôts mit je 25 Baracken aus einfachen Brettern und Dachpappe, erschwerten Kontakte untereinander, machten sie aber nicht ganz unmöglich und das Internierungslager Gurs bedeutete zwar Leiden für die Insassen, war aber nicht zu vergleichen mit einem deutschen KZ oder Vernichtungslager.

Im Frühjahr 1942 gab es den ersten Transport von Juden aus Frankreich nach Auschwitz. Nach Verhandlungen mit dem Vichy-Regime war es Deutschland im Juli 1942 gelungen, Einigung über die prinzipielle Kollaboration zu erlangen, so dass ab dann nahezu täglich Transporte in das inzwischen ausgebaute Vernichtungslager Auschwitz stattfanden. Darunter waren nun auch Martha Schwarz und ihre drei minderjährigen Kinder Bernhard, Hans und Rolf in Bergerac in der Dordogne. Wie sie ihre letzten Lebensmonate verbrachten ist unklar. Am 31. August 1942 wurden alle vier zusammen mit insgesamt 1.000 Juden vom Durchgangslager Drancy bei Paris nach Auschwitz verbracht. Nur eine einzige Frau sollte diesen Transport am Ende überleben.
Martha Schwarz und die 17, 14 und 5 Jahre alten Kinder starben den Gastod.

Emil Schwarz befand sich nicht dabei. Warum nicht, ist unklar. Vermuten können wir nur, dass er sich vielleicht versucht hatte zu verstecken oder nicht bei der Familie war, jedenfalls musste er nun in ständiger Furcht leben, ebenfalls eingesperrt und abtransportiert zu werden. Dies geschah ihm auch im Frühjahr 1943. Er wurde verhaftet und am 27. Februar 1943 in das Internierungslager Gurs überführt. Eventuell gehörte er zu den 2.000 jüdischen Geiseln, die deutsche Stellen als Vergeltung für ein Attentat vom 13. Februar 1943 auf zwei deutsche Offiziere forderten, woraufhin in verschiedenen Departements Razzien stattfanden, um diese Zahl zusammen mit Insassen aus den Internierungslagern aufzubringen. Am 3. März 1943 kam er aus Gurs nach Drancy, wo die Transporte in die Vernichtungslager zusammengestellt wurden.
Am 6. März 1943 verließ ein Eisenbahn-Transport mit 998 Juden das Lager, unter ihnen Emil Schwarz. Der Zug fuhr nicht nach Auschwitz, da es dort Kapazitätsprobleme bei der Vernichtung gab, sondern nach dem Vernichtungslager Majdanek. Keiner aus diesem Transport überlebte das Kriegsende.

Am Ende: Hoffnung
Else Schwarz befand sich zuletzt im Lager Gurs. Unweigerlich wäre sie von dort ebenfalls in den Tod transportiert worden. Aber sie war eine der großen Ausnahmen. Im Lager hatte sie einen spanischen Mithäftling näher kennen gelernt, Marcellino Francisco Gonzales, geboren am 1. Mai 1917 in Labraces.. Marcellino Gonzalez war Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg gewesen. Anders als die deutschen Juden mussten die Spanier im Lager Gurs arbeiten. Else Schwarz berichtete im Jahr 1987 in aller Kürze, dass Marcellino im August 1942 von seinem „französischen Chef“ den Tipp bekommen habe, noch in der Nacht aus dem Lager zu fliehen, ansonsten bestehe für sie keine Chance mehr zu entkommen. Ob sich der „französische Chef“ hierbei auf die erste Deportation von Juden aus Gurs am 6. August 1942 bezogen hatte? Else drohte jedenfalls im Gegensatz zu Marcellino, nach Auschwitz deportiert zu werden. Einzelne Flüchtlinge aus Gurs wie den anderen Internierungslagern gab es immer wieder, die französische Bewachung war nicht perfekt, deutsche Juden aber trauten sich Fluchtversuche praktisch nie zu, da sie auch mangels Sprachkenntnissen, Unterschlupf- und Unterstützungsmöglichkeiten keine Chance zu entkommen gehabt hätten. Der Spanier Marcellino Gonzalez wagte es und nahm Else Schwarz mit. Nach einer mehr als vierwöchigen Flucht unter großer Angst, zuletzt in den Pyrenäen auch noch vor Schlangen und Wölfen wie Else Schwarz sagte, erreichten die beiden Spanien. Da Gonzales Kämpfer im Bürgerkrieg war, drohte ihm in Franco-Spanien durchaus Todesstrafe oder mindestens Gefängnis.
Es ging gut aus.

Else und Marcellino heirateten am 29. Januar 1955 in Santander, Spanien. Am 9. Februar 1952 hatten sie bereits eine gemeinsame Tochter, Maria del Carmen.
1958 zog das Ehepaar nach Deutschland - ein paar Jahre früher als gemäß dem Anwerbeabkommen mit Spanien „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen. Die Familie lebte in Daxlanden in der Rappenwörtstraße 62, 1964 zogen sie in die Hirschstraße 49. Marcellino arbeitete viele Jahre als Lastkraftwagenfahrer, dann konnte er als Arbeiter im Städtischen Rheinhafen eine Stelle finden.
Am 22. September 1975 kam er als Pumpenmeister bei einem tragischen Arbeitsunfall im Rheinhafen ums Leben. Else und Tochter Maria Schwarz setzten eine Todesanzeige in die Badischen Neuesten Nachrichten.
Tochter Maria war Telefonistin, sie blieb konfessionslos. 1987 heiratete sie einen Studenten aus Indonesien. Das Paar blieb in Deutschland und lebte längere Zeit in einer Gemeinde unmittelbar bei Karlsruhe, der Mann wurde Lehrer.
Else Schwarz lebte hoch betagt alleine in Karlsruhe. Im Oktober 2006 zog sie schließlich zur Tochter und verstarb dort drei Monate später am Neujahrstag 2007 im Alter von 96 Jahren.
Else Schwarz hat nur einmal 1987 ganz kurz über ihre Familie, nur über ihre Mutter und den Bruder Rudolf berichtet, ob sie sich mit der „Stiefmutter“ und den Halbgeschwistern nicht vertragen hat, wissen wir nicht. Sehr gerne hätten wir sie noch so Vieles gefragt, was nun vermutlich nicht mehr festgehalten werden kann. Der Versuch, die Tochter Maria, die inzwischen verzogen ist, ausfindig zu machen, glückte nicht.

Rudolf überlebte wie seine Schwester Else die Verfolgung. Ihm war die Ausreise bzw. Flucht nach Argentinien geglückt. 1943 hatte Else Schwarz das letzte Mal von ihm gehört. Lange Jahre galt er für sie als verschollen. Erst 1968 konnte er in Buenos Aires ausfindig gemacht werden, wo er als Kaufmann lebte.

(Patricia Magyar und Jaqueline Nees, Humboldt-Gymnasium 11. Klasse, November 2011)