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Sofie Reinach, 1940. Porträt in Reisepassantrag für die USA (Foto: GLA)

Personendaten

Sophie Reinach

Nachname: Reinach
geborene: Herz
Vorname: Sophie
Geburtsdatum: 16. März 1877
Geburtsort: Heilbronn (Deutschland)
Familienstand: verwitwet
Eltern: Herz Sigmund (1851-1921) und Flora (1855-1907), geb. Hess, H.
Verwandtschaftsverhältnis: Witwe von Moritz R.;

Mutter von Johanna Stern geb. R., Ludwig und Paula Walther geb. R.
Adresse: Sophienstr. 160
1906-1941: Kriegsstr. 135
1941-1942: Stephanienstr. 11
Beruf: Hausfrau
Deportation: 22.8.1942 nach Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)
Sterbedatum: 2. September 1942
Sterbeort: Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)

Biographie

Familie Moritz Reinach
Zum Gedenken an Sophie Reinach

Sophie Reinach geborene Herz stammte aus Heilbronn. Ihr Vater war Eigentümer eines Kaufhauses in Heilbronn. Sie hatte eine jüngere Schwester (Clara), die von Mainz nach Theresienstadt deportiert wurde, wo sie umkam sowie einen jüngeren Bruder (Otto), der 1917 im Alter von 28 Jahren als Leutnant fiel. Verheiratet war Sophie mit Moritz Reinach. Dieser stammte aus Sinsheim/Elsenz. Er hatte Kameralia studiert, was man heute mit Nationalökonomie bezeichnen könnte. Er war Oberfinanzrat im badischen Finanzministerium, Geheimrat und Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub zum Zähringer Löwen. Ehrenamtlich war er Fischerei-Sachverständiger für Baden.

Streng genommen war Moritz Reinach Dissident, da er keine jüdischen Gebräuche praktizierte. Man stand dem Protestantismus nahe und erzog die Kinder (Paula, Ludwig und Johanna) im Sinn ihrer christlichen Umgebung.

Seit 1906 wohnte die Familie in der Kriegsstraße 135. Moritz Reinach wurde 1927 pensioniert. Er starb 1940, sodass er die schlimmsten Verfolgungen nicht mehr über sich ergehen lassen musste.

Sophie Reinach versuchte nach dem Tod ihres Mannes zu ihrer 1938 über England noch rechtzeitig emigrierten Tochter Johanna nach Columbus, Ohio, USA auszuwandern, was jedoch von der Karlsruher Gestapo strikt abgelehnt wurde. Sie musste auch bald die herrschaftliche Wohnung in der Kriegsstraße 135 verlassen und wurde in die Stephanienstraße 11 eingewiesen. Neben den üblichen Repressalien war für sie sehr schlimm, dass sie ab September 1941 den Judenstern tragen musste.

Sie gehörte zu den ganz wenigen badischen Juden, die nicht zur Deportation nach Gurs in Südfrankreich am 20. Oktober 1940 kamen. Diese wenigen wurden in der Folgezeit nach und nach weggebracht. Sophie Reinachs Deportation nach Theresienstadt erfolgte von Karlsruhe am 22. August 1942. Laut Bericht des Oberrates der Israeliten Badens Nathan Rosenberger starb Sophie Reinach infolge des Transportes und der unmenschlichen Verhältnisse in Theresienstadt bereits am 2. September, d.h. elf Tage nach Beginn der Deportation. Dem Sohn Ludwig wurde unter Androhung seiner Deportation durch die Gestapo in Celle verboten, zur Verabschiedung seiner Mutter nach Karlsruhe zu reisen.

Tochter Paula Reinach war im 1. Weltkrieg als Krankenschwester beim Roten Kreuz tätig.
So lernte sie Hans Walther, nichtjüdischer Konfession, in einem Lazarett kennen, den sie heiratete. Hans Walther wurde Jurist im Justizdienst in München. Er wurde im „Dritten Reich“ wegen seiner jüdischen Ehefrau zum Amtsgerichtsrat degradiert. Nach dem Ende des Nationalsozialismus avancierte er schließlich zum Ministerialdirektor im bayrischen Justizministerium.

Sohn Ludwig Reinach meldete sich mit Kriegsbeginn (im Alter von 17 Jahren und 4 Tagen) als Freiwilliger und war Frontkämpfer bis Kriegsende. Unter den Nationalsozialisten galt er als „wehrunwürdig“. Abitur machte er als Soldat. Ab dem Wintersemester 1918/19 studierte er Elektrotechnik als 53. jüdischer Student an der Karlsruher TH Friedericiana, wo er später auch zum Dr.-Ing. promovierte. 1925 ließ er sich evangelisch taufen. Nach einjähriger Tätigkeit beim Badenwerk in Karlsruhe erhielt er im Jahr 1924 unter 73 Bewerbern die Stelle eines Oberingenieurs bei der Barmer (heute Wuppertaler) Elektrizitäts-Versorgung. Aufgrund der Nürnberger Gesetze erfolgte seine Entlassung zum 31. Dezember 1935. Um seine Beamtenpension musste er bis vor dem Reichsgericht gegen die Stadt Wuppertal prozessieren.
Nach 1 ½ Jahren in Düsseldorf lebte er mit seiner „arischen“ Ehefrau Irmgard (Tochter von Oberregierungsrat Carl Cronberger aus Karlsruhe) und den beiden Kindern von 1937 bis Kriegsende in Celle. Die eigentliche unmenschliche Verfolgung mussten er und seine Familie in Celle erleben, davon er die letzten neun Monate in zwei Gestapo-Zwangslagern in Bedburg/Erft und Werne/Lippe.

Sein Werdegang nach der nationalsozialistischen Verfolgung geht aus dem nachfolgenden Auszug aus dem Nachschlagwerk „Männer der Wirtschaft“ (mehrere Auflagen als „Leitende Männer der Wirtschaft“) hervor. Außerdem wurde er der erste Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Elektrotechniker VDE nach dem Krieg.

Reinach, Ludwig, Dipl.-Ing., Dr.-Ing., Generaldirektor,
Beigeordneter, 56 Wuppertal, Kapellen 38
Grubenvorstand: Zeche Alte Haase
VdVorstand: Wuppertaler Stadtwerke AG., Wuppertal
GeschF: Bergische Elektrizitäts-Versorgungs-GmbH, Wuppertal
Niederrhein-Bergisches Gemeinschaftswasserwerk GmbH, Düsseldorf
Gemeinschaftswerk Hattingen GmbH., Hattingen
Kraftwagengesellschaft Ruhr-Wupper mbH., Wuppertal,
Vorstand: Verkehrsverein Wuppertal eV.
Wupperverband
Gemeinschaft Ruhr-Wupper-Niederrhein
Mitgl: Verwaltungsausschuß des Arbeitsamtes Wuppertal
Hauptversammlung des Verbandes Komm. Unternehmungen
Beigeordneter der Stadt Wuppertal

(Wolfgang Reinach, Enkel von Sophie Reinach, August 2008)