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Paula Mané, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Paula Mané (Fränkel, verw.)

Nachname: Mané
abweichender Nachname: Fränkel, verw.
geborene: Gerst
Vorname: Paula
Geburtsdatum: 4. Juli 1884
Geburtsort: Schesslitz/Bamberg (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Josef und Amalie G., geb. Adler
Verwandtschaftsverhältnis: verwitwete Fränkel;

Mutter von Karl Fränkel;

Ehefrau von Heinrich M.;

Mutter von Kurt
Adresse: 1912: Durlacher Allee 29b
1914: Adlerstr. 8
1933/34: Vorholzstr. 25
1939: Jollystr. 41
1940: Schubertstr. 2
Schule/Ausbildung: Töchterschule, 6 Jahre
Beruf: Hausfrau
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
10.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Familie Mané

Heinrich Mane wurde am 17. Juni 1878 im pfälzischen Geinsheim geboren. Seine Eltern sind Karl und Babette Mane, geborene Heß.
Er hatte zwei Geschwister, Johanna, 1875 geboren und die 1879 geborene Hilde.
Heinrich besuchte die Realschule bis zur Untersekunda, also bis zur 10. Klasse und absolvierte danach eine kaufmännische Ausbildung im Eisenhandel. Die elterliche Familie war bereits 1884 von Geinsheim nach Karlsruhe gezogen.
Am 11. April 1912 heiratete er in Karlsruhe die verwitwete Paula Fränkel, geborene Gerst.

Paula Mané wurde am 4. Juli 1884 in Scheßlitz bei Bamberg als Tochter von Josef und Amalie Gerst geboren. Sechs Jahre besuchte sie eine Töchterschule in ihrem Geburtsort. Einige Jahre später heiratete sie am 12. März 1906 den Kaufmann Albert Fränkel (auch Fränkl geschrieben) und gebar am 5. Juni 1907 ihren gemeinsamen Sohn Karl in Scheßlitz. Am 23. April 1909 verstarb Paulas Mann Albert. Daraufhin verzog sie mit dem Sohn Karl nach Nürnberg, das sie mit der Heirat von Heinrich Mane verließ. Das Ehepaar und der in die Ehe mitgebrachte Sohn, der seinen Nachnamen Fränkel behielt, also wohl gar nicht vom Stiefvater adoptiert wurde, wohnten in der Durlacher Allee 29b.

Am 3. März 1912 wurden Heinrich und Paula Mane Eltern ihres ersten gemeinsamen Kindes Kurt. 1914 bezog die Familie dann eine Wohnung in der Adlerstraße 8. Heinrich Mané war bei der alteingesessenen und renommierten Karlsruher Eisenwarenhandlung L. J. Ettlinger beschäftigt und brachte es bis zum Prokuristen. Etwa um das Jahr 1925 änderte die Familie ihren Nachnamen Mane zu Mané. Der Grund dafür ist unbekannt, ob es nobler klingen sollte, die Betonung der Aussprache hervorgehoben werden sollte? Heinrich Mané veränderte sich beruflich und machte sich ab dem 1. Juli 1926 selbstständig durch die Übernahme als haftender Gesellschafter der Eisenhandlung Dreyfuß & Ettlinger in Rastatt, das dadurch von einer oHG zu einer KG umfirmierte. Der zweite Kommanditist, Sigmund Dreyfuß, nahm praktisch keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft, er wohnte auch in Frankfurt a.M. Mit dieser Tätigkeit einher ging auch der Umzug der Familie von Karlsruhe nach Rastatt 1926, dort wohnte sie zuletzt in der Roonstraße 7. Das Unternehmen geriet 1929 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Am 23. Dezember 1929 musste Heinrich Mané sich einem Vergleichsverfahren wegen kurzzeitig finanzieller Probleme stellen. Dieses wurde schon am 4. Februar 1930 wieder aufgehoben. Die Firma konnte sich also rasch wieder konsolidieren. Am 5. April 1932 trat Heinrich Mané dann aber als Gesellschafter der Firma aus. Dies ging einher mit dem Wegzug nach Karlsruhe in die Vorholzstraße 25. Beruflich trat er nun als selbstständiger Vertreter für Eisen- und Haushaltswaren für Firmen aus verschiedenen Teilen Deutschlands auf. Seine Geschäftsverbindungen führten ihn nach Frankreich in das Elsass und nach Lothringen, ebenso in die Schweiz. Dafür musste er ab 1937 halbjährlich seinen Auslandsreisepass verlängern lassen. Das ging anstandslos vonstatten, da diese Tätigkeit in der Eisenhandelsbranche als im volkswirtschaftlichen Interesse angesehen wurde, so auch bescheinigt von der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe. Bis 1939 lebten Heinrich und seine Frau Paula in der Vorholzstraße 25 in Karlsruhe. Nach der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 war Heinrich Mané nicht wie viele andere männliche Juden nach dem KZ Dachau deportiert worden. Das lag wohl an seinem Alter von 63 Jahren, es kamen fast nur unter 60-Jährige dort hin. Aber da nach diesem Terrorakt mit dem 31. Dezember 1938 jede wirtschaftliche Existenz von Juden verboten war, konnte sich das Ehepaar keine Zukunft mehr in Deutschland vorstellen. So versuchte das Ehepaar Heinrich und Paula Mané mit offiziellem Reisepassantrag vom 23. Januar 1939 nach Palästina auszuwandern. Dort lebten inzwischen beide erwachsene Söhne.

Der Sohn von Paula Mané, Karl Fränkel, hatte das Bismarckgymnasium Karlsruhe besucht. Nachdem er dort mit 16 Jahren abgegangen war, besuchte er von Ostern 1923 für ein halbes Jahr eine weiterführende Handelsschule. Er absolvierte anschließend eine Lehre zum Weinküfer bei der Weinhandlung Bausback AG in der Kaiserallee, die er 1926 wegen Konkurs jedoch nicht beenden konnte. Er führte anschließend verschiedene kaufmännische Tätigkeiten aus, ging früh weg aus Karlsruhe und war z. B. auch Lagerist beim Kaufhaus Karstadt - in Hamburg. Offensichtlich hatte er große Pläne. Um 1931 fasste er den Entschluss nach Südamerika zu gehen. Während der Schiffspassage erkrankte er jedoch und musste in Vigo, einer Hafenstadt im Nordwesten Spaniens, von Bord gehen. Er begab sich dann nach Frankreich, nach Paris, wollte dort Arbeit finden, was jedoch nicht gelang. So kam er zurück und zog wieder „zur Mutter“, wie er später berichtete. Ob diese Bemerkung ein Hinweis dafür ist, dass das Verhältnis Karl Fränkel vielleicht mit Heinrich Mané nicht das Beste war, muss offen bleiben. Er konnte keine Arbeit finden und war erwerbslos. Am 5. Mai 1933 kam er in „Schutzhaft“ in das Gefängnis in der Riefstahlstraße nach der „Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933, kurz darauf umgeändert in „ordentliche“ Untersuchungshaft. Verhaftet wurde er nicht aus „rassischen“ Gründen, sondern aus politischen. Karl Fränkel war beteiligt am frühen kommunistischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Zur Last gelegt wurde ihm die Verbreitung von Druckschriften, welche zum Kampf gegen die neue Staatsgewalt aufriefen. Er hatte die „Trotz-alledem-Rote-Fahne“ verbreitet, eine hektographierte Zeitung, die von der seit der Machtergreifung in die Illegalität gegangenen KPD-Ortsgruppe Karlsruhe konspirativ hergestellt wurde. Zusammen mit zwei anderen Kommunisten jener Verteilaktion vor Gericht gestellt, wurde er vor dem Landgericht Karlsruhe wegen Hochverrates zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Bezirksgefängnis Durlach, wo er am 26. Mai 1934 entlassen wurde.
Am 24. April 1934 hatte er einen Unfall bei der Arbeit im Gefängnis angezeigt und einen Gesundheitsschaden geltend gemacht, da er sich beim Holzspalten eine Hiebwunde am Daumen der linken Hand zugezogen hatte. Dies wurde allerdings abgelehnt, da ihm Vorsätzlichkeit unterstellt wurde.
Nach der Haft gelang es ihm auch nicht, wieder in Erwerbsarbeit zu kommen. Er wanderte schließlich im Juli 1936 nach Palästina aus und änderte seinen Nachnamen zu Paran.

Kurt Mané hatte wie sein Halbbruder Karl Fränkel das Bismarckgymnasium Karlsruhe besucht, von 1922 bis 1926, wechselte dann nach der neunten Klasse mit dem Familienumzug nach Rastatt auf das dortige Ludwig-Wilhelm-Gymnasium. Nach seinem Abitur dort studierte er ab dem Sommersemester 1931 an der Universität Erlangen und ging zum Wintersemester 1932/33 an die TH Karlsruhe. Er brach das Studium im Mai 1933 wegen des in diesem akademischen Umfeld unerträglich gewordenen antisemitischen Druckes ab. Nach seinen späteren Angaben sei er im April 1933 auch von Nationalsozialisten geschlagen worden. Er wohnte in dieser Zeit bei seinen Eltern in der Vorholzstraße 25. Um seinen Plan der Einwanderung nach Palästina umzusetzen, erwarb er sich Qualifikationen in der Landwirtschaft als Voraussetzung, wie sie die zionistischen Gruppen forderten und vermittelten. Anders als viele andere junge Juden ging er jedoch nicht in eine jener Hachschara-Ausbildungsstätten sondern auf den Hof des Landwirts Georg Meyer in Diersburg bei Offenburg. Im Januar 1934 wanderte er nach Palästina aus, wie später sein Halbbruder Karl. Er nahm den Vornamen Uri an.

Die Ausreise von Heinrich und Paula Mané nach Palästina verzögerte sich 1939 immer weiter. Wegen der Zuzugsbestimmungen der britischen Mandatsmacht mussten sie lange warten. Am 18. August 1939 mussten sie ihren Reisepass nochmals verlängern lassen, um der englischen Bestimmung nach der Gültigkeitsdauer des Passes zu entsprechen. Die Ausreise scheiterte schließlich. Kaum mehr als 14 Tage nach diesem Verwaltungsakt hatte der Zweite Weltkrieg begonnen und Deutschland und England befanden sich im Kriegszustand, so dass kein englisches Visum mehr zu erlangen war.
Im Jahre 1940 musste das Ehepaar noch zweimal umziehen, da jüdische Mieter in „arischen“ Häusern nicht mehr geduldet waren. Das erste Mal in die Jollystraße 41 und danach am 26. Juni in die Schubertstraße 2, ein so genanntes Judenhaus, das ihr letztes Zuhause war, bevor sie am 22. Oktober 1940 nach Gurs, Frankreich deportiert wurden.

Der 10. August 1942 war der Tag, an dem Paula und Heinrich Mané über das Transitlager Drancy nach dem Vernichtungslager Auschwitz gebracht und dort ermordet wurden.

Die Schwester von Heinrich, Johanna Mané, ledig und ehemals Buchhalterin bei der renommierten jüdischen Damenschneiderei der Geschwister Traub bis zu deren Zwangsauflösung zum 31. Dezember 1938, war am 22. Oktober 1940 ebenfalls von Karlsruhe nach Gurs deportiert worden. Zuletzt hatte sie im jüdischen Altenheim in der Kronenstraße 62 ein Zimmer bewohnt. Im April 1942 kam sie in das Lager Récébédou. Sie geriet dann jedoch nicht in einen der Todestransporte wie ihre Geschwister. Ab 1943 überstellte Vichy-Frankreich nicht mehr in so großem Maße wie 1942 Juden zum Abtransport. So kam sie nach der Überstellung in das Lager Noé am 3. August 1942 ein Jahr später am 17. August 1943 nach Montauban in das dortige Hospital, einem Altenzentrum, wo sie den Krieg überlebte. Von dort kam die 77- Jährige krank und unterstützungsbedürftig 1950 zurück nach Deutschland, in das jüdische Altenheim nach Frankfurt a.M., wo sie am 2. Mai 1959 verstarb.

Karl Fränkel verheiratete sich mit Edith Berta aus der Tschechoslowakei, mit der er zwei Söhne hatte. Der ältere studierte an einer Universität Biologie und war schon im Alter von 24 Jahren verheiratet und der jüngere, welcher 1945 geboren wurde, ging mit 19 Jahren zum Militär. Karl Fränkel schaffte es lange nicht, in Palästina Fuß zu fassen. Er kam nicht aus der zionistischen Jugendbewegung, war kein sozialistischer Kibbuzz-Anhänger und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten als Elektriker oder Kellner durch. Schließlich gelang es ihm, Arbeit bei der britischen Mandatsbehörde zu erlangen. Nach der Staatsgründung Israels gelangte er in den Staatsdienst, als Zollbeamter. Nach 1955 verabschiedete er sich dort jedoch und arbeitete als Kanzleigehilfe und wohnte mit seiner Familie bis zuletzt in Nathania. Dort starb er mit 60 Jahren 1967.

Kurt Mané lebte von 1936 bis zu seinem Tod im Jahre 2001 in Haifa. Zunächst war es auch ihm nicht gelungen, sich eine Existenz zu schaffen. In den 1940er Jahren dann, konnte er in den Wetterdienst einsteigen und etablierte sich als Meteorologe, der häufig in Afrika für die Vereinten Nationen tätig war. Mit seiner Ehefrau hatte er zwei Töchter, 1940 und 1946 geboren.

(Luisa Creutz, Lessing-Gymnasium Sekundarstufe II, Oktober 2016)


Quellen:
Stadtarchiv Karlsruhe 6/BzA 8611 und 8612 sowie 1/AEST 20 und 37a.
Generallandesarchiv Karlsrhe 330/791 und 792 sowie 480/8537, 14736, 20616 und 22179.
https://www.geni.com/people/Karl-Mane/6000000000083552654 .