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Werner Josef Kuhn, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Werner Josef Kuhn

Nachname: Kuhn
Vorname: Werner Josef
Geburtsdatum: 8. März 1918
Geburtsort: Karlsruhe (Deutschland)
Familienstand: ledig
Eltern: Albert und Hilda K.
Verwandtschaftsverhältnis: Bruder von Günter Leo
Adresse: Klosestr. 38
Schule/Ausbildung: Mittelschule
Handelsschule
Beruf: Kaufmann
Monteur
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
14.3.1941 nach Rivesaltes (Frankreich)
7.7.1941 nach Les Milles (Frankreich)
17.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbedatum: 25. September 1942
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Albert und Hilda, Werner Josef und Günter Leo Kuhn

Vorbemerkung
Ich kann nicht mehr genau nachvollziehen, wann ich zum erstenmal von dem Projekt, ein Gedenkbuch für die ermordeten Juden Karlsruhes zu erstellen, erfahren habe. Es mag im Januar 2002 gewesen sein. Die Idee hat mich von Anfang an begeistert, und ich habe mir vorgenommen, nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Arbeit eine solche Biografie zu schreiben.

Im Oktober 2003 habe ich mich für Familie Kuhn aus der Klosestraße entschieden. Bei der Wahl hat der Nachname der Familie den Ausschlag gegeben. Mein Geburtsname ist Kuhn - meine Vorfahren väterlicherseits kommen aus Pommern, mein Vater und seine Brüder sind in Leipzig aufgewachsen.
Der Familienname Kuhn ist in Deutschland relativ häufig, und häufig habe ich ihn auch bei jüdischen Familien gefunden.
Familie Kuhn, bestehend aus den Eltern Albert und Hilda und den beiden Söhnen Werner und Günter wohnte vor ihrer Deportation nach Gurs in der Klosestraße 38 bzw. 40.
Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf die wenigen amtlichen Informationen beschränken müssen, ergänzt durch eigene Nachforschungen bei Ämtern.
Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Verfolgung und Ermordung der deutschen und europäischen Juden. Ich habe mehrere ehemalige Konzentrationslager besucht ( Auschwitz - Birkenau, Theresienstadt, Ravensbrück, Struthof, Buchenwald ).
Ich habe Dokumentar - und Spielfilme zu diesem Thema gesehen ,ich habe Zeugnisse von Überlebenden und entsprechende Fach-und Sachbücher gelesen. Ich habe im Oktober 2000 an einer Gedenkfahrt nach Gurs teilgenommen, ich habe ehemalige Häftlinge über Gurs sprechen hören und habe Berichte darüber gelesen.
Aber - all dieses Wissen und all mein Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen reichen nicht aus, um als Außenstehende, Nachgeborene, adäquat darüber schreiben zu können, wie diese Familie Kuhn Diskriminierung, Verfolgung, Deportation und Ermordung erlebt und erlitten hat.

Eine jüdische Familie wurde ermordet, sie sollte unsichtbar gemacht werden, namenlos bleiben.
Sie lebt in meinen Gedanken an sie, meiner Empathie für sie und meiner Trauer um sie.
Diese spärlichen Daten entreißen sie der Namenlosigkeit, und die Stolpersteine in der Klosestraße setzen ein sichtbares Zeichen, dass Hilda, Albert,Werner und Günter Kuhn in dieser Stadt gelebt haben.


Werner Josef Kuhn

Werner Josef Kuhn wird am 8. März 1918 in Karlsruhe geboren.
Er ist der ältere Sohn von Hilda Hermine Kuhn, geborene Hirsch und Albert Kuhn. Sein jüngerer Bruder Günter, Leo wird vier Jahre später geboren.

Werner, Josef Kuhn besucht vier Jahre die Volksschule, drei Jahre die Mittelschule und drei Jahre die Handelsschule. Er lernt zunächst den Beruf des Kaufmanns. In der am 12. August 1939 angelegten “Volkskarteikarte” ist als Beruf Monteur angegeben. Als besondere Fertigkeiten sind Kurzschrift und Maschineschreiben vermerkt.

Er wohnt 1939 mit 21 Jahren noch bei seinen Eltern in der Klosestraße 38 im dritten Stock und ist noch ledig. 1938 ist er mit einem Passfoto in der „Judenkartei". 1939 ist sein Foto auf einem Reisepassantrag für die USA. Die Emigration gelingt jedoch nicht mehr.

Am 22. Oktober 1940 wird er mit seinem Bruder Günter, Leo und seinen Eltern (und vielen anderen badischen Juden) nach Gurs deportiert.
Nach knapp zwei Jahren Lager-„Leben", wird er am 17. August 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert.
Dort wird er bei Ankunft an der Rampe nicht in die Gaskammer, sondern zur KZ-Arbeit selektiert.
Nur fünf Wochen später, am 25. September 1942 stirbt er dort mit 24 Jahren.
Sein Tod gehört zu den wenigen in Auschwitz, die dokumentiert sind, eingetragen im Sterbebuch von Auschwitz. Publiziert sind die 46 Bände umfassenden Sterbebücher von Auschwitz mit fast 69.000 Todeseinträgen – nur ein Bruchteil der tatsächlich Ermordeten – im K.G. Saur Verlag, 1995.

(Helga Weinert-Kuhn, November 2006)

Nachtrag
Bei einem Besuch im Mémorial de la Shoah in Paris im August 2010 konnte ich dort an der Mauer der Erinnerung zu den aus Frankreich deportierten Juden die Namen der Familie Kuhn finden. Die Mutter Hilda und die beiden Söhne Günther Leo und Werner Josef sind mit Nachnamen und Geburtsjahr auf der Mauer der 1942 Deportierten in alphabetischer Reihenfolge genannt.