Personendaten

Albert Kuhn

Nachname: Kuhn
Vorname: Albert
Geburtsdatum: 19. August 1880
Geburtsort: Pforzheim (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Verwandtschaftsverhältnis: Ehemann von Hilda K.

Vater von WernerJosef und Günter Leo
Adresse: 1940: Klosestr. 38
Schule/Ausbildung: Oberrealschule bis Untersekunda
Beruf: Kaufmann
Handelsreisender
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
16.3.1941 nach Rivesaltes (Frankreich)
später nach Le Vernet (Frankreich)
Sterbedatum: 5. Juni 1941
Sterbeort: Le Vernet (Frankreich)

Biographie

Albert und Hilda, Werner Josef und Günter Leo Kuhn

Vorbemerkung
Ich kann nicht mehr genau nachvollziehen, wann ich zum erstenmal von dem Projekt, ein Gedenkbuch für die ermordeten Juden Karlsruhes zu erstellen, erfahren habe. Es mag im Januar 2002 gewesen sein. Die Idee hat mich von Anfang an begeistert, und ich habe mir vorgenommen, nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Arbeit eine solche Biografie zu schreiben.

Im Oktober 2003 habe ich mich für Familie Kuhn aus der Klosestraße entschieden. Bei der Wahl hat der Nachname der Familie den Ausschlag gegeben. Mein Geburtsname ist Kuhn - meine Vorfahren väterlicherseits kommen aus Pommern, mein Vater und seine Brüder sind in Leipzig aufgewachsen.
Der Familienname Kuhn ist in Deutschland relativ häufig, und häufig habe ich ihn auch bei jüdischen Familien gefunden.
Familie Kuhn, bestehend aus den Eltern Albert und Hilda und den beiden Söhnen Werner und Günter wohnte vor ihrer Deportation nach Gurs in der Klosestraße 38 bzw. 40.
Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf die wenigen amtlichen Informationen beschränken müssen, ergänzt durch eigene Nachforschungen bei Ämtern.
Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Verfolgung und Ermordung der deutschen und europäischen Juden. Ich habe mehrere ehemalige Konzentrationslager besucht ( Auschwitz - Birkenau, Theresienstadt, Ravensbrück, Struthof, Buchenwald ).
Ich habe Dokumentar - und Spielfilme zu diesem Thema gesehen ,ich habe Zeugnisse von Überlebenden und entsprechende Fach-und Sachbücher gelesen. Ich habe im Oktober 2000 an einer Gedenkfahrt nach Gurs teilgenommen, ich habe ehemalige Häftlinge über Gurs sprechen hören und habe Berichte darüber gelesen.
Aber - all dieses Wissen und all mein Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen reichen nicht aus, um als Außenstehende, Nachgeborene, adäquat darüber schreiben zu können, wie diese Familie Kuhn Diskriminierung, Verfolgung, Deportation und Ermordung erlebt und erlitten hat.

Eine jüdische Familie wurde ermordet, sie sollte unsichtbar gemacht werden, namenlos bleiben.
Sie lebt in meinen Gedanken an sie, meiner Empathie für sie und meiner Trauer um sie.
Diese spärlichen Daten entreißen sie der Namenlosigkeit, und die Stolpersteine in der Klosestraße setzen ein sichtbares Zeichen, dass Hilda, Albert,Werner und Günter Kuhn in dieser Stadt gelebt haben.


Albert Kuhn

Albert Kuhn ist am 19. August 1880 in Pforzheim geboren.
Nach Auskunft der dortigen Behörden hieß sein Vater Josef; er war Kaufmann und israelitischer Religion. Seine Mutter Bertha, geborene Kaulan, gehörte der evangelischen Religion an. Die Eltern wohnten bei der Geburt des Sohnes Albert dort in der Östlichen Karl-Friedrich-Straße 65. Über weitere Geschwister und den schulischen Werdegang bzw. die berufliche Ausbildung liegen keine Informationen vor.

Im Adressbuch für Karlsruhe ist er erstmals 1915 nachweisbar.
In der so genannten “Volkskarteikarte” gab er am 12. August 1939 selbst an, die Oberrealschule bis zur Untersekunda besucht und das so genannte Einjährige gemacht zu haben, das heißt, er muss diese damals siebenjährige Höhere Schule mit der Mittleren Reife absolviert haben.
Er ist ein halbes Jahr in Belgien gewesen - spricht Französisch - und drei Jahre in Russland auf geschäftlichen Reisen. Beim Militär war er nicht.
Albert Kuhn hat den Beruf des Kaufmanns gelernt und als selbständiger Handelsvertreter gearbeitet. Bis 1938 war er ( Mit-)Inhaber der Firma Vogelsang und Kuhn in der Rüppurrer Straße 36, später Kaiserallee 25. Diese Firma lieferte z.B. Großkücheneinrichtungen für Hotels. Zuletzt war er Handlungsreisender, bis ihm aufgrund der “Arisierung” jede Erwerbsmöglichkeit genommen wurde.
Das Datum der Heirat mit Hilda, Hermine Hirsch ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Albert Kuhn ist der Vater von Josef Werner und Günter Leo Kuhn. Auf der Karteikarte des Vaters ist der Umzug von der Klosestraße 38 nach Nummer 40 nicht vermerkt. Die Wohnung der Familie Kuhn in der Klosestraße 38 war im dritten Stock, d.h. im 2. OG.

Am 22. Oktober 1940 wird Albert Kuhn mit seiner Ehefrau Hilda und seinen beiden Söhnen nach Gurs deportiert. Später kommt er in das Lager Le Vernet in den Pyrenäen, wo Albert Kuhn am 5. Juni 1941 - getrennt von seiner Frau und seinen Söhnen - mit knapp 61 Jahren stirbt..

(Helga Weinert-Kuhn, November 2006)