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Clara Neumann, 1938. Porträt in Reisepassantrag für die Schweiz (Foto: GLA)

Personendaten

Clara Neumann

Nachname: Neumann
geborene: Kahn
Vorname: Clara
Geburtsdatum: 2. Juli 1874
Geburtsort: Mannheim (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Verwandtschaftsverhältnis: Ehefrau von Leopold N.;

Mutter von Martha Therese und Dr. Konrad
Adresse: Bismarckstr. 73
1940: Nördliche Hildapromenade 3
Beruf: Hausfrau
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
Sterbedatum: 9. November 1940
Sterbeort: Gurs (Frankreich)

Biographie

Eine Erinnerung an eine Familie des gesellschaftlichen Lebens der Stadt
Clara und Leopold Neumann

1959 würdigte Oberbürgermeister Günther Klotz in einem Nachruf den am 3. August 1959 mit 89 Jahren in Karlsruhe verstorbenen Leopold Neumann für dessen „demokratische Haltung und ausgleichendes Wesen“ als früherer Landtagsabgeordneter, Stadtverordneter und Firmenchef des Traditionsunternehmens L.J. Ettlinger. Der Witwe, so schrieb es die Lokalzeitung Badische Neueste Nachrichten, galt Klotz’ herzliche Teilnahme.
Wenige der Lesenden dürften gewusst haben, dass es vollständiger hätte heißen müssen, zweite Ehefrau, und dass Leopold Neumann selbst Witwer war, war er doch in erster Ehe verheiratet mit der 1940 deportierten und im Lager Gurs verstorbenen Clara Neumann, geborene Kahn. Sie war wie Leopold Neumann jüdischer Konfession.

Clara Neumann war die Tochter von Dr. med. Joseph Kahn (1834-1895) in Mannheim und dessen zweiter Ehefrau Fanny Kahn, geborene Ettlinger aus Karlsruhe (1843-1912), wo sie auch aufwuchs, in F2, 5. Sie hatte zwei Halbschwestern aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Friederike, geborene Blumenthal aus Frankfurt a.M. (1843-1871) sowie eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. Über ihre Kindheit und Jugend wissen wir nichts. Es sind jedoch gutbürgerliche Lebensumstände anzunehmen, der Vater hatte zusammen mit dem Frauenarzt Dr. Max Leo Besinger eine Gemeinschaftspraxis. Erst nach ihrer Eheschließung in Mannheim 1901 mit Leopold Neumann wird das Leben der Familie greifbarer. Allerdings bleibt sie selbst fast nur durch den Lebens- und Werdegang ihres Ehemannes fassbar, da zu ihr selbst kaum Erinnerungen vorliegen.

Leopold Neumann war am 24. Dezember 1869 in Konstanz als Sohn von Bernhard und Toni, geborene Ettlinger, geboren. Die Mutter stammte aus Karlsruhe und war eines von insgesamt acht Kindern von Lazarus Joseph Ettlinger und Therese Homburger, von denen allerdings drei bereits im Kleinkindalter verstarben und eines mit 17 Jahren. Lazarus J. Ettlinger hatte 1832 in Karlsruhe die Eisenhandlung L.J. Ettlinger begründet, ein Karlsruher Traditionsunternehmen.
Nach Leopold Neumanns Besuch der Grundschule und Wechsel auf das Gymnasium in Konstanz ging die Familie um 1884 nach Karlsruhe, als Vater Bernhard Neumann in die Firmenleitung von L.J. Ettlinger einstieg. Sie wohnte bis zuletzt am Schlossplatz. Leopold Neumann besuchte zunächst weiter das Gymnasium. Er verließ es aber schon nach der Obertertia (9. Klasse), um der Familientradition folgend kaufmännisch tätig zu werden und absolvierte eine Ausbildung. Von vornherein sollte er eine führende Rolle im Familienunternehmen übernehmen, das nach dem Tod des Gründers Lazarus Joseph Ettlinger 1869 von dessen beiden Söhnen Leopold und Theodor fortgeführt worden war; drei andere waren bereits früh verstorben. Unter ihrer Führung, besonders der von Leopold Ettlinger, sollte es zu einem führenden Unternehmen der Branche werden und erhielt weit über Karlsruhe hinaus Bedeutung und einen guten Ruf.
So erhielt Leopold Neumann eine fundierte, höhere Qualifikation, besuchte 1886 bis 1888 die Handelshochschule in Berlin, ging dann ins Ausland und war 1890 bis 1892 am renommierten Gresham College in London eingeschrieben. Somit verfügte er über akademische Bildung, die ihm beruflich einmal sehr zugute kommen sollte. Außerdem setzte er sie auch ein, indem er selbst an der Karlsruher Technischen Hochschule seit 1906 Handelshochschulkurse anbot.
1897 trat Leopold Neumann als Teilhaber bei „L.J.E.“ ein, wie sich die Firma fast schon modern anmutend spätestens seit 1916 auch selbst bezeichnete und damit gleichfalls bekannt war. Damit war die dritte Generation in die Firmenleitung gerückt. Neben Leopold Ettlinger, dem Sohn des Firmengründers, und Bernhard Neumann sowie Leopold Neumann war mit dem zeitgleich eingeführten Martin Elsas die Führung komplett. Elsas war der Ehemann einer Tochter Leopold Ettlingers. So blieb die Firma stets ein Familienunternehmen. Sie hatte ihren traditionellen Sitz in der Kaiserstraße, Ecke Kronenstraße, wo sich das Kontor befand und von Beginn ein Ladengeschäft mit Eisenwaren des täglichen Bedarfs bestand. Daneben hatte die Firma im Rheinhafen auf einem ausgedehnten Grundstück an der Hochbahnstraße und später Hansastraße expandiert, wo sie ein Lager als Zulieferer sowohl für Schwerindustrie wie für den kleinen Handwerksbetrieb hatte.

Privat schien sich nach der Heirat von Leopold und Clara Neumann alles bilderbuchmäßig zu entwickeln. Schon am 4. Juni 1902 wurde Tochter Martha Therese in Karlsruhe geboren, am 21. Juli 1904 folgte Sohn Konrad. Damit war die Familie komplett. Während Leopolds Status durch die Firmenleitung bestimmt war, spiegelt der von Clara Neumann als „Hausfrau“ nur wenig von ihrer Persönlichkeit wider. Das Privatleben der Familie bleibt unbekannt, eher belegen lässt sich ihr religiöses, soziales und gesellschaftliches Engagement. Beide Eheleute engagierten sich im jüdischen Wohlfahrtsvereinswesen. Er im Israelitischen Männerkrankenverein und im Verein Friedrichsheim Gailingen, erstes und landesweites jüdisches Altenheim in Baden, sie im Israelitischen Frauenverein samt Nebenorganisationen. Überhaupt war Leopold Neumann im jüdischen Leben verankert. So vertrat er als Abgeordneter der Landessynode seit 1929 mehrmals den Synagogenbezirk Karlsruhe.
Darüber hinaus war er gesellschaftspolitisch aktiv. Schon Leopold Ettlinger hatte berufliche Stellung und Politik miteinander verbunden, war neben jahrzehntelanger Verbandstätigkeit in der lokalen Wirtschaft von 1889 bis zu seinem Tod 1912 Stadtverordneter. Auch Leopold Neumann betätigte sich politisch. Seit 1914 war er Mitglied im Bürgerausschuss, bis 1922 Stadtverordneter. Er schloss sich den Liberalen an, wurde schließlich Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Für diese rückte er sogar im April 1932 in den Badischen Landtag nach. Beendet wurde dieses Amt mit der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten kaum ein Jahr später.

Von 1914 bis 1918 war Leopold Neumann Soldat, war vor allem in Frankreich eingesetzt, wurde mit dem Eisernen Kreuz und dem Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen ausgezeichnet. Seine Einstellung zum Krieg kennen wir nicht, dürfen jedoch vermuten, dass er sich ganz seiner kriegführenden Nation verbunden fühlte. Auch Clara Neumann gab sich in dieser Zeit der „patriotischen Vaterlandsliebe“ hin, leistete offensichtlich wie viele Frauen ihres Standes freiwillige Dienste in den Heimatlazaretten. „Ich war im Felde“, schrieb Leopold Neumann dazu später, „sie hat bis an die Grenzen ihrer Kraft Verwundete gepflegt.“ Dafür erhielt Clara Neumann das badische Kriegshilfekreuz.


Die Kinder Martha Theresa und Konrad:
Die Entwicklung Martha Theresas bleibt mangels aussagekräftiger Belege nicht nachvollziehbar. Sie absolvierte nach der Schule eine höhere kaufmännische Ausbildung, die sie mit dem Diplom abschloss. Sie blieb alleinstehend und zog nach Berlin, wo sie sich in Charlottenburg in der Sybelstraße 14 einrichtete. Ihr gelang rechtzeitig die Emigration nach England, London.
Der zwei Jahre jüngere Konrad besuchte das Bismarck-Gymnasium, wo er 1923 das Abitur erwarb. Danach schrieb er sich an der Technischen Hochschule Karlsruhe im Fach Maschinenbau ein. Das passte zum Geschäftszweig der Firma Ettlinger und lässt vermuten, dass der Einstieg geplant war. Doch Konrad wandte sich dann der Jurisprudenz zu, studierte an den Universitäten Heidelberg und Berlin, legte 1927 seine Erste juristische Staatsprüfung mit "gut" ab und begann das sich anschließende Referendariat. Von diesem ließ er sich 1928 beurlauben, um an das Institut für ausländisches Recht der Universität Heidelberg zu gehen, dort promovierte er auch. Danach war er zunächst einmal im väterlichen Geschäft tätig. 1931 ging er daran, seine juristische Ausbildung abzuschließen, und nahm das dafür notwendige Referendariat wieder auf. Er gab später an, dass sein berufliches Ziel der Staatsdienst gewesen sei und er ein Richteramt angestrebt habe. Ziemlich zeitgleich, am 26. Juli 1931, verheiratete er sich mit der 1902 in Esensham geborenen protestantischen Dr. phil. Hedwig Tönniessen. Wahrscheinlich lernten sich die beiden in Heidelberg während der Studienzeit kennen. Am 28. Oktober 1934 wurde der gemeinsame Sohn Michael in Heidelberg geboren. 1933 kurz vor dem Ende seiner juristischen Vorbereitungszeit, als er gerade in der Sozietät des bekannten Rechtsanwaltes Eduard Dietz, Verfasser der Badischen Verfassung von 1919, mit Kollegen Karl Kirchenbauer und Kurt Sickinger war, wurde mit dem NS-Gesetz zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" seine Ausbildung jäh abgebrochen. Konrad Neumann konnte die Zweite juristische Staatsprüfung nicht mehr ablegen. So stieg er wieder bei L.J. Ettlinger ein und bekam 1935 die Prokura. Offensichtlich reiste er geschäftlich viel in die Schweiz, nach Elsass-Lothringen, Belgien und sogar nach Skandinavien. Mit der „Arisierung“ der Firma aber fiel die Lebensgrundlage von Konrad Neumann und seiner Frau weg. Sie betrieben zielstrebig die Auswanderung aus dem Deutschen Reich. Noch vor der Reichspogromnacht beantragten sie alle Papiere, um nach Australien zu gehen, hatten dazu die offizielle australische Erlaubnis vom 21. Oktober 1938 und bestellten daraufhin am 4. November ihre Schiffstickets. Nach der Reichspogromnacht wurde Konrad Neumann wie hunderte andere jüdische Männer aber am 10. November verhaftet und in das KZ Dachau verbracht. Hedwig Neumann stellte sofort am 11. November 1938 ein Gesuch an die Gestapo auf Entlassung, da sie auf die geplante Emigration verweisen konnte. Konrad Neumann wurde am 20. November 1938 aus Dachau entlassen. Die beiden begaben sich nach England und bestiegen am 31. Dezember 1939 die „Duchess of Bedford“ mit Zielhafen Sydney.


Pass-Bemühungen
Clara Neumann beantragte am 1. Juni 1938 einen Auslandspass, da sie zu ihrem Schwager, der Arzt war, nach Zürich fahren wollte. Sie war krank, litt an einer Gallenblasen- und Leberentzündung. Am 20.6.1938 wurde der Pass ausgestellt. Leopold Neumann hatte bereits am 22. April 1938 einen Antrag auf Ausstellung eines gemeinsamen Passes für sich und Clara gestellt, der dann am 23. Mai 1938 nur auf ihn ausgestellt wurde. Dabei schrieb er: „Ich habe weder die Absicht noch Möglichkeit auszuwandern.“ Als er im Mai 1939 die Verlängerung beantragte, gerade auch für die Reisen in das Ausland, die bisher wohl zumeist Sohn Konrad getätigt hatte, wurde ihm dies vom Polizeipräsidium verweigert, zuvor hatte auch die Industrie- und Handelskammer widersprochen. Zum Hintergrund unten mehr.
Warum haben Clara und Leopold Deutschland noch 1938 nicht verlassen?
Ist er nicht ausgereist, weil er noch die Geschäfte abwickeln wollte? Ist sie nicht ausgereist, weil sie ohne ihn nicht gehen wollte? Hatten sie keine Chance zu ihren Verwandten in die Schweiz einzureisen? Oder dachten sie gar nicht daran, Deutschland zu verlassen?


„Arisierung“ von L.J. Ettlinger KG
Als jüdische Firma geriet L.J. Ettlinger seit 1933 unter Druck, andererseits gehörte sie zu den devisenbringenden sowie rohstoffwichtigen Betrieben im Reich und konnte damit ihre Existenz behaupten. Sie umfasste 1938 im April ca. 56 Beschäftigte, davon 8 „nicht-arische“. Dem Druck zur „Arisierung“ aber konnte das Familienunternehmen nicht mehr standhalten, so dass zu den 5 Familiengesellschaftern 1934 die Süddeutsche Revisions- und Treuhandgesellschaft mit einstieg. 1938 begannen die Veräußerungsverhandlungen mit der „Montangesellschaft Saar mbH“, die im Sommer 1938 zur Auszahlung der Familien-Kommanditisten führte. Die neuen Eigentümer führten das Unternehmen unter ihrem eigenen Firmennamen fort. Leopold Neumann und seinem Prokuristen Paul Theodor Elsas gelang es dabei vertraglich sogar, den Firmennamen Ettlinger aufrechtzuerhalten, indem sie selbst bzw. Elsas’ Sohn Martin ab dem 28. Juni 1938 als die beiden Gesellschafter die Firma L.J. Ettlinger OHG führten, die vertragsgemäß noch 2 Jahre existieren sollte. Diese Firma hatte mit dem Traditionsunternehmen außer dem Namen nicht mehr viel gemeinsam, Geschäftsgrundlage ohne eigentliches Büro- und Firmengebäude war allein der Metall-Export. Daran hatte auch das Regime aus Gründen der Devisen Interesse. Die Industrie- und Handelskammer aber wachte scharf darauf, dass dieses Geschäft auch „nützlich“ war. Als die Geschäfte 1939 mit ca. 6.000 RM kleinteilig waren, beantragten sie die Firmenlöschung im Handelsregister. Alles zog sich länger hin. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass die Kleinfirma als jüdisches Unternehmen noch nach dem 31. Dezember 1938 weiter existierte, obwohl dieses Datum das Ende jüdischer Firmen in Deutschland markiert. Aber hier war eine der Ausnahmen unter besonderem Interesse. Zum 5. April 1940 schied der andere Gesellschafter Martin Elsas aus, dafür trat offiziell Clara Neumann ein. Die Firma trug den Namen „Lazarus Jos. Ettlinger Enkel, L. u. C. Neumann“. Auch das Badische Finanz- und Wirtschaftsministerium schaltete sich 1940 zwecks Löschung der Firma im Handelsregister ein. Leopold Neumann verwahrte sich mit einem Schreiben am 21. Oktober 1940 an das Ministerium gegen die Löschung mit dem Hinweis auf einen Auftrag nach Argentinien, „mit versandbereiter Ware für Schiff nach Kriegsende“. Das Ministerium schrieb datiert unter dem 25. Oktober 1940 zurück, dass man „Wert darauf lege, dass Ihre Firma im Laufe des Monats Dezember 1940 gelöscht wird.“ In diesen vier Tagen aber war Grundsätzliches geschehen: es ging nicht mehr um die nominelle Existenz der Firma, sondern um das Lebensrecht der Neumanns überhaupt.


Deportation und Clara Neumanns Tod
Am 22. Oktober wurden Leopold und Clara Neumann zusammen mit über 6.500 Juden aus Südwestdeutschland nach Gurs deportiert. Das Schreiben des Ministeriums hat Leopold Neumann also nie erreicht.

Clara Neumann starb am 9. November 1940 in Gurs. Sie überlebte den Transport demnach nur um wenige Tage. Sie war gerade einmal 66 Jahre alt.
Die Bedingungen im Lager Gurs waren katastrophal. Gerade die Alten und die ganz Jungen starben zahlreich. Die kurze Zeitspanne ihres Todes könnte auch darauf deuten, dass ihr eventuell notwendige medizinische Hilfe versagt wurde.

Leopold Neumann blieb zunächst in Gurs, bis Ende Dezember 1942. Er hatte also das Glück, im Sommer und Herbst 1942 nicht zu den tausenden deportierten deutschen Juden aus Frankreich in die Vernichtungslager zu gehören. Seit Jahresende 1942 entließ die Vichy-Kollaborationsregierung zahlreiche der alten Internierungslagerinsassen aus den Lagern, darunter auch Leopold Neumann. Er kam in ein Flüchtlingsheim nach Castera-Verduzan, etwa 60 Kilometer von Gurs entfernt. Dort lebten auch andere jüdische Karlsruher wie Angehörige der Familien Dessauer und Kaufmann. Leopold Neumann war mit Gartenarbeiten beschäftigt. In Castera-Verduzan erlebte er 1944 die Befreiung.
Hier hatte er seine zweite Frau, Martha, verwitwete Stern, kennengelernt. Sie heirateten am 26. September 1946 in Lyon. Die spätere Adresse lautete Duns-sur-Meuse in Lothringen, nahe der deutschen Grenze. Offensichtlich dachte Leopold Neumann sogar spätestens 1946 an eine Rückkehr nach Deutschland, was aber an den Wirren der Nachkriegszeit scheiterte. Womöglich beschleunigte sein Brief im Mai 1948 an den Leiter der Wiedergutmachungsbehörde, Regierungsrat Otto Haffner, seine Versuche. Im November 1948 jedenfalls waren Leopold und Martha Neumann in Karlsruhe bei einer früheren Hausgehilfin der Familie in der Hirschstraße 74 gemeldet.

Leopold Neumann betrieb seine umfangreichen Ansprüche auf Wiedergutmachung und versuchte, auch seine ehemalige Firma wieder aufleben zu lassen. Er war inzwischen über 80 Jahre alt. Tatsächlich gelang ihm die Wiedereintragung der Firma unter altem Namen „Lazarus Jos. Ettlingers Enkel L.+C. Neumann“. Auch die „Montangesellschaft Saar mbH“ musste wegen zu geringer Auszahlung bei der „Arisierung“ seinerzeit größere Kompensationen an ihn leisten.
Einen wirklichen wirtschaftlichen Neuanfang aber konnte Leopold Neumann nicht mehr leisten. Dazu kam eine Erkrankung, die ihn auf Pflege anwies, bevor er 1959 verstarb.

Seine Tochter Martha Therese Neumann änderte in England ihren Namen in Newman, blieb unverheiratet und arbeitete als Sekretärin.

Sohn Dr. Konrad Neumann änderte gleichfalls den Namen in Australien in Newman. Beruflich arbeitete er als Buchhalter, konnte wohl nie an seine Position in Deutschland anknüpfen. Sein Bestreben beim Antrag auf Wiedergutmachung war 1956 offensichtlich auch darauf gerichtet, damit den Vater in Deutschland zu besuchen, den er 18 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Ob es nochmals zu einem Wiedersehen kam, ist nicht festgehalten.

Leopold Neumanns zweite Ehefrau Martha Neumann verstarb 1968 mit 87 Jahren.


(Ellen Zapf-Chavez, November 2014)