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Foto der elterlichen Familie um 1917: Abraham und Nathan Alpern (oben); Jakob, Rebekka, Ruth, Moses und Leo (von links)

Personendaten

Moses Alpern (Moshe, Maurice)

Nachname: Alpern
Vorname: Moses
abweichender Vorname: Moshe, Maurice
Geburtsdatum: 24. März 1909
Geburtsort: Mannheim (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Abraham Isaak und Rebekka, geb. Bermann, A.
Verwandtschaftsverhältnis: Ehemann von Jeanne A.;

Bruder von Scheindel Fleischer geb. A., Nathan, Leo, Michael, Jakob und Ruth
Adresse: Schützenstr. 7b
Beruf: Kaufmännischer Angestellter (im Wäschegeschäft des Bruders Nathan)
Emigration: 1935 nach Frankreich (Frankreich)
Deportation: 4.3.1943 von Drancy nach Majdanek (Polen)
Sterbeort: Majdanek (Polen)

Biographie

Moses Alpern

Im Gedenken auch an Jeanne Alpern geborene Stern

Wir kennen die Hauptperson dieses Berichts mit den Namen: Moses, Moshe, Maurice.
Amtlich ist von Moses die Rede, im Alltag der Diaspora mag er auch Moritz genannt worden sein, denn in Frankreich wurde daraus Maurice. In einem englischsprachigen Land hätte er vielleicht Morris geheißen.

Einer der Namen, mit denen er zum Lesen der Tora aufgerufen wurde und die in seinem Ehevertrag gestanden haben müssen, war Moshe (verdeutscht Moses), nach seinem verstorbenen Großvater mütterlicherseits und zugleich nach dem großen biblischen Gesetzgeber, der die Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft führte.

Der Einfachheit halber ist hier meistens von Moses Alpern die Rede.

Sein Vater Avraham Itzhak (Isidor) Alpern, geboren am 30. Dezember 1869, stammte aus Wiznitz in der Bukowina, dem „Buchenland“ am östlichen Rand von Österreich-Ungarn. Seine Mutter Chana Rifka (Rebekka) geborene Bermann, geboren am 15. Mai 1870, stammte aus dem von dort etwa 70 km entfernten ostgalizischen Städtchen Horodenka, das auch zu Österreich-Ungarn zählte. Von beiden Städten aus war es ebenfalls etwa 70 km nach der Stadt Czernowitz, dem Zentrum der Bukowina.
Die Gegend gehörte später, zwischen den Kriegen, zu Rumänien. Im 2. Weltkrieg war sie sowjetrussisch, deutsch bzw. rumänisch verwaltet. Heute liegen die beiden Städte Wyschnyzja und Horodenka in der südwestlichen Ukraine.

Mit ihrer ältesten Tochter ist das Ehepaar Alpern wohl Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin übersiedelt. Wirtschaftliche Not, Antisemitismus, politische Unwägbarkeiten und der Verfall alter Strukturen bewog viele jüdische Familien aus dem „Shtetl“ nach den westlichen Großstädten Wien, Berlin, Paris und weiter nach New York zu emigrieren.

In Berlin kamen zwei Söhne zur Welt. Bereits 1903 soll der Vater allerdings aus Preußen ausgewiesen worden sein, da er an einem Sonntag mit christlichen Andachtsbildern hausiert habe und dabei erwischt worden sei. Ein Großenkel hält dies aber eventuell für eine „bubbe-meisse“, ein Ammenmärchen. Abraham Alpern bezog am 25. Mai 1903 die Wohnung 2. Querstraße 20 in Mannheim; der Rest der Familie folgte am 10. Juli nach. Das dortige Amt registrierte „Abraham Isaak Isidor Alpern“ als „Handelsmann/Kassier“.1 In der Quadrate-Stadt wurden drei weitere Söhne geboren, von denen einer knapp 4-jährig starb. In den nun folgenden knapp elf Jahren sind 14 (!) Wohnungswechsel in Mannheim verzeichnet;2 die Familie war arm.3

In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg (vielleicht im Zuge der Bosnienkrise 1908) wurde Abraham Alpern noch zum österreichisch-ungarischen Militärdienst einberufen; auf einem Foto ist der hagere Mittdreißiger als einfacher Infanterist zu sehen, mit seinem Gewehr an der Seite.

Ab 30. April 1914 lebten die Alperns in Karlsruhe. Die erste bekannte Wohnadresse hier war für kurze Zeit Ludwig-Wilhelm-Straße 12, 3. Stock (2. OG), dann einige Häuser weiter Nr. 6. im 1. Obergeschoss. Ehepaar Alpern betrieb in der Waldhornstraße 7 einen kleinen Textilhandel und Wäscheversand auf Abzahlung. 1916 kam die jüngste Tochter zur Welt. Ab dem Adressbuch 1917 findet sich die Wohnung der Familie im 2. Stock (1. OG) des Hauses, das an einem Strahl des Karlsruher Fächers stand. (Das Haus wurde im Krieg zerstört).

Moses Alpern war der zweitjüngste von sieben Geschwistern, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten:

 Scheindel (Jenny), geboren 12. April 1897 in Horodenka4
 Nathan Naftali, geboren 23. November 1900 in Berlin5
 Leo Elieser, geboren 12. Februar 1903 in Berlin
 Michael, geboren 12. April 1904 in Mannheim, gest. 9. April 1908 ebenda
 Moses/Maurice (Moshe) Alpern geboren 24. März 1909 in Mannheim
 Jakob (Jaakov Israel), geboren 13. September 1910 in Mannheim
 Ruth (Ida Fanny), geboren 26. Juni 1916 in Karlsruhe.

Es gab in Karlsruhe noch Verwandte väterlicherseits aus der Bukowina, die zuvor auch (bis 1911) in Mannheim gewohnt hatten:
Abraham Isak, meist nur: Isak Alpern, geboren 1890 in Wiznitz, verheiratet mit Esther geborene Spielmann (geboren 1888), mit zwei Söhnen, von denen einer im Säuglingsalter starb. Isak Alpern war zunächst „Einkassierer“, bis Mitte der 1920er Jahre dann Mitinhaber der „Sack- und Rohproduktenhandlung Kerzner, Alpern, Weißmann & Co“, zuletzt in der Beiertheimer Allee.6 (Der Sohn Nathan Salman (Philippe) Alpern überlebte Auschwitz und starb 1968 in Frankreich.)

Isaks Schwester hieß Regina Ruchel, verheiratete Stiebel, geboren 1893 in Wiznitz.7 Sie wohnte mit Ehemann Nathan und sieben Kindern zunächst in Durlach, dann in der Wielandtstraße 30. Über die Familie gibt es eine Biografie im Gedenkbuch (bis auf eine Tochter kamen alle in der Nazizeit um).

Die Mutter von Regina und Isak war allem Anschein nach eine Schwester oder Cousine von Abraham Itzhak (Isidor) Alpern, also Moses' Tante väterlicherseits. Sie erscheint in den Akten als Chava (Eva)8 Yehudit Alpern,9 um 1870 in Wiznitz geboren. Der Vater der Kinder hieß Nathan Brenner. Die beiden scheinen nicht in Karlsruhe gelebt zu haben.

Moses ging ab etwa 1916 in Karlsruhe zur Schule, mit Sicherheit durchlief er auch eine ausgeprägt religiöse Erziehung, in einem privaten Cheder oder der orthodoxen Karlsruher Talmud-Tora-Schule, die auch den Kindern aus ärmeren Familien offen stand, da sie gemeinschaftlich finanziert war. Der Heranwachsende half daneben sicherlich bereits im elterlichen Geschäft.

Aus den frühen Jahren nach dem 1. Weltkrieg ist praktisch nichts über die Alperns überliefert. Am 19. September 1927 zeigte Moses den Tod des erst 57-jährigen Vaters an, der am 17. September in der Waldhornstraße 7 an einer Hals-Nasen-Ohren-Erkrankung verstorben war.10 Ein knappes Jahr später starb die erst 56-jährige Mutter, nämlich am 11. September 1928, im Städtischen Krankenhaus, an einem Herzleiden.11 Beide sind auf dem regulären Friedhof der Israelitischen Gemeinde an der Haid-und-Neu-Straße begraben.

Auf dem schön erhaltenen Grabstein des Vaters heißt es u.a., dass er, Sohn des sel. Ya'akov Israel, aufrichtig und arglos war, gerecht handelte und G'tt fürchtete alle seine Tage. Auf dem gleich gestalteten Stein der Mutter, Chana Rivka, Tochter des sel. Moshe Chaim, heißt es, dass sie eine angesehene, wohlerzogene, fromme und in ihrem Tun lautere Frau war.

Hier zeigt sich auch die aschkenasische Tradition, ein Kind nach einem verstorbenen Großelternteil zu benennen: Jakob und Moses Alpern hießen ganz offensichtlich nach ihren jeweiligen Großvätern.

Jakob Israel und Jette Alpern finden sich 1888 in einem polnischen Register in Wiznitz.12 Ein Adressbuch der Stadt von 1895 führt Jakob Israel (Jankel) Alpern als „Bauunternehmer“ auf und einen seiner Brüder, Juda Leib Alpern, als „Rohproduktenhändler“.13 Von Verwandten war zu erfahren, dass Itzhak (Eisik) Alpern, Jankels Sohn, mit Ruchel Szeine geborene Rath-Schäfer verheiratet war; sie hatten 14 Kinder.14

Der Lebensunterhalt
Im Sommer 1929 musste die elterliche Wohnung in der Waldhornstraße aufgegeben werden.15 Die nächste Generation betrieb bereits ein neues Wäschegeschäft („Gebrüder Alpern, Textil- und Wäscheversand“), und zwar in der Südweststadt, Gartenstraße. Dies taucht erstmals im Adressbuch 1927 (Stand Ende 1926) auf. Gegründet wurde das Geschäft wohl von Nathan und Leo, denn beide waren Mitte der 1920er in Karlsruhe, und Moses war 1926 noch minderjährig. Zunächst lag das Geschäft Hausnummer 36b parterre, dann ab etwa 1928 Hausnummer 1, 4. Stock (=3. Obergeschoss), direkt an der Kreuzung Garten- und Ritterstraße. Moses arbeitete dort mit; in der Sterbeurkunde seines Vaters wird er als „Handlungsreisender“ bezeichnet. Leo verließ offenbar bald darauf Karlsruhe und ging nach Mannheim,16 so dass Nathan alleiniger Chef gewesen sein muss.

Wäsche- und Tuchversand war noch Anfang des 20. Jahrhunderts eine stark expandierende Branche gewesen, da es inzwischen möglich war, z.B. auf Messen direkt von den Fabriken zu kaufen. Der neue Versandhandel arbeitete mit „Detailleuren“ oder „Reisenden“, die von Haus zu Haus gingen und ein eher bescheidenes Einkommen hatten. Viele dieser Vertreter oder Hausierer waren aus Osteuropa zugewanderte Juden. Auch der Handel mit gebrauchten Säcken (für Getreide und Mehl), mit Lumpen („Hadern“) zur Papierherstellung oder mit gebrauchten Kleidern, Möbeln und Hausrat („Trödel“) waren Geschäftszweige, in denen die „ostjüdischen“ Familien geduldet waren. Entsprechend betrieben einige solche Familien ihren (meist ambulanten) Kleinhandel vor allem in der Südstadt und im „Dörfle“, wo sie auch ihre eigenen Betstuben hatten.

Der Berliner Historiker Heinrich von Treitschke hatte schon 1879 gehetzt:
„Über unsere Ostgrenze [...] dringt Jahr für Jahr aus der unerschöpflichen polnischen Wiege eine Schaar strebsamer hosenverkaufender Jünglinge herein, deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen sollen“.17
So lassen sich mit Fantasien und Ängsten Stimmung machen, damals wie heute.

Die Alperns waren „frum“, d.h. das gerechte, gesetzestreue Leben in der Welt der Tora war prägend. Wenn kein Geld da ist, bleibt die Gewissheit: G'tt wird uns helfen. Solch eine Einstellung hat wenig gemein mit bürgerlichem Aufstiegswillen und Konkurrenzkampf.

Nur einige alteingesessene Familien hatten sich in Karlsruhe mit Ladengeschäften in der Textilbranche mehr oder weniger etablieren können: Der bekannteste Name war sicherlich – neben den Kaufhäusern Knopf und Tietz – bis zum 1. Weltkrieg das Karlsruher Konfektionshaus S. Model in der Kaiserstraße, Ecke Lammstraße. Ferner gab es u.a.:18

• Spiegel und Wels (Fabrik, Stofflager und Handel)
• Ornstein & Schwarz
• N. Breitbarth
• Josef Goldfarb
• Marx & Co
• E. Billig
• Blicker & Co.
• Dreyfuß & Siegel (Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen)
• Friedmann, Strauß & Sommer (Kleiderstoffe)
• Gärtner & Co (Kurzwaren)
• Gebrüder Hirsch (Tuche)
• Leipheimer & Mende (Manufakturwaren)
• A. Mahler & Söhne (Hadern- und Rohprodukten-Großhandlung)
• Moritz Veith Nachf. (Teppiche und Möbelstoffe)
• Vogel & Schnurmann (Hadernsortieranstalt und Kunstwollfabrik)
• Weiß und Kölsch (Kurz-, Weiß-, Wollwaren).

Hierunter waren kaum aus Osteuropa Zugewanderte vertreten.

Wirtschaftlich sehr erfolgreich war allenfalls die Juteindustrie.19 Die großen Vereinigten Jutespinnereien und -webereien in Mannheim und Hamburg sowie die AG für Seilindustrie vorm. Ferdinand Wolff in Mannheim hatten jüdische Vorstände, ebenso einige Spinnereien und Webereien der Leinenproduktion, oder auch die Streichgarnindustrie mit den Elsässisch-Badischen Wollfabriken AG. Der von jüdischen Inhabern geprägte Textilgroßhandel hatte eine Hochburg in der Lausitz (im heutigen östlichen Brandenburg) und in Berlin um den Hausvogteiplatz herum. Der florierende Einzelhandel in Textilien trat in Gestalt der Konfektionsabteilungen der Warenhäuser Israel, Jandorf, Knopf, Schocken, Tietz, Ury, Wertheim oder Wronker am markantesten in Erscheinung.

Die „Ostjuden“, in den Kreisen der Alteingesessenen eher fremd geblieben, spielten in den großen Betrieben aber kaum eine Rolle.

Ein kleiner Versand- und Hausierhandel wie der der Gebrüder Alpern konnte beim Einkauf keine großen Rabatte bekommen. Die Handelsspanne lag im Kreditzins, d.h. die Kundschaft war auch eher arm und stotterte das Geld ab. Wenn diese Kundschaft nicht (mehr) zahlte, blieb der Schaden an dem kleinen Geschäft hängen. In jedem Fall lebten die Brüder in bescheidenen Verhältnissen. Ab 1929/30 litt der Handel zudem allgemein an den Folgen der Weltwirtschaftskrise. Sogar die „Bank für Textilindustrie“ (Blumenstein-Konzern) der Gebrüder Simon in Berlin war im Gefolge der Krise 1931 zusammengebrochen.

Auswanderung nach Frankreich und Heirat
Anfang 1929 meldete sich Moses kurzzeitig nach Mannheim ab, wo er vermutlich bei der Familie des Bruders Leo wohnte. Schon am 6. April 1929 und bis 20. April war er wieder in Karlsruhe, Waldhornstraße 7, dann erneut abgemeldet nach Mannheim. Von 15. Juli bis 12. Aug. 1929 war er zurück in Karlsruhe, dieses Mal in der Gartenstraße 1, an der Geschäftsadresse der Geschwister. Nun meldete er sich ab nach Brückenau (Unterfranken), wo er bis 20. Oktober blieb. Von 21. Oktober 1929 an war er an der Adresse Mendelssohnplatz 3 II gemeldet, d.h. im Haus der zuvor erwähnten Verwandten aus Wiznitz. Ab Oktober 1930 wohnte Moses mit seinem Bruder Nathan in der Belfortstraße 7. Die häufigen Wechsel lassen sich als deutliches Armutsindiz lesen, und als vielfache Versuche, Fuß zu fassen.

Moses, der eigenen Angaben zufolge nie im Herkunftsland der Eltern gewesen war und kein Rumänisch sprach, stellte entsprechend im Jahr 1930 in Karlsruhe einen Einbürgerungsantrag.20 Diese Akte ist überliefert. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Niedergang der alten Donaumonarchie hatten demnach die Eltern die österreichisch-ungarische Staatsbürgerschaft gegen die rumänische tauschen müssen, und so auch ihre Kinder, sofern sie nicht inzwischen einen anderen Pass besaßen. Infolgedessen war Moses Alpern Rumäne! Er hatte ausschließlich in Karlsruhe die Schule besucht; er gab an, nun in Deutschland bleiben zu wollen. Er habe kein festes Einkommen, erhalte aber aus dem Wäscheversandgeschäft seines Bruders Nathan das Nötige zum Leben. Der Rabbiner der orthodoxen Austrittsgemeinde, Dr. Michalski, wurde um Referenzen gebeten und wusste nichts Negatives über den jungen Mann zu berichten. Er versicherte auch, die verstorbenen Eltern seien gute, rechtschaffene Leute gewesen.21

Nach einem zweiten erfolglosen Anlauf wurde die Einbürgerung abgelehnt, da es an einer gesicherten wirtschaftlichen Grundlage fehle. Gebühr: RM 3,10, das ist in etwa vergleichbar mit 25 € von 2010.22 Nun siedelte Moses Alpern am 4. Oktober 1931,23 kurze Zeit nach der Familie seiner Schwester Scheindel, nach Frankreich über.

Vorbeter und Religionslehrer
Vorübergehend lebte Moses (nun: Maurice) Alpern offenbar in Straßburg, dann arbeitete er als Lehrer und Vorbeter im elsässischen Pfaffenhofen dem heutigen Pfaffenhoffen, Département Bas-Rhin.24 Ein hochbetagter Zeitgenosse, André-Marc Haarscher (Straßburg) bestätigte dies, die gleiche Auskunft hatte auch der Autor Michel Rothé (Jerusalem) bei seinen Studien über das elsässische Judentum von einem älteren Mann erhalten.

In den ersten Jahren, vielleicht noch vor Antritt seines Kantorenamts, kam Moses Alpern wohl zeitweilig wieder zurück nach Karlsruhe, denn seine Brüder Nathan, Leo und Jakob waren ja noch im Badischen. Dafür spricht, dass die „Ausländerkartei“ im Stadtarchiv Mannheim, das Gedenkbuch des Bundesarchivs und der Internationale Suchdienst erst 1935 als Datum seiner Emigration nennen.

Jeanne, gebürtige Stern, geboren am 3. März 1909 im ungarischen Budapest, und der junge Kantor und Lehrer heirateten offenbar in den späteren 1930er Jahren. In Pfaffenhofen hatte Maurice Alpern nach Angaben eines Zeitzeugen noch alleine in einer Pension gewohnt.25 Als Jeanne Alperns Beruf wird später „Buchhalterin“ genannt,26 über sie war leider nichts Näheres in Erfahrung zu bringen. Sie mag auch Chana/Johanna geheißen haben und kann durchaus einer deutsch-jüdischen Familie entstammen, wie es viele in Ungarn gab.

Die Rolle des orthodoxen Vorbeters (Shaliach Tzibur) oder Kantors (Chasan), wie sie bei Moses Alpern anzunehmen ist, unterscheidet sich von der des akademisch ausgebildeten Kantors in der Tradition von Salomon Sulzer. Obwohl beide die aschkenasische Tradition und Aussprache pflegen und absolut textkundig sind, gibt es für den „Sulzer-Kantor“ auch eine formelle Gesangsausbildung. Ein „Oberkantor“ dieser Tradition ist auch Chorleiter und gibt nicht selten Konzerte. Ein modernes Beispiel dafür war Estrongo Nachama.
In orthodoxen Kreisen können dagegen oft einige der erwachsenen Männer aufgrund ihrer oft im Alter von drei oder vier Jahren begonnenen jüdischen Erziehung die Gebete in Synagoge oder Lehrhaus anleiten und verstehen sich von Kindesbeinen auf die komplexe Liturgie. Der orthodoxe „Chásen“ ist dabei oft – wie Moses Alpern – auch Religionslehrer, vielleicht auch Mohel (Beschneider), Sofer (Toraschreiber) oder Schochet (ritueller Schlachter). Das schließt natürlich nicht aus, dass es unter solchen Chasanim auch bedeutende Künstler gibt, der berühmteste war vielleicht Yossele Rosenblatt…

Der Kultus der Neoorthodoxie im Sinne des Samson Raphael Hirsch, wie ihn die Israelitische Religionsgesellschaft in Karlsruhe pflegte, auch „Frankfurter Minhag“ genannt, folgte dem süddeutschen, d.h. westaschkenasischen Ritus, der sehr traditionell ist. Es wird das Gebetbuch „Sfas Emes“ verwendet.27 Dieser Richtung hat Moses Alpern wohl angehört.

Davon unterscheidet sich der „polnische Minhag“, der Improvisation, Koloratur und gewisse Freiheiten zulässt und dessen Darbietung mitunter sehr emphatisch ist. In der Adlerstraße 38 gab es bis 1938 ein „polnisches“ Bes ha-Midresh, Betstube und Lehrhaus einiger strenggläubiger Familien aus Osteuropa.

Wie kann Maurice Alperns Arbeit ausgesehen haben? Er hatte in Pfaffenhofen das Amt des „Ministre-Officiant“ inne und war damit Kultusangestellter einer Gemeinde von vielleicht 150 Seelen. Er wird das Morgengebet (Schacharit) und Nachmittagsgebet (Mincha) geleitet haben. Am Schabbat und an den hohen Feiertagen kann ein G'ttesdienst mehr als zwei Stunden dauern. Dazu kamen üblicherweise Lehrvorträge (Schiurim/Midraschim) und am Abend oder sonntags Unterricht für die Kinder.

Bei seinem Bruder Leo zeigt sich eine Parallele: Er arbeitete in den Jahren nach 1938 in England als „hazzan and caretaker in a shul“.28 Ähnlich war es bei Joseph und Jakob Altmann aus Karlsruhe, den Söhnen des 1932 verstorbenen Gemeindevorstehers der Israelitischen Religionsgesellschaft, Maier ha-Cohen Altmann. Sie waren beide als Vorbeter tätig.29

Verfolgung
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Norden Frankreichs und der deutschen Annexion von Elsass-Lothringen im Sommer 1940 flüchteten Maurice Alpern und seine Frau offenbar Richtung Süden. Der Ort Rouffach nicht weit von Colmar wird genannt,30 auch in Clairvaux-les-Lacs (Departement Jura) war das Ehepaar gemeldet, dort übte Maurice Alpern offenbar auch sein Amt als Vorbeter aus.
Eine Liste des Admoniers Auxiliaires Proposés vom 27. August 1942 erwähnt Maurice Alpern als „Aushilfsgeistlichen“ in Clairevaux/Jura neben den bereits internierten Jacob Altmann (Noé Baraque 85), Joseph Altmann (Camp de Rivesaltes), Leo Ansbacher (Gurs B/1), Ernst Steckelmacher (Récébédou, Pavillon 4 Infirmerie) und einigen Dutzend weiteren.

Im Hauptort des Departements Jura, Lons-le-Saunier, wurde Maurice – ohne seine Frau – in der zweiten Februarhälfte 1943 verhaftet und im Lager Gurs nahe den Pyrenäen interniert.31

2.000 arbeitsfähige jüdische Männer, dem Befehl zufolge „Ausländer“ und Staatenlose im Alter zwischen 16 und 65, wurden in Razzien aus Wohnungen und Arbeitsstätten geholt und abtransportiert. Diese Verhaftungswelle war von der Nazi-Besatzungsmacht als Vergeltung für ein tödliches Attentat auf zwei deutsche Luftwaffenoffiziere angeordnet worden. In Gurs wurden nun 975 dieser Männer zusammengestellt, ohne Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand, ohne Rücksicht auf Angehörige.

Am 26. Februar wurde Maurice Alpern mit den anderen Verhafteten bei winterlichen Temperaturen in das etwa 800 km entfernte, damals noch unter französischer Aufsicht stehende Sammellager Drancy bei Paris gebracht.

Auf einer dort am 2. März aufgestellten Liste der aus Gurs Eingetroffenen steht:
No 13: Alpern, Maurice. 24.3.09 Manheim. Polonais. Clairvaux-les-Lacs. Ministre Officiant.

Der Deportationszug mit 1.000 Menschen verließ am 4. März 1943 den dortigen Bahnhof Le Bourget Richtung „Cholm“, wie die Naziverwaltung nach Berlin meldete. Das kann heißen: Chelm bei Lublin.32 Überlebende des Transports berichteten, dass er nach Majdanek, einem Vorort von Lublin führte. Das Weitere ist nicht vollständig aufgeklärt. Serge Klarsfeld hat dargestellt, dass ein Teil der Deportierten unterwegs ausgeladen und im Vernichtungslager Sobibor vergast wurde, ein weiterer Teil zur Sklavenarbeit in das KZ Lublin-Majdanek kam und am 11. Juli des Jahres nach Auschwitz-Birkenau weiter verlegt wurde.33 So muss der 34-jährige Moses Alpern in einer dieser infamen Einrichtungen umgekommen sein.

Seine fast gleichaltrige Frau Jeanne wurde am 26. November 1943 in Lons-le-Saunier verhaftet, am nächsten Tag gelangte sie nach Drancy und wurde am 7. Dezember 1943 mit Transport Nr. 64 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Auf der Deportationsliste ist Jeanne Alpern mit der in Drancy vergebenen Häftlingsnummer 9493 aufgeführt.34 Der Gefangenenzug, in dem sich zu etwa einem Drittel Deportierte aus Italien und auch die 8-jährige Doris Kirchheimer aus Karlsruhe befanden, traf dort am 10. Dezember ein. Von den Frauen dieses Transports wurden 72 in Auschwitz zur Arbeit ins Lager eingewiesen, die übrigen sofort ermordet. Unter den insgesamt etwa 50 nach 1945 festgestellten Überlebenden des Transports sind nur zwei Frauen bekannt. Jeanne Alpern ist nicht zurückgekehrt.

Auf dem Cimetière Juive in Ettendorf nahe Pfaffenhoffen steht ein Gedenkstein, „A nos braves, nos martyrs, nos victimes 1939-1945“. Unter den Namen aus Pfaffenhofen sind Maurice und Jeanne Alpern genannt.

Die Familien der Geschwister
Die älteste Schwester Scheindel war seit 1917 verheiratet mit Jakob Fleischer aus dem galizischen Tarnobrzeg. Sie war Hausfrau und Mutter. Mit ihrem Mann und den Kindern Leo Max (geboren 2. Juli 1917 in Zürich, später verheiratet mit Maria geboren Silberstein), Frida Ida (geboren 10. Oktober 1919 in Karlsruhe, später verheiratet mit Samy Schönbach), Oskar Hermann (geboren 16. Juni 1927, später Zvi Lajisch) und Adolf André (geboren 23. November 1928 in Karlsruhe) verließ sie im August 1931 Deutschland nach dem nordfranzösischen Sedan nahe der belgischen und luxemburgischen Grenze.
Bald kamen noch zwei Töchter zur Welt: Chana (geboren 2. November 1931 in Sedan, später verheiratete Auerbach) und Rachel (geboren 3. September 1933, später verheiratet mit Ze'ev Eshkolot).
Der Vater, Jakob Fleischer, wurde Anfang 1943 in La Bastide d'Anjou verhaftet und gelangte über das Transitlager Drancy im März 1943 mit Transport 51 in das KZ Lublin-Majdanek. Wie sein Schwager Moses, den er vielleicht in der Deportation noch einmal sah, wurde er ermordet. Der älteste Sohn Leo Max war bereits im August 1942 mit Transport 21 nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden und umgekommen. Sein jüngerer Bruder Adolf (André) fiel ebenfalls dem Holocaust zum Opfer, die näheren Umstände sind unklar. Laut Gedenkblatt eines Verwandten in YadvaShem wurde er 1941 im südfranzösischen Lasbordes (Aude) ermordet.
Scheindel Fleischer, drei Töchter und der Sohn Oskar Zvi überlebten und konnten nach Kriegsende nach Palästina auswandern.

Der älteste Bruder Nathan heiratete 1925 Leah („Buby“) Gudermann, zunächst rituell im tschechischen Eger,35 dann 1927 auch standesamtlich in Karlsruhe. Die Ehefrau war am 16. Dezember 1902 in Jerusalem, damals Teil des Osmanischen Reichs, geboren worden. Die beiden Söhnen Josua Jehuda (geboren 25. Februar 1927) und Adolf Isidor Abraham, (geboren 9. August 1930) kamen in Karlsruhe zur Welt. Nathan Alpern wird von einem Enkel als strenger, energischer Mann beschrieben.36
Im Herbst 1932 wohnte die Familie in der Südstadt, Schützenstraße 7 im 1. Obergeschoss. 1933/34 wanderten die Vier das erste Mal aus und lebten im niederländischen Diemen.38 Ab März 1934 waren sie zurück in Mannheim, dann aber auch wieder in Karlsruhe, da der Vater, gebürtiger Berliner, im Oktober 1938 als „polnischer“ Jude aus Karlsruhe nach Zbaszyn an der deutsch-polnischen Grenze abgeschoben wurde. Mit der so genannten „Polen-Aktion“ deportierten die deutschen Behörden rigoros 1919 zu polnischen Staatsangehörigen Erklärte jüdischer Konfession, deren Pässe der polnische Staat nicht verlängert hatte. Staatenlos bedeutete nun vor allem: rechtlos. Mutter und Söhne blieben zunächst in der Karlsruher Kronenstraße 27 zurück und wurden Zeugen der Pogromnacht am 9./10. November, in der die Synagoge in der Kronenstraße im Innern zerstört, die in der Karl-Friedrich-Straße total verbrannt und die Betstuben verwüstet wurden.39 Unter der Führung organisierter brauner Randalierer wurden dabei Bücher und Ritualien auf Scheiterhaufen geworfen und nicht wenige Wohnungen und Geschäfte demoliert und geplündert, die angetroffenen Menschen verprügelt.

Nathan gelang am 22. Dezember 1938 die Ausreise aus Polen nach Basel, wo er Ehefrau und Kinder, die mit Unterstützung seines Bruders Moses (wie sein Großneffe berichtet) dort hingekommen waren,40 gesund wiedersah. Letztlich konnte die Familie, nachdem Nathan auch noch denunziert, verhaftet, wieder nach Lörrach abgeschoben und von Verwandten mit hohem Lösegeld freigekauft worden war, im Mai 1939 mit dem Vater nach North Adams, Massachusetts (USA) emigrieren. Leas Schwester war die Ehefrau des dortigen Rabbiners. Später lebten die Alperns in Pittsfield, Massachusetts. Nathan Alpern starb 1977.41
Der ältere Sohn, Josua Yehuda („Josh“) studierte in den USA und schloss 1956 als Doktor der Medizin ab.42 Er heiratete seine Kusine Rony. 1988 kam er zum 50. Jahrestag der Pogromnacht zu Besuch nach Karlsruhe. Er starb 1997 und ist im israelischen Netanya begraben. Ein Sohn von ihm ist Manager im Mediensektor in USA. Sein jüngerer Bruder Abraham Isidor („Abe“), der seinen Vorname „Adolf“ bei der Einwanderung in die USA tilgen ließ, ging in den USA zur Schule, heiratete und wandte sich von der Religion der Väter ab; erst später erwog er eine Ausbildung zum Kantor. 1988 kam er ebenfalls zur Reunion nach Karlsruhe. Er hatte vier Kinder und ist wie sein Bruder inzwischen verstorben. Ein 1950 geborener Sohn ist heute Rabbiner im Staat New York.

Der zweitälteste Bruder, Leo Elieser, war seit den späten 1920er Jahren verheiratet mit Adele (Eidel) geborene Antmann, geboren am 9. Juni 1903 in Breslau und aufgewachsen in Zürich. Die Familie lebte um 1926/27 in Karlsruhe, um 1930 in Mannheim. Um 1931 war der Lebensmittelpunkt der Familie in Emmendingen und ab 1935 in Freiburg. Leo Alpern wird von seinem Sohn als sehr strenger, immer besorgter und gewissenhafter Mensch beschrieben.43

Vater, Mutter und die vier Kinder – Heinrich Chanoch Moshe, geboren 1931 in Endingen (Schweiz); Anita Chana Rivka, geb. 1933; Sonja Sossna Rajsel, geb. 1935; und Irene Jitta Frimet, geb. 1937 – wurden im Oktober 1938 von Freiburg nach Zbaszyn an der deutsch-polnischen Grenze verschleppt. Dort kamen sie in einer Art Scheune unter. Dem Sohn ist in Erinnerung geblieben, wie einmal von einem Pferdefuhrwerk herab Brötchen und gekochte Eier ausgegeben wurden. Nach anfänglich katastrophalen Zuständen hatte bekanntermaßen u.a. der amerikanische „Joint“ (American Jewish Joint Distribution Committee) humanitäre Hilfe organisiert. Heinrich, Sonja und Anita wurden nach Warschau geschickt und bestiegen dort im Februar 1939 mit einer großen Kindergruppe den Zug zum Hafen Gdynia, um per „Kindertransport“ nach England auszureisen.

Den Eltern war es während dessen gelungen, in England Stellen als Hauspersonal zu finden.44 Es grenzt an ein Wunder, dass die beiden mit dem Baby Irene nun auf dem Weg zum Schiff überraschend im selben Zug mit ihren anderen drei Kindern wieder zusammenkamen.

Sie lebten zunächst in Torquay, später in Bournemouth. Der Vater war zunächst wieder als ambulanter Händler auf Abzahlungsbasis tätig, daneben (wie erwähnt) als Schammesch und Kantor, zuletzt war er Vorbeter in einem jüdischen Blindenheim.45 Ein weiterer Sohn, Elliot Efraim Zvi, wurde in England geboren. Leo Alpern starb 1986 in Bournemouth. Sein Sohn Henry besuchte 2010 in Karlsruhe die Gräber seiner Großeltern.

Der jüngere Bruder Jakob besuchte die Volksschule in Karlsruhe bis Ostern 1925, dann die Städtische Handelsschule bis Ostern 1928.46 Er wohnte erst bei den Eltern in der Waldhornstraße 7, nach deren Tod 1927/1928 in verschiedenen Zimmern, u.a. in der Akademiestraße 22. Die kaufmännische Lehre bei der Eisengroßhandlung Ettlinger & Wormser musste er wegen Auflösung der Firma 1929 abbrechen, dann war er Milchausträger und Arbeiter in der Matzenfabrik Liebmann Strauss, zeitweilig auch arbeitslos. Zwischendurch machte Jakob acht Monate Hachschara, d.h. landwirtschaftliche Umschulung im Schwarzwald. Von Herbst 1932 bis November 1933 war er Expedient beim Warenhaus Tietz, wo ihm allerdings „aus rassischen Gründen“ gekündigt wurde. Im März 1934 konnte er mit Hilfe der zionistischen Organisation Hechaluz nach Palästina auswandern, wo er den Unterhalt seiner Familie als Plantagenarbeiter und Zeitungsausträger in Tel Aviv bestritt. Sein Neffe beschreibt ihn als sanftmütigen, stillen Menschen, der ungeachtet einer angeborenen Rückgratverkrümmung hilfsbereit und tüchtig gewesen sei. Er war verheiratet mit Sofie geborene Gelbgiesser; der Ehe entstammt die erwähnte Tochter Rony, geboren 1941 in Tel Aviv.

Die jüngste Schwester Ruth wuchs in Karlsruhe auf, wohnte offenbar um 1930 bei ihrem Bruder Leo in Mannheim und ging später nach München, wo sie als Modistin gearbeitet haben soll.47 Über sie ist leider sehr wenig bekannt. Sie überlebte die Naziverfolgung. Es ist ein Reisepassantrag für die Alijah von ihr überliefert; 1936 wanderte sie mit ihrem Mann Dan Werner (später Bar-Ner) nach Eretz Israel ein. Die beiden gehörten zur jüdischen Jugendbewegung und zu den Pionieren von Hasorea, dem hauptsächlich von Frauen und Männern aus Deutschland gegründeten Kibbuz am Rande des Karmel-Gebirges. 1988 lebte Ruth Bar-Ner in der Hafenstadt Haifa und ist inzwischen verstorben.

Heimat?
So sind die Familien Alpern, für die ein Vierteljahrhundert lang Karlsruhe ein Stück Heimat bedeutet haben mag, heute über die halbe Welt verstreut, vor allem in Frankreich, England und den USA.

Alpern (wie „Halpern“, „Heilprin“, „Heilborn“) verweist als Herkunftsname auf die fränkische Stadt Heilbronn. Auch auf deren heutige Stadtteile Sontheim und Horkheim gehen bekannte Familiennamen zurück, wie sie im frühen 19. Jahrhundert gebildet wurden.

In Heilbronn ist bereits seit dem hohen Mittelalter jüdisches Leben nachweisbar. Das Stadtarchiv Heilbronn bewahrt einen Stein aus dem 11. Jahrhundert mit dem Inschriftfragment: נתן הפרנס (Natan ha-Parnass, „Nathan der Gemeindevorsteher“).48

(Christoph Kalisch, Januar 2011)


Anmerkungen:
[1] Auskunft zu Jakob Alpern *1910, Stadtarchiv Mannheim September 2010.
[2] Ebenda zu Isidor Alpern *1869.
[3] Auskunft Henry Alpern 2010.
[4] JewishGen JRI Poland und Einbürgerungsakte Stadtarchiv Karlsruhe (StadtAK) 6/BZA 3831 Fleischer, Jakob.
[5] Datum 1900 so auch in IST Transportlisten Gestapo Karlsruhe, Ordner 26, S. 8, in STAK 8/StS 34/136.
[6] StadtAK 1/BOA 298. Sein Kompagnon Hermann Weißmann war ein Neffe von Isaks Frau Esther.
[7] Angabe der Tochter Yehudit Friedler-Stiebel im Gedenkblatt in YadvaShem, 1999.
[8] StadtAK 6/BZA 937.
[9] Yehudit in Gedenkblatt Y. Friedler.
[10] Sterberegister Stadtarchiv Karlsruhe.
[11] Angaben von Dr. Johanna Maas in GLA 480/21321.
[12] Jewish Records Indexing Poland, Kolomiya Marriage Records 1888.
[13] Ippen's Provinz-Adressbuch. Bezirk Wiznitz, 1895, dort auch vermerkt: „Bauunternehmer“ Jankel Alpern und ein Holzhändler namens Neche Alpern. Zusammenhang unklar.
[14] Hinweis Henry Alpern und JRI Poland, Kolomiya s.o.
[15] Sein Bruder Jakob erwähnt Auflösung der Wohnung nach dem Tod der Eltern, vgl. GLA 480/21321.
[16] Lt. Stadtarchiv Mannheim wohnte Leo Alpern um 1930 in D7, 15.
[17] Heinrich von Treitschke in: Preußische Jahrbücher, Bd 44 (1879), S. 572 f.
[18] Laut Mitgliederverzeichnis des Zentralverbands 1920/25, vgl. Toury/Toury/Zimmermann: Jüdische Textilunternehmer in Baden-Württemberg 1683-1938.
[19] Ernst Landsberg: Die Juden in der Textilindustrie. In: Der Morgen, Jg. 3, 1925, H. 1, S. 99-113.
[20] StadtAK6/BZA 938.
[21] StadtAK 6/BZA 937.
[22] StadtAK 6/BZA 938.
[23] So die Liste des aumôniers auxiliaires proposés vom 27.8.1942 (Klarsfeld), einem Dokument der „Federation des Societés Juives en France, Juifs Etrangér, Zone Libre“.
[24] Vgl. Memorbuch: http://www.deathcamps.org/reinhard/memorbook.html. Michel Rothé teilte in einer Mail vom 22.7.10 mit, ein alter Mann der ihn kannte habe das bestätigt, Moshe/Maurice sei Kantor in Pf. Gewesen.
[25] Mitteilung Jean-Marc Haarscher (Strasbourg), 2010.
[26] Deportationsliste http://mms.pegasis.fr/jsp/media/MmsMediaDetailPopup.jsp?mediaid=2543 .
[27] http://www.talmud.de/cms/Siddur_Sefat_Emet.97.0.html.
[28] http://www.thechabadcenter.org/templates/blog/default_cdo/aid/840562/jewish/Chabad-Family-Blog.htm .
[29] Vgl. Beitrag von W. Strauß im Gedenkbuch und zu Maier Altmann vgl. Der Israelit, 10. März 1932, S. 7.
[30] GLA 480/30389: Jeanne Stern in Ruffey/Indre; Gutman, Memorbuch (2005): Rouffac, vgl. auch http://www.ajpn.org/commune-Rouffach-68287.html .
[31] So IST bzw. seine Schwester Scheindel Fleischer 1958, GLA 480/29915.
[32] Klarsfeld: Memorial to the Jews Deported from France 1942-1944. New York 1983. p. 392 ff.
[33] Ebenda, p. 396.
[34] http://mms.pegasis.fr/jsp/media/MmsMediaDetailPopup.jsp?mediaid=2543 .
[35] GLA 480/27182.
[36] Rabbi Alpern (USA).
[37] Adressbuch Karlsruhe 1933.
[38] GLA 480/27182.
[39] http://rabbialpern.com/adolf/prison.html .
[40] http://rabbialpern.com/adolf/prison.html ;Abraham Alpern erzählte seinem Sohn Rabbi Laurence Maurice Alpern zufolge:“We were secreted into France and your namesake Maurice (Moshe) saved us.“
[41] Angabe Rabbi Laurence Maurice Alpern, August 2010.
[42] GLA 480/27182.
[43] Bericht Henry Alpern, November 2010.
[44] http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wenn-von-der-heimat-nichts-bleibt--11582121.html .
[45] http://www.thechabadcenter.org/templates/blog/default_cdo/aid/840562/jewish/Chabad-Family-Blog.htm
[46] GLA 480/21321.
[47] Jewish Records Indexing: Polish Aliyah Passports.
[48] Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg. Stuttgart 1988, S. 206.