Personendaten

Jenny Ahrend

Nachname: Ahrend
geborene: Falk
Vorname: Jenny
Geburtsdatum: 18. Juli 1892
Geburtsort: Schrimm/Posen (Deutschland, heute Polen)
Familienstand: verwitwet
Eltern: Benjamin und Sara, geb. Eldod, F.
Verwandtschaftsverhältnis: Witwe von Siegmund A. (14.4.1875-6.9.1938);

Mutter von Bernhard (1927-?), Miriam (1928-?), Benjamin (1930-?);

Schwester von Ruth Debora Altmann, geb. Falk
Adresse: Adlerstr. 35, 1939 aus Frankfurt a.M. zugezogen
Beruf: Hausfrau
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
10.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Jenny Ahrend

Sie wurde am 18. Juli 1892 in Schrimm/Posen geboren als Tochter des in Aub/Bayern (heute Bad Königshofen, Nähe Bad Kissingen) am 9. Mai 1859 geborenen Lehrers Benjamin Falk und seiner Frau Sara, geborene Eldod, geboren am 9. Februar 1860 in Nördlingen. Nach der Heirat am 23. Juli 1888 gingen Benjamin Falk und Frau aus beruflichen Gründen - er bekam dort eine Anstellung - nach Schrimm. Sie bekamen neun Kinder, alles Töchter, sechs davon wurden in Schrimm geboren, die letzten drei in Frankfurt a.M. Die Familie zog 1899 nach Frankfurt. Es ist anzunehmen, dass Benjamin Falk auch in Frankfurt a.M. weiter als Lehrer tätig war. Am 12. Juni 1925 starb er in Frankfurt, seine Witwe am 3. November 1927, ebenfalls in Frankfurt. Jenny Falk war die sechs Jahre ältere Schwester von Ruth Altmann, geborene Falk (siehe den Beitrag im Gedenkbuch zu den Familien Altmann).

Jenny Ahrend kam erst in der zweiten Jahreshälfte 1939 von Frankfurt a.M. zur Familie ihrer Schwester Ruth nach Karlsruhe in die Adlerstraße 35. Über sie, insbesondere über die Zeit in Frankfurt a.M., liegen nur spärliche Informationen vor. Am 17. August 1922 heiratete sie in Frankfurt a.M. den Kaufmann Siegmund Ahrend, geboren am 17. November 1879 in Miltenberg am Main, jüngster von drei Söhnen von Bernhard Ahrend und seiner Frau Berta, geborene Hammel. Bernhard Ahrend war zeitweise Geschäftsführer der in Miltenberg bekannten, noch heute existierenden Vollhardt’schen Druckerei. Siegmund Ahrend betrieb in Frankfurt a.M. einen Handel mit photographischen Bedarfsartikeln, ab Anfang der 30er Jahre betrieb er einen Zigarrengroßhandel. Jenny und Siegmund Ahrend hatten drei Kinder: Bernhard, geboren 28. Mai 1927, Miriam, geboren 28. Mai 1928 und Benjamin, geboren 6. Januar 1930, alle in Frankfurt a.M.

Am 6. September 1938 starb Siegmund Ahrend in Frankfurt a.M.. Es steht zu vermuten, dass der Tod des Ehemannes seine Frau Jenny in eine tiefe Krise stürzte, auch existenziell. Es steht weiterhin zu vermuten, dass die Familie bald danach ihre Wohnung verlor. Was sollte werden? Welche Überlegungen angestellt wurden, welche Möglichkeiten eruiert wurden, alles das wissen wir nicht. Jedenfalls gab sie ihre Kinder irgendwann danach in die Obhut des Israelitischen Waisenhauses in Frankfurt a.M., Röderbergweg 87, eine Entscheidung, die ihr sicherlich äußerst schwer gefallen war, obwohl sie die Kinder dort in guten Händen wusste, da ihre Schwägerin Elli Ahrend, Witwe des am 5. August 1935 verstorbenen Justus Ahrend, Bruder ihres Mannes, dort seit kurzem Leiterin der Mädchenabteilung des Waisenhauses war.
Helga Krohn beschreibt sehr eindrucksvoll in ihrem Aufsatz „Holt sie ‚raus, bevor es zu spät ist“ in: Monica Kingreen (Hrsg) „Nach der Kristallnacht“, Jüdisches Leben und antijüdische Politik in Frankfurt am Main 1938-1945 (Frankfurt a.M. 1999) die Situation in dem Israelitischen Waisenhaus am Röderbergweg und die vielfältigen Bemühungen von Isidor Marx, dem Leiter dieses Waisenhauses, zur Rettung der Kinder nach Frankreich, Holland, Belgien und England. Mit einem der nach Holland führenden Kindertransporte kamen die Ahrend-Kinder nach Amsterdam. Die Jungen lebten im Nederlandse Israelitisch Jongensweeshuis, Jethonien, Amstel 21 in Amsterdam. Die Tochter Miriam lebte zwar ebenfalls in Amsterdam, ob dort auch in einem Waisenhaus oder privat bei einer Familie, ist nicht bekannt. Immerhin gibt es jedoch von ihr vom März 1941 einen in Amsterdam gestellten Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses, sie wollte offenbar auswandern, wie, wohin, gegebenenfalls mit wem, das alles liegt im Dunkeln. Ob Jenny Ahrend ihre Kinder in Holland noch besuchen konnte oder sonst wie mit ihnen Kontakt hatte, wir wissen es nicht.

Am 22.Oktober 1940 wird Jenny Ahrend mit all den anderen badischen Juden von Karlsruhe nach Gurs deportiert. Ob sie von dort mit ihren Kindern noch Kontakt hatte, ist ungeklärt, die Spuren sind verweht.

Am 6. August 1942 wurde Jenny Ahrend, zusammen mit vielen anderen Karlsruhern von Gurs in das Durchgangslager Drancy bei Paris verfrachtet und von dort am 10. August 1942 mit Transport Nr. 17 nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1.006 Personen, 766 wurden sofort bei Ankunft vergast, 140 Männer und 100 Frauen wurden auf der Rampe selektiert; 1 Person aus diesem Transport überlebte.
Die Kinder Bernhard, Miriam und Benjamin wurden am 5. März 1943 vom Lager Westerbork in Holland nach Sobibor deportiert. Nach allem was über dieses Vernichtungslager bekannt ist, ist davon auszugehen, dass alle Personen des Transportes innerhalb weniger Stunden getötet wurden.

(Wolfgang Strauß, März 2006)