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Elisabeth Rosenfeld, 1939. Porträt in Reisepassantrag nach Palästina (Foto: GLA)

Personendaten

Elisabeth Rosenfeld

Nachname: Rosenfeld
geborene: Willstätter
Vorname: Elisabeth
Geburtsdatum: 25. März 1897
Geburtsort: Karlsruhe (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Emil und Rosa, geb. Mayer, W.
Verwandtschaftsverhältnis: Ehefrau von Karl R.;

Mutter von Georg Jakob und Franz Benjamin
Adresse: Reinhold-Frank-Str. (Westendstr.) 66, 1.10.1940 nach Stuttgart verzogen
Schule/Ausbildung: Lessing-Mädchengymnasium, Abitur 1916
Beruf: Hausfrau
Deportation: 2.8.1942 von Stuttgart nach Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)
6.10.1944 nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Carl Rosenfeld (1883-1944) und Elisabeth Rosenfeld (1897-1944)

Carl Rosenfeld kam am 12. Juli 1883 in Karlsruhe als ältestes Kind von Berta Rosenfeld, geborene Simon, und Jakob Rosenfeld auf die Welt. Jakob Rosenfeld verdiente seinen Lebensunterhalt als Kaufmann und Eisenhändler. Wohnhaft war das Ehepaar Rosenfeld 1883 in der Kaiserstraße 50, zog jedoch 1884 in die Hebelstraße 1, dann in die Kaiserstraße 26, wo am 22. August 1887 sein zweiter Sohn Julius geboren wurde, und schließlich 1889 in die Zähringerstraße 84. In der Zähringerstraße stieg Jakob Rosenfeld als Teilhaber in die dort ansässige Firma „Abraham Straus, Eisen- und Metallhandlung en gros“ ein. Seine Geschäftspartnerin war hierbei die Witwe des Bankiers Abraham Straus, die - zusammen mit Maier Abraham Straus - unter derselben Adresse auch eine Bank führte. Nach dem Tod der Witwe Straus im Jahr 1903 übernahm Jakob Rosenfeld die Leitung der gesamten Metallhandlung, die aber weiterhin unter dem Firmennamen „Abraham Straus, Eisen und Metallgroßhandlung“ agierte. Innerhalb der jüdischen Gemeinde Karlsruhes genoss Jakob Rosenfeld offensichtlich hohes Ansehen. So wurde er am 15. März 1908 - wie etwa im Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten nachzulesen ist - als (weltlicher) Ersatzabgeordneter für die Synode der israelitischen Religionsgemeinschaft im Großherzogtum Baden gewählt.

Carl Rosenfeld besuchte nach der Volksschule seit 1892 das Humboldt-Realgymnasium, wo er sich als recht guter Schüler erwies und 1901 das Abitur ablegte. Auch Carls Bruder Julius ging ab 1897 auf das Humboldt-Realgymnasium, und auch er schloss - vier Jahre nach seinem älteren Bruder - seinen schulischen Werdegang mit dem Abitur ab.

Zwischen 1901 und 1903 hielt sich Carl Rosenfeld, wohl um kaufmännische Kenntnisse zu erwerben und seine Sprachkenntnisse zu verbessern, in England auf, direkt im Anschluss hieran erfolgte 1903/04 ein halbjähriger Auslandsaufenthalt in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland leistete Carl Rosenfeld vom 1. Oktober 1904 bis zum 29. September 1905 als Einjährig-Freiwilliger seinen Wehrdienst bei der 3. Batterie des 3. Badischen Feldartillerie-Regiments Nr. 50 ab. Beim Eintritt in das Militär wurde in der Friedensstammrolle des Feldartillerie-Regiments Carl Rosenfelds Äußeres wie folgt beschrieben: „Größe: 170 cm, Gestalt: mittel, … Haar: schwarz, Bart: kl(einer) Schnurrbart (schwarz)“. Rosenfeld erfuhr während seiner Dienstzeit eine Ausbildung zum Geschützführer einer fahrenden Batterie, weiter im Umgang mit dem Revolver 79 sowie im Signaldienst mit Winkerflaggen. Seine „Führung“ wurde in den Militärakten insgesamt als „sehr gut“ bewertet, was Rosenfelds Beförderungen zum Gefreiten (1. April 1905) und zum Unteroffizier (26. August 1905) erklärt. Am 29. September 1905 wurde Carl Rosenfeld zur Reserve nach Karlsruhe entlassen, als Jude blieb für ihn allerdings der hoch angesehene Rang eines Leutnants der Reserve unerreichbar.

1910 verstarb Carl Rosenfelds Vater. Die Eisen- und Metallgroßhandlung Straus ging damit auf Berta Rosenfeld über, während die Geschäftsleitung fortan bei Carl Rosenfeld lag. Wohl seit dem Tod der Mutter im Jahr 1911 firmierte die Unternehmung dann nicht mehr unter der traditionellen Bezeichnung „Abraham Straus“, sondern als „Rosenfeld & Co., Eisen- und Metallhandlung“ im Karlsruher Adressbuch. Hinter dieser Namensänderung stand des Weiteren eine geschäftliche Änderung, da mit Hugo Marxheimer ein Teilhaber in die Rosenfeldsche Firma einstieg. Der aus Schwalbach stammende Marxheimer war um zwei Jahre jünger als Carl Rosenfeld, gleichfalls Jude und blieb bis Oktober 1933 Geschäftspartner von Carl Rosenfeld.

Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde Carl Rosenfeld, der zu dieser Zeit in der Viktoriastraße 18 wohnte, am 2. August 1914 zur 3. Batterie des Reserve-Feldartillerieregiments Nr. 29 eingezogen. Nachweislich war er zwischen dem 14. August und dem 19. August 1914 an Kämpfen im Breuschtal in den Vogesen beteiligt, die er unversehrt überstand. Am 29. August 1914 jedoch wurde Carl Rosenfeld durch einen Oberschenkelschuss bei Nompatelize (nordwestlich von Saint-Dié-des-Vosges) schwer verwundet und hernach ins Lazarett Freudenstadt überführt. Infolge einer Blutvergiftung musste ihm dort das linke Bein amputiert werden - für Carl Rosenfeld sicherlich ein ganz schwieriger Augenblick in seinem Leben. Nachträglich wurden dem Soldaten Rosenfeld wegen „tapferen Verhaltens vor dem Feind“ - so die offizielle Begründung der Ordensverleihung - die silberne großherzoglich badische Verdienstmedaille am Band der Militär-Carl-Friedrich-Verdienstmedaille (10. Januar 1915) und das Eiserne Kreuz 2. Klasse (21. September 1915) verliehen. Mit um so größerer Bitterkeit mag Carl Rosenfeld die 1916 begonnene „Judenzählung“ registriert haben, eine staatlich angeordnete statistische Erhebung, die untersuchen sollte, ob die deutschen Juden an der Front unterrepräsentiert seien. Den Hintergrund für den Auftrag, solch eine Statistik zu erstellen, bildete freilich der antisemitische Vorwurf, dass sich die deutschen Juden systematisch vor dem aktiven Militärdienst „drückten“.“

Nach der offiziellen Entlassung Carl Rosenfelds aus dem Heer im Jahr 1915 verlegte die Firma Rosenfeld ihren Sitz in die Neureuter Straße 5 im Karlsruher Westen, und auch privat fand Carl Rosenfeld unweit seiner bisherigen Adresse in der Leopoldstraße 7b eine neue Wohnung. Am 18. Mai 1920 heiratete er die dreiundzwanzigjährige Elisabeth Willstätter (geb. 23. März 1897), eine Tochter des Fabrikdirektors Emil Willstätter und dessen Frau Recha Willstätter, geborene Mayer. Elisabeth Willstätter hatte das Karlsruher Mädchengymnasium, die Lessing-Schule, besucht, dort 1916 das Abitur abgelegt und danach drei Semester-Altphilologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg studiert. Trauzeugen der Eheschließung waren Julius Rosenfeld, inzwischen promovierter Jurist, und der Direktor der Karlsruher Filiale der Deutschen Bank, Ludwig Mayer (geboren 30. Mai 1885), der mit der älteren Schwester der Braut, Gertrud Sofie Willstätter (geboren 16. Januar 1894), verheiratet war.

Das Ehepaar Rosenfeld bezog eine Wohnung im Haus Westendstraße (jetzt Reinhold-Frank-Straße) 66, in dem auch der Bruder Carl Rosenfelds, Dr. Julius Rosenfeld, spätestens seit 1918 wohnte. Dort kam schon im nächsten Jahr das erste Kind von Elisabeth und Carl Rosenfeld zur Welt, Georg Jakob Rosenfeld (geb. 23. Februar 1921), dem am 9. Mai 1923 ein zweiter Sohn, Franz Benjamin, folgte. Die beiden Kinder besuchten nach der Volksschule das Karlsruher Bismarck-Gymnasium, konnten jedoch nach der Machtergreifung Hitlers dort nicht mehr das Abitur ablegen. Georg Jakob trat 1931 ins Bismarck-Gymnasium ein, von dem er 1937 nach der 10. Klasse abgehen musste. Jüdische Schüler wurden seit diesem Jahr nicht mehr zur Reifeprüfung zugelassen, und Georg Jakob begann nun eine Lehre als Elektriker. Dahinter stand wohl auch schon der Gedanke, mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem zukunftsträchtigen Beruf die Chancen auf Aufnahme in einem anderen Land zu erhöhen bzw. eine Basis für eine abgesicherte berufliche Existenz im Exil zu gewinnen.
Franz Benjamin Rosenfeld besuchte nur noch die 5. und 6. Klasse des Bismarck-Gymnasiums, bevor er 1935 die Schule gezwungenermaßen verließ. Wahrscheinlich wurde er ab 1936 in der „Jüdischen Schulabteilung“ der Karlsruher Lidellschule, die sich nicht zuletzt das Ziel gesetzt hatte, ihre Schülerinnen und Schüler auf eine Auswanderung in besonderer Weise vorzubereiten, noch weiter unterrichtet.

Carl Rosenfeld konnte nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten seine Eisen- und Metallhandlung zunächst fortsetzen, waren doch die Juden zunächst aus dieser Branche kaum wegzudenken. (1933 standen 23 der insgesamt 45 Karlsruher Eisenwarenhandlungen in jüdischem Besitz.). Freilich konnte er sich nicht mehr lange auf seinen langjährigen Teilhaber Hugo Marxheimer stützen, der im Oktober 1933 zusammen mit seiner Frau Alice und seinem Sohn Erik nach Frankreich auswanderte. Dieser an sich weitsichtige Schritt sollte die Familie Marxheimer jedoch nicht vor dem Untergang bewahren: 1942 wurden Hugo, Alice und Erik Marxheimer nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Trotz oder gerade wegen der nationalsozialistischen Anfeindungen engagierte sich Carl Rosenfeld weiterhin in der Karlsruher jüdischen Gemeinde, so war er - gemeinsam mit seinem Trauzeugen Ludwig Mayer - Mitglied der B’nai B’rith zugehörigen Carl-Friedrich-Loge. Diese wies im Herbst 1935 unter der Präsidentschaft von Dr. Siegfried Weissmann, der wegen seines Judentums als Oberregierungsrat im Badischen Kultusministerium entlassen worden war, noch über 141 Mitglieder auf und versuchte gemäß den Zielen der weltweit tätigen Organisation B’nai B’rith nach wie vor Toleranz und Humanität zu fördern.
Elisabeth Rosenfelds Engagement im jüdischen Gemeindeleben ist belegt. An dem vom Rabbiner Hugo Schiff eingerichteten „Lehrhaus“ in Karlsruhe, vergleichbar mit der seinerzeit bereits existierenden Volkshochschule, war sie bereit, Vorträge zu halten. Ihre Bekundung 1935, über „Palästina: vom Land, von seiner Geschichte und vom neuen Leben (Eindrücke einer Reise)“ zu referieren, weist zugleich darauf hin, dass sie sich inzwischen den Ideen des Zionismus zugewandt hatte. Außerdem wurde sie im Oktober 1938 für die liberale jüdische Gemeinde in die gemeinsame Schulkommission mit der orthodoxen Gemeinde berufen, sicherlich unter Berücksichtigung ihrer Vorbildung und ihrer aktiven Betätigung.
Angesichts der für Juden immer bedrohlicher werdenden Situation in Deutschland dachten Carl und Elisabeth Rosenfeld offensichtlich in immer stärkerem Maße daran, Deutschland zu verlassen. Der Weggang des Geschäftspartners Marxheimer mit Frau und Kind nach Frankreich im Herbst 1933 wurde innerhalb der Familie wohl ausführlich diskutiert, später sicherlich noch intensiver die Auswanderung Gertrud Sofie Mayers, der Schwester Elisabeth Rosenfelds, und ihres Ehemannes Ludwig Mayer, denen es bald nach 1936 gelang, nach Großbritannien zu entkommen. Auch Carl Rosenfelds Bruder Julius verließ etwa zur selben Zeit Deutschland in Richtung Palästina, im Februar 1939 war er dort jedenfalls nachweislich ansässig.

Der von Carl Rosenfeld am 11. September 1934 für sich und seine Familie gestellte Antrag auf einen Reisepass deutet sehr darauf hin, dass die Auswanderungspläne der Familie Rosenfeld damals bereits konkrete Formen angenommen hatten. In diesem Zusammenhang ist auch zu sehen, dass Carl und Elisabeth Rosenfeld am 10. September 1938 - d. h. noch vor der Pogromnacht am 9. November 1938 - versuchten, am Grenzposten Emmerich in die Niederlande zu gelangen. Ihr 1934 für fünf Jahre ausgestellter Reisepass wurde allerdings für ungültig erklärt, das Ehepaar nach Karlsruhe zurückgeschickt und die Passbehörde von der Gestapo am 4.10.1938 angewiesen, die Pässe des Ehepaars Rosenfeld einzuziehen und entsprechende Neuanträge stellen zu lassen. Warum Carl und Elisabeth Rosenfeld im September 1938 versuchten, ohne ihre Kinder in die Niederlande auszureisen, lässt sich kaum mehr klären. Eventuell wollten sie die Möglichkeiten einer Übersiedlung und des Aufbaus einer neuen Existenz in den Niederlanden eruieren und dann wieder zu ihren Kindern zurückkehren. Dass die Rosenfelds die Lage in Deutschland inzwischen als äußerst bedrohlich einschätzten, zeigt, dass sie im Januar 1939 ihren älteren Sohn Georg Jakob mit einem der ersten nach der Pogromnacht anlaufenden „Kindertransporte“ nach England schickten. Georg Jakob nahm dort später den Namen Rosney an; ein Schreiben von ihm an die Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 1963 belegt, dass er nach dem Krieg in London lebte. Im März 1939 konnte auch Franz Rosenfeld Deutschland verlassen, sein Weg führte ihn allerdings nach Palästina, wo er wieder mit seinem Onkel Julius zusammentraf. Der bereits erwähnte Brief Georg Jakobs Rosenfeld informiert darüber, dass sich Franz Rosenfeld schließlich dauerhaft in Israel niederließ.

Carl und Elisabeth Rosenfeld stellten ihrerseits Neuanträge auf Reisepässe. Carl Rosenfelds Firma war inzwischen „arisiert“ worden, so dass sich in Deutschland kaum noch Verdienstmöglichkeiten boten, ganz abgesehen davon, dass sich Juden seit der Reichspogromnacht ihres Lebens in Deutschland nicht mehr sicher sein konnten. Aus einer Bescheinigung der „Amtlich anerkannten öffentlichen gemeinnützigen Auswanderer-Beratungsstelle“ vom 10. Februar 1939 geht hervor, dass Carl und Elisabeth Rosenfeld nach Palästina auswandern wollten, wo Dr. Julius Rosenfeld schon seine Bereitschaft erklärt hatte, für das notwendige „Vorweisgeld“ aufzukommen. Am 3. April 1939 wurden dann dem Ehepaar tatsächlich Pässe auf ein Jahr gewährt, doch blieb die Schweizer Transit-Genehmigung aus, die die Rosenfelds dringend benötigten, um über die Schweiz und Italien nach Palästina auszureisen. Die Entfesselung des 2. Weltkriegs durch Hitler ließ diese Pläne endgültig zum reinen Wunschtraum werden.

Am 1. Oktober 1940 zogen die Rosenfelds nach Stuttgart um, wodurch sie ganz knapp der Deportation der badischen Juden nach Gurs am 22./23. Oktober 1940 entgingen. Hierdurch war freilich nur eine letzte Frist gewonnen. Am 22. August 1942 kam es zur Verschleppung Carl und Elisabeth Rosenfelds in das Konzentrationslager Theresienstadt im „Protektorat Böhmen und Mähren“, in dem sie unter den dort vorherrschenden schrecklichen Haftbedingungen die nächsten zwei Jahre verbrachten. Am 6. Oktober 1944 erfolgte die Deportation von Carl und Elisabeth Rosenfeld nach Auschwitz. Dort wurde Carl Rosenfeld als Schwerkriegsbeschädigter mit Sicherheit sofort ermordet. Von Elisabeth Rosenfeld ist keine Registrierung bei der Selektion zur Zwangsarbeit überliefert. Sehr wahrscheinlich wurde sie ebenfalls sofort bei der Ankunft an der Rampe im Lager Auschwitz-Birkenau in das Gas geschickt. Falls sie doch zu den zur KZ-Arbeit Selektierten gehört haben sollte, kann sie nicht mehr lange am Leben geblieben sein. Elisabeth Rosenfeld hat Auschwitz nicht überlebt.

Geschichte-AG des Humboldt-Gymnasiums:
Johannes Bauernschmitt (10e)
Simon Guttenberg (10e)
Philipp Kaiser (10e)
Tim Kummert (9d)
Moritz Ludwig (9c)
Kim Väth (10b)
Johannes Walz (10e)
Sebastian Walter (10e)
Betreuung: Dr. Rainer Hennl
Dezember 2009


Ergänzung, Juli 2010:

Georg Jakob Rosenfelds vergebliche Suche nach seinen Eltern im Jahr 1945:

Georg Jakob Rosenfeld wurde in England nach Kriegsbeginn zunächst als „enemy alien“ (feindlicher Ausländer) interniert. 1940 wurde ihm aber wie anderen aus Deutschland stammenden Flüchtlingen die Möglichkeit eingeräumt, im Pioneer Corps im südwestenglischen Ilfracombe Dienst zu tun. George Rosney schloss sich tatsächlich dem Pioneer Corps an und wurde dort der 249. Kompanie zugeteilt. Im Februar 1942 erfolgte seine Versetzung in das Royal Army Service Corps (RASC) und im Oktober 1942 zu den Royal Electrical and Mechanical Engineers. 1944 wurde Rosney zur Royal Horse Artillery abgestellt und am 14. Juni 1944 von Newhaven aus in die Normandie verschifft. Als Soldat der Royal Horse Artillery war Rosney am Vormarsch der Alliierten durch Frankreich, Belgien und Holland nach Deutschland beteiligt, wobei seine Hauptaufgabe darin bestand, im Kampf beschädigte Fahrzeuge wieder einsatzfähig zu machen.
Rosney war bekannt, dass seine Eltern 1942 nach Theresienstadt deportiert worden waren. Da die Nazipropaganda Theresienstadt wiederholt als „Altersghetto“ oder als jüdische „Siedlung“ dargestellt hatte, ging er fest davon aus, dass seine Eltern die Naziherrschaft überlebt hatten. Nach der deutschen Kapitulation wollte Rosney, der zu diesem Zeitpunkt in Kiel stationiert war, so rasch als möglich nach Theresienstadt fahren, um seine Eltern wiederzusehen und ihnen rasche und direkte Hilfe zukommen zu lassen. Ein entsprechendes Gesuch fand die Unterstützung von seinen militärischen Vorgesetzen und ausgestattet mit einem Motorrad, einer britischen Flagge, einer Pistole, einem Empfehlungsschreiben in russischer Sprache sowie Nahrungsmitteln machte sich der Soldat auf den Weg von Kiel nach Theresienstadt. Am 21. Mai 1945 kam Rosney dort an, musste aber von Überlebenden zu seinem großen Entsetzen erfahren, dass seine Eltern 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert worden waren. Tief deprimiert machte er sich auf den Rückweg nach Kiel, wurde aber noch in der Tschechoslowakei von sowjetischen Soldaten unter dem Verdacht, ein deutscher Spion zu sein, festgenommen und erst nach fünf Tagen und zahlreichen Verhören wieder auf freien Fuß gesetzt.
Die traumatische Erfahrung der vergeblichen Suche nach seinen Eltern sollte Georg Rosenfeld während seines gesamten weiteren Lebens schwer belasten.