Personendaten

Prof. Dr. phil. Ernst Beck

Titel: Prof. Dr. phil.
Nachname: Beck
Vorname: Ernst
Geburtsdatum: 18. Dezember 1885
Geburtsort: Lörrach (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Verwandtschaftsverhältnis: Ehemann von Henriette B.;

Vater von Ingeborg
Adresse: Sophienstr. 54
Sophienstr. 68
Mathystr. 26a, 1.4.1936 verzogen nach Freiburg i.Br.
Beruf: Lehrer (Lehrer am Lessing-Mädchengymnasium)
Deportation: 10.11.1938 verhaftet in Freiburg i.Br., nach Dachau (Deutschland)
Sterbedatum: 14. November 1938
Sterbeort: Dachau (Deutschland)
"erschossen bei Fluchtversuch"

Biographie

Ernst Beck

Ernst Beck wurde am 18. Dezember 1885 in Lörrach mit dem Vornamen Jesajas als zweites von fünf Kindern des Lithographen Meier Isaak Beck und seiner Frau Amalie Babette, geborene Friedmann, geboren. Die Geschwister waren: Babette, geboren 16. Oktober 1883, gestorben 1. November 1883; Flora Victoria, geboren 31. August 1889, Markus (Marx Mordechai), geboren 17. Juni 1887 und Berta, geboren 22. April 1898, alle in Lörrach. Die Familie Beck – die Becks trugen ursprünglich den Namen Braunschweig, 1809 nahmen sie den Namen Beck an - lässt sich in Lörrach bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts nachweisen und gehört somit zu den drei ältesten jüdischen Familien in Lörrach. Um 1735 kamen sie aus dem Elsaß nach Lörrach. Auch im 19. und 20. Jahrhundert gab es eine Reihe von Verzweigungen der Familie ins benachbarte Elsaß.
Lörrach hatte zu der Zeit als Ernst Beck geboren wurde bereits eine mehr als 750-jährige Geschichte, war aber erst seit 1756 mit dem Stadtrecht versehen, hatte etwa 13.400 Einwohner und eine jüdische Gemeinde von etwa 240 Personen. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner hatte Lörrach 1875 mit 248, danach ging die Zahl stetig zurück, während umgekehrt die Gesamteinwohnerzahl Lörrachs stark anstieg, bis 1900 auf knapp 20.000.

Schule und Ausbildung
Ernst Beck – wir behalten diesen Vornamen bei, obwohl er erst seit dem 31. März 1914 diesen Vornamen mit Genehmigung des Badischen Justizministeriums trug – besuchte von Ostern 1892 bis 1896 die Volksschule in Lörrach und setzte den Schulbesuch am Gymnasium in Lörrach im gleichen Jahr fort. Die Untertertia übersprang er aufgrund besonders guter Leistungen. Von Herbst 1903, da hatte er bereits die Unterprima absolviert, bis Herbst 1904 besuchte er nicht das Gymnasium, er war vielmehr als so genannter Inzipient, eine Art Lehrling für die Laufbahn eines mittleren Justizbeamten, beim Amtsgericht in Lörrach tätig, natürlich ohne Bezahlung. Es spricht vieles für die Vermutung, dass er zu dieser Zeit sich wohl mit dem Gedanken getragen hatte, nach dem Abitur Jura zu studieren, und mit diesem ‚Schnupperjahr’ wollte er sehen, ob die Rechtspflege – Richter oder Anwalt - für ihn der richtige Beruf sein könnte. Die Entscheidung fiel negativ aus, wie wir noch im Detail sehen werden. Im Herbst 1904 jedenfalls absolvierte er eine Aufnahmeprüfung für die Oberprima, um den Schulbesuch am Gymnasium fortsetzen zu können. Am 11. Juli 1905 legte er dort sein Abitur mit der Gesamtnote „gut“ ab; in Französisch und Geschichte hatte er „sehr gut“, in Turnen nur „hinlänglich“, in allen anderen Fächern „gut“., für Fleiß erhielt er ebenfalls „gut“ und für sittliches Verhalten „sehr gut“.
Danach studierte er – mit dem Ziel Lehrer an einem Gymnasium zu werden für die Fächer Deutsch, Französisch, Englisch – zwei Semester an der Universität in Basel, vier Semester an der Universität in Heidelberg, dann ein Semester in Berlin und schließlich wieder ein Semester in Heidelberg. Im März 1910 legte er an der Universität Heidelberg seine schriftliche Lehramtskandidaten-Prüfung mit der Gesamtnote „gut“ ab, für Deutsch und Französisch erhielt er „gut“, für Englisch und Latein (beantragte Zusatzprüfung) „genügend“. Am 15. April 1910 erhielt er als Lehramtskandidat den Beamtenstatus. Zuvor hatte er noch seine Dissertation mit dem Thema „Einleitung zu einer Grammatik der oberen Markgräfeler Mundart“ – Mundarten der Amtsbezirke Lörrach, Schopfheim und Müllheim – abgeschlossen, ein Konvolut von 560 handgeschriebenen Seiten; am 5. November 1909 wurde er an der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg mit dem Prädikat „Summa Cum Laude“ zum Dr. phil. promoviert.

Es folgte seine Ausbildungszeit als Lehramtskandidat: die Oberrealschule in Mannheim (5.4. –-10.6.1910), die Oberrealschule in Pforzheim (12.6. - 31.7.1910) und die Oberrealschule in Baden-Baden (damals hieß die Stadt noch Baden in Baden; 12.9.1910 - 31.8.1913). Seine Beurteilungen sind stets gut bis sehr gut: „unermüdlich, pünktlich in der Unterrichtsvorbereitung, bescheidenes Auftreten, gutes Verhältnis zu Kollegen, tadellose Lebensführung“; allerdings auch „zu große Nachgiebigkeit mit der Disziplin der Schüler“.
Ab September 1913 erhielt er eine planmäßige Lehrerstelle am gleichen Institut in Baden-Baden.

Familiengründung
Am 12. März 1912 heiratete er in Baden-Baden die am 30. Januar 1885 in Bad Steben geborene Henriette Burger, Tochter von Arwed Burger, der ursprünglich aus dem thüringischen Saalburg stammte, von Beruf Zahntechniker, nebenbei noch einen kleinen Kolonialwarenladen betreibend, und seiner Frau Elisabetha geborene Spörl, Hebamme von Beruf; Henriette war das fünfte von insgesamt zehn Kindern (sieben Mädchen, drei Buben), geboren zwischen 1879 und 1897 (ein Kind verstarb allerdings bereits zehn Monate nach der Geburt). Die damals für die Heirat erforderliche Zustimmung des Dienstherren, also des Unterrichtsministeriums, wurde rechtzeitig beantragt und erteilt. Trauzeugen war Ernst Becks Bruder Markus, der uns noch später begegnen wird, und Henriette Burgers ältere Schwester Heinrika (verheiratete Grimm). Da Henriette Burger protestantischen Glaubens war, musste Ernst Beck erst das Placet seiner Familie einholen; vermutlich hatte zuvor keiner aus der Familie je eine Nicht-Jüdin geheiratet. Am 27. Oktober 1914 wurde die Tochter Ingeborg Hedwig in Baden-Baden geboren. Sie blieb das einzige Kind der Eheleute Beck.

Henriette Beck war vor der Heirat für etwa ein Jahr, es kann aber länger gewesen sein, bei der Familie Fritz und Klara Heß in Alexandria/Ägypten „in Stellung“, wie man damals sagte. Neben den einheimischen Bedienstesten ging sie der Hausfrau zur Hand und kümmerte sich auch (oder vor allem?) um die beiden Kinder. Fritz Heß betrieb dort – in zweiter Generation – eine sehr gut gehende Importfirma unter dem Namen Heß & Co. Fritz und Klara Heß waren die Eltern von Rudolf Heß (geboren 1894), dem späteren „Führer-Stellvertreter“, und Alfred Heß (geboren 1897), beide in Alexandria geboren; eine Tochter, Margarete, wurde noch 1908 geboren. Henriette Burger arbeitete dort auf jeden Fall vor 1908, mutmaßlich in den Jahren 1903/1904, denn von der Heß-Tochter erwähnte sie in der Familie Burger nichts, und Rudolf Heß wurde 1908 nach Deutschland, genauer: nach Bad Godesberg, zur Schule geschickt.
Die Familie war eine wohlhabende Familie, stramm national gesinnt, wie in einer Biografie zu lesen ist, von Antisemitismus ist in – gründlich recherchierten – Heß-Biografien nichts erwähnt. Sie besaßen nicht nur in Alexandria ein großes Haus und Garten, sondern – seit 1900 – auch eine stattliche Villa in Deutschland in Reicholdsgrün, in der Nähe von Wunsiedel, von wo die Familie ursprünglich stammte. In diesem Haus verbrachte die Familie alljährlich viele Wochen und Monate, um sich zu erholen. Zu irgendeinem Zeitpunkt war die Familie Heß in Bad Steben zur Kur, und hier haben sich Arwed Burger und Fritz Heß kennengelernt. Es heißt, Fritz Heß habe Arwed Burger in Bad Steben angesprochen, eine seiner zahlreichen Töchter zu ihm in Stellung zu geben – was dann auch geschah. Warum Henriette nur relativ kurze Zeit in Alexandria blieb, ist nicht überliefert, vielleicht gefiel es ihr dort irgendwann nicht mehr, oder das Klima machte ihr zu schaffen.
Ernst Beck lernte Henriette Burger während seines Studiums in Heidelberg kennen, sie hatte dort nach ihrer Rückkehr aus Ägypten als Betriebsleiterin einer Wäscherei gearbeitet. Möglicherweise haben die Heß’ ihr diese Stellung verschafft, meinte die Enkeltochter.

Erfahrungen in Baden-Baden
Sein Salär als Lehrer war spärlich, deshalb bemühte er sich um eine Nebentätigkeit. Er kam im September 1914 mit Herrn Tagel, dem Leiter des Baden-Badener Pädagogiums, einer Privatschule, überein, an dieser Schule Unterricht in Englisch und Mathematik im Umfang von sechs Wochenstunden für je 3,- M zu erteilen. Beamte bedurften auch damals schon für jede Nebentätigkeit einer Genehmigung der vorgesetzten Dienststelle. Diese beantragte er zwar im September 1914, erteilte aber gleichwohl schon Unterricht, ohne auf die Genehmigung zu warten. Diese wurde nicht erteilt, erhielt den Bescheid aber erst im Januar 1915 und stellte seine Tätigkeit sofort ein. Daraus entwickelte sich ein unerquicklicher Streit zwischen ihm und Tagel: Beck forderte sein inzwischen aufgelaufenes Honorar von 155,- M, Tagel drohte mit Schadenersatzforderungen wegen plötzlicher Beendigung der Lehrtätigkeit an seiner Schule und erging sich in schriftlichen verbalen Beleidigungen wie „kolossale Unverschämtheit, dummdreist, proletenhafte Denkart“. Beck beabsichtigte eine Zivilklage gegen Tagel wegen seiner Honorarforderung und wegen Beleidigung und holte auch die für eine solche Klage erforderliche Genehmigung des Ministeriums ein, die ihm auch erteilt wurde. Ob er tatsächlich geklagt hatte und wie der Streit letztlich zu Ende ging, ist nicht aktenkundig.

Kriegsdienst
Inzwischen war der Weltkrieg ausgebrochen, auch Ernst Beck blieb davon nicht lange verschont: am 10. Februar 1915 wurde er eingezogen und kam als – ungedienter – Landsturmmann zum Rekrutendepot des Grenadierregiments 110 nach Rastatt. Ehefrau und Tochter zogen bald nach Einberufung von Ernst Beck nach Bad Steben zu den Eltern von Henriette Beck. Vom 17. April 1915 bis 18. Januar 1917 war Ernst Beck mit den Infanterie-Regimentern 211 und 212 an der Westfront eingesetzt und nahm an Schlachten und Stellungskämpfen in Ypern, Yser, Somme, Aisne teil. Vom 18. Januar 1917 bis 11. November 1918 (Tag der Entlassung) war er bei verschiedenen Fernsprechabteilungen eingesetzt und nahm wiederum an Schlachten und Stellungskämpfen an der Westfront teil. Am 4. Mai 1917 wurde er zum Gefreiten befördert. Am 20. März 1918 wurde ihm das EK II verliehen. Von Verwundungen blieb er offenbar verschont, im Gegensatz zu seinem Bruder Markus, unverheirateter Steindruckmeister und Rechner der Jüdischen Gemeinde in Lörrach, der als Soldat beim Infanterie-Regiment 372,
ebenfalls an der Westfront eingesetzt, dort so schwer verletzt wurde, dass er an den Folgen dieser Verletzung im Lazarett in Stuttgart am 13. November 1917 verstarb; er wurde auf dem Friedhof in Lörrach beerdigt, im Kriegsgedenkbuch in Lörrach wird seiner gedacht.

Lehrer in Hornberg
Noch während seiner Militärzeit wurde Ernst Beck mit Verfügung des Unterrichtsministeriums vom 29. April 1918 mit Wirkung vom 27. Mai 1918 als Professor an die Lieselotte-Schule in Mannheim versetzt; Dienstantritt nach Kriegsende. Dieser Bescheid wurde jedoch am 11. Juni 1918 – aus unbekannten und nicht aktenkundigen Gründen – wieder zurück genommen; statt dessen wurde er – als – Professor an die Höhere Bürgerschule in Hornberg/Schwarzwald (unweit von Triberg, Ortenaukreis; bekannt geworden durch das so genannte. „Hornberger Schießen“) versetzt. Am 31. Dezember 1918 teilte ihm das Unterrichtsministerium – auf Beschluss der „vorläufigen badischen Volksregierung“ vom 20. Dezember 1918 – mit, dass er zum Vorstand der Höheren Bürgerschule in Hornberg ernannt wurde. Am 7. Januar 1919 nahm er seinen Dienst an dieser Schule auf. Nach einiger Zeit, nachdem eine angemessene Wohnung in Hornberg gefunden wurde, konnten endlich Frau und Tochter zu ihm ziehen, die Familie war nun nach mehr als vierjähriger Trennung wieder vereint.
Hier in Hornberg hat er wohl seine Liebe zu ausgedehnten Wanderungen im Schwarzwald, an denen auch die Ehefrau und die Tochter teilnahmen, entdeckt. Wandern im Schwarzwald blieb sein Hobby, bis ans Lebensende, auch als er mit Familie später in Karlsruhe und danach in Freiburg lebte (s.u.).

Die Karlsruher Jahre
Aber Ernst Beck war mit der Versetzung nach Hornberg nicht zufrieden, vielleicht auch die Frau nicht; so schön auch die Natur in dieser Gegend war, sie ersetzte ihm nicht die räumliche Nähe zu Kultur und Wissenschaft, wie diese in Großstädten angesiedelt sind. So bewarb er sich beim Unterrichtsministerium um eine Stelle an der Oberrealschule in Heidelberg, vor allem mit der Begründung, an der Universität könne er seine wissenschaftliche Arbeit, die in seiner Dissertation Niederschlag gefunden habe, fortsetzen. Die Bewerbung blieb jedoch erfolglos. Gleichzeitig bewarb er sich aber auch um eine Stelle an der Lessingschule in Karlsruhe (Höhere Mädchenschule Karlsruhe I). Mit dieser Bewerbung hatte er Erfolg: mit Bescheid vom 25. April 1922 wurde er an die Lessingschule nach Karlsruhe als Professor versetzt.
Schwierigkeiten bereitete ihm aber die Wohnungssituation in Karlsruhe. Wohnungen waren in der Folge des Krieges noch immer bewirtschaftet, und ihre Vergabe unterstand dem Wohnungsamt; einen freien Wohnungsmarkt gab es noch nicht wieder. Anfangs wohnte Ernst Beck möbliert zur Untermiete in Karlsruhe (Adresse nicht bekannt), die Familie blieb in Hornberg. Daher war der Dienstherr, also das Unterrichtsministerium, intensiv bemüht, für Ernst Beck und seine Familie eine Wohnung zu finden. Das Problem hätte auch relativ schnell gelöst werden können, und zwar im Ringtausch mit der Wohnung des Beck-Nachfolgers in Hornberg, der eine große Wohnung in Heidelberg bewohnte. In diese Wohnung hätte ein Karlsruher Beamter einziehen können, dessen Wohnung wiederum von Ernst Beck und Familie hätte bezogen werden können. Aber die Heidelberger Wohnung wurde nicht frei, weil der von Heidelberg nach Hornberg versetzte Gymnasial-Professor sich standhaft weigerte, seinen Wohnsitz von Heidelberg nach Hornberg zu verlegen, er behielt seine Wohnung und hatte in Hornberg nur ein möbliertes Zimmer. Beck hatte nun einen „doppelten Haushalt“ zu führen. Dafür machte er beim Ministerium Ersatz der Mehraufwendungen, die er auch akribisch belegte, geltend. Nach mehreren Anläufen wurde ihm schließlich vom Ministerium eine – fortlaufende – Entschädigung für die doppelte Haushaltsführung bewilligt, diese allerdings zu Lasten der Hornberger Schule (Einzelheiten dazu sind nicht überliefert). Da inzwischen die Inflation grassierte, im Folgejahr galoppierte, erhöhte sich die Zahlung von Monat zu Monat, in der Mitte 1923 schließlich auf einen dreistelligen Millionenbetrag.
Endlich fand Ernst Beck nach mehr als einjährigen Bemühungen dann doch noch selbst eine Wohnung in der Sophienstraße 54, am 29. Juni 1923 konnte die Familie endlich dort einziehen. Im Jahr 1925 zog die Familie dann in die Sophienstraße 68 um; diese Wohnung blieb das Domizil der Familie bis Oktober 1933.

Im Spätsommer 1925 unternahm er eine zweiwöchige Studienreise nach London, für die er vom Ministerium nach Antrag auf Bezuschussung einen Betrag von 300 RM erhielt. Eine weitere Studienreise folgte fünf Jahre später, 1930, diesmal nach Frankreich, allerdings nur für eine Woche. Er erhielt wiederum vom Ministerium einen Zuschuss, diesmal von 200 RM. Über beide Studienreisen fertigte er, wie es seine Art war, für das Ministerium ausführliche Berichte. Derartige finanzielle Unterstützungen für Auslandsstudienreisen von Lehrern waren, wenn auch bescheidenen Umfangs, keineswegs eine Sonderregelung für Ernst Beck, vielmehr durchaus häufiger vom Unterrichtsministerium praktiziert, das sich damit eine Verbesserung des Unterrichts der auf diese Weise geförderten Lehrer versprach.
Ernst Beck war seit 1910 Mitglied des Badischen Philologenvereins und seit 1922 Mitglied des Vereins für Höheres Mädchenschulwesen, den er allerdings bereits nach vier Jahren, 1926 wieder verließ (Gründe sind nicht bekannt).

In die Lessingschule ging auch die Tochter Ingeborg ab 1924, hier legte sie 1933 das Abitur ab. Danach ging sie für ein Jahr nach England, denn sie hatte die Absicht, ein Sprachenstudium – wie der Vater – zu absolvieren, was ihr jedoch wegen des jüdischen Vaters verwehrt wurde. Statt dessen absolvierte sie eine hauswirtschaftliche Ausbildung.

Ernst Becks Vater, Meier Beck, starb am 3. Juni 1926, 73-jährig, in Lörrach. Die Mutter war schon am 4. April 1920 in Lörrach gestorben, sie wurde nur 61 Jahre.

Am 18. Dezember 1930 schrieb der Rektor der Lessingschule einen langen Brief an das Unterrichtsministerium betreffend Ernst Beck: Dieser habe zwar keinen Mangel an Pflichtgefühl, Gewissenhaftigkeit oder Fleiß, aber sein Eifer treibe ihn bisweilen zu Härten in der Notengebung, was zu Beschwerden bei Schülerinnen und Eltern geführt habe. Eine lebhafte Klasse mit viel Unruhe mache ihm gehörig zu schaffen, so dass die Leistungen in Französisch und Englisch nicht so befriedigend seien wie in anderen Klassen. Schülerinnen fühlten sich abgestoßen, da er mitunter Bemerkungen mache, die das weibliche Empfinden verletzten. Beck wäre besser an einer Knabenschule.
Ein Jahr später, kurz vor Weihnachten, folgt ein weiteres Schreiben des Rektors an das Ministerium, in dem u.a. ausgeführt wurde, Beck vermag nicht recht Maß zu halten zwischen pedantischer Strenge und gelegentlicher Nachgiebigkeit, daher gebe es immer wieder Auseinandersetzungen mit Schülerinnen und Eltern über die Beurteilungen der Schülerinnen, er könne keine volle Geltung in der Klasse erwerben, nicht zuletzt auch wegen seiner saloppen und ungeschickten und für Mädchen wenig passenden Haltung und Ausdrucksweise. Schließlich wurde die Empfehlung ausgesprochen, wenn sich nichts ändere, ihn an eine Knabenschule zu versetzen.
Wir erinnern: während seiner Ausbildungszeit wurden ihm Probleme im Umgang mit der Disziplin der Schüler testiert. Im Bemühen, dieses Defizit zu überwinden, war sein Umgang mit den Schülerinnen offenbar ins Gegenteil umgeschlagen, besondere Strenge, aber auch Gerechtigkeit waren sein pädagogisches Bemühen. Die richtige Balance dafür zu finden, machte ihm wohl einige Zeit zu schaffen. Sicherlich kam das Schreiben des Rektors nicht ‚aus heiterem Himmel’, es ist wohl zu Recht anzunehmen, dass der Rektor diesbezügliche Gespräche mit Ernst Beck geführt hat, vielleicht zahlreiche, und als er keinen nachhaltigen Erfolg sah, entschloss er sich zur ‚Notbremse’, den Schreiben an das Ministerium.
Es ist nicht überliefert, wie das Unterrichtsministerium auf diese – massiven – Beschwerden reagierte. Es ist aber kaum anzunehmen, dass diese Schreiben einfach ad acta gelegt wurden. Vielmehr ist wohl davon auszugehen, dass Gespräche mit Beck stattgefunden haben, vermutlich sogar mehrere. Zu einer aktenkundigen Abmahnung ist es aber jedenfalls nicht gekommen. Und aus der Tatsache, dass er nicht versetzt wurde, ist zu schließen, dass er die Beschwerden Ernst genommen hatte, die Beurteilung von Weihnachten 1932 enthielt jedenfalls keine Klagen über Beck mehr.

Die Jahre 1933 bis 1936
Aufgrund des „Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums“ vom 7. April 1933 wurde er als Jude im ’vorauseilendem Gehorsam’ des Rektors der Lessingschule – das Gesetz war noch gar nicht in Kraft - schon am Vortag, am 6.4.1933, vom Dienst suspendiert. Mit Schreiben vom 9. Mai 1933 forderte ihn das Ministerium auf, Nachweise über seine Frontkämpfer-Einsätze im Weltkrieg vorzulegen, weil ein solcher Nachweis einer der drei Ausnahmetatbestände nach diesem Gesetz für die Weiterbeschäftigung als jüdischer Beamter war, andernfalls wäre er entlassen worden, wie so viele andere jüdische Beamte, die nicht unter diese Regelungen fielen. Da ihm dieser Nachweis natürlich sofort möglich war, wurde er mit ministeriellem Schreiben vom 29. Mai 1933 wieder in seinen Dienst eingewiesen, den er am 12. Juni 1933 aufnahm. Am 12. September 1934, also nach mehr als einem Jahr, legte er erneut einen Diensteid ab, diesmal auf den „Führer Adolf Hitler“. Das war nun schon sein dritter Amtseid: die erste Vereidigung war am 9. Juli 1910 bei Antritt seiner Lehramtspraktikantenzeit, die zweite am 24. November 1919 nachdem er seine Professorenstelle in Hornberg angetreten hatte.

Im Oktober 1933 zog die Familie Beck von der Sophienstraße 68 in die Mathystraße 26a. Die Gründe für diesen Umzug sind nicht bekannt. Für die Eigentümer des Hauses Sophienstraße 68 hatte Beck über Jahre hinweg die Hausverwaltung wahrgenommen und erhielt dafür ein Honorar von 100 RM im Jahr. Als er nun umgezogen war, wollte er die Hausverwaltung auch weiterhin erledigen, vermutlich war ihm diese Nebeneinkunft wichtig, und beantragte beim Ministerium pflichtgemäß mit Schreiben vom 4. Oktober 1933 die Genehmigung, diese Hausverwaltung weiterhin wahrnehmen zu können mit der Begründung eines besonderen Vertrauensverhältnisses zu Eigentümern und Mietern. Mit Hinweis auf die schwierige Arbeitsmarktlage lehnte das Ministerium – nach vorheriger Konsultation des Arbeitsamtes, das ausführte, es gebe
genügend arbeitslose kaufmännische Angestellte, die das auch könnten – den Antrag ab, spätestens zum 1. Januar 1934 habe er diese Nebentätigkeit aufzugeben.

Im Verfolg der ‚Nürnberger Gesetze’ wurde Ernst Beck – wie alle jüdischen Beamten, die noch im Dienst waren – beurlaubt: der Rektor seiner Schule eröffnete ihm am 4. Oktober 1935 auftragsgemäß vor Unterrichtsbeginn, dass er mit sofortiger Wirkung vom Dienst beurlaubt sei. Mit Schreiben vom 18. Dezember 1936 teilte ihm das Unterrichtsministerium mit, dass er ab 1. Januar 1936 in den Ruhestand versetzt sei. Seine bisherigen Bezüge von 8.400 RM plus 1.080 RM Wohngeld, zusammen also 9.480 RM p.a.(790 monatlich) wurden ihm - vorerst - weiter gezahlt.

Der Direktor der Schule - es war ein Nachfolger des Rektors, der 1930 und 1931 Beschwerdebriefe über Ernst Beck an das Unterrichtsministerium geschrieben hatte, aber ein strammer Nazi - musste einer Klasse bekannt geben, dass ihr jüdischer Lehrer die Schule verlassen habe. Großer Jubel unter den Schülerinnen. Darauf der Schulleiter in scharfem Ton: “ Ich verbiete mir jeglichen Kommentar. Im übrigen können Sie froh sein, bisher einen so guten Unterricht gehabt zu haben“. Gemeint war Ernst Beck, er war zu dieser Zeit der einzige jüdische Lehrer an dieser Schule. Diese Episode beschrieb in einem Aufsatz über die Lessingschule während der Nazizeit in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Lessing-Gymnasiums eine Lehrerin, die damals Schülerin dieser Klasse war und diese Szene selbst miterlebt hatte.

Wenig später, am 1. April 1936, zog die Familie nach Freiburg und nahm Wohnung in der Straße Dreilinden 1. Warum dieser Umzug? Ein Grund konnte nicht ausfindig gemacht werden. Gleichwohl ist anzunehmen, dass er dort Freunde oder Bekannte hatte, Verwandte von ihm lebten dort jedoch nicht. Nachdem er solange in Karlsruhe gelebt hatte, würde er nicht an einen Ort gezogen sein, der ihm fremd war.

In der Familie Burger wurde intensiv diskutiert, wie sich die Familie Beck verhalten und was nun werden solle. Ernst Beck wurde dringend geraten, ins Ausland zu gehen, vorzugsweise in die nah gelegene Schweiz. Aber Ernst Beck lehnte dies strikt ab mit der Überzeugung, ihm könne doch nichts passieren, er sei im Krieg gewesen, habe an der Front gekämpft, habe sogar das EK II bekommen. Er dachte so wie viele andere Juden auch, was später folgte, konnte er nicht erahnen. Auch der Boykott jüdischer Geschäfte und Arzt- und Anwaltspraxen am 1. April 1933, den er in Karlsruhe mit erlebte hatte, der auch den Metzgerladen von Bernhard Beck, einem Verwandten, in Lörrach in der Teichstraße 9 und 14 weitere jüdische Geschäfte in Lörrach ereilte, konnte seine Meinung offensichtlich nicht ändern.

November 1938 – das Ende von Ernst Beck
Am 10. November 1938 wurde Ernst Beck zusammen mit 102 weiteren männlichen Juden im Alter zwischen 16 und 60 Jahren aus Freiburg in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Die Tage 9./10. November 1938 sind in die Geschichtsbücher als „Reichkristallnacht“ oder auch November-Pogrom eingegangen, die Synagogen wurden verwüstet, zerstört, abgebrannt, ungezählte jüdische Geschäfte zerstört und auch geplündert. In das KZ Dachau wurden am 10. November mehr als 1.000 jüdische Häftlinge eingeliefert. Ernst Becks Registrierung erfolgte am 11. November 1938. An den folgenden Tagen erhöhte sich die Zahl auf 11.911, von denen 3.700 aus Österreich stammten.
Ernst Beck erhielt dort die Häftlingsnummer 21884. Die Aufnahmeprozeduren, verbunden mit den üblichen Quälereien und Erniedrigungen, von denen diejenigen berichteten, die Dachau nach Wochen oder Monaten wieder verlassen konnten, zogen sich endlos hin und dauerten insgesamt mehrere Tage. Die Versorgung geriet ins Stocken, und die Hunger leidenden jüdischen Häftlinge mussten tagsüber die Willkür der SS-Männer auf dem Appellplatz über sich ergehen lassen, wo sie entweder zu stehen oder Strafübungen zu absolvieren hatten.


Am 14. November 1938 wurde Ernst Beck im KZ Dachau „auf der Flucht“ erschossen. So jedenfalls die Sterbeurkunde mit dem Todeszeitpunkt „1.00 Uhr“. Im November 1938 kamen außer ihm noch 63 weitere Menschen ums Leben, vom 11. November 1938 bis zum 28. Februar 1939 gab es 243 tote Juden.
Die KZ-Gedenkstätte Dachau teilte auf Anfrage mit, dass sowohl die Todesursache als auch der Todeszeitpunkt fingiert waren, wie in den meisten anderen Todesfällen auch. Die wirklichen Todesumstände und der Zeitpunkt sind nicht bekannt und lassen sich wohl auch nicht mehr aufklären.
Dass Ernst Beck einen Fluchtversuch unternommen haben soll (oder könnte), ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unvorstellbar und unzutreffend: er war viel zu sehr ein pflichtgetreuer Beamter als dass es ihm eingefallen wäre, eine Vorschrift zu übertreten, eine Anordnung nicht zu befolgen, erst Recht unter schier unglaublicher Gewaltbedrohung.
Für die SS-Wachmannschaft gab es ungezählte Möglichkeiten, Häftlinge zu erschießen. Ein Blick in die damals gültige „Disziplinar- und Strafordnung für das Gefangenenlager“, erlassen am 1. Oktober 1933 von dem damaligen berüchtigten KZ-Kommandanten Theodor Eicke, späterer Inspekteur aller Konzentrationslager und Führer der SS-Wachverbände, gibt hinreichend Auskunft darüber:
„§ 12) Wer einen Posten oder SS-Mann tätlich angreift, den Gehorsam oder an der Arbeitsstelle die Arbeit verweigert, andere zum Zwecke der Meuterei zu den gleichen Taten auffordert oder verleitet, als Meuterer eine Marschkolonne oder Arbeitsstätte verläßt, andere dazu auffordert, während des Marsches oder Arbeit johlt, schreit, hetzt oder Ansprachen hält, wird als Meuterer auf der Stelle erschossen oder nachträglich gehängt.
§ 16) Wer nach Eintritt des Zapfenstreiches sich außerhalb seiner Unterkunft bewegt, mit anderen einen Haufen bildet, auf die Aufforderung eines SS-Mannes nicht sofort auseinander geht, nach Eintritt des Alarms nicht sofort seine Unterkunft aufsucht oder während des Alarms die Station verläßt oder die Fenster öffnet, wird vom nächsten SS-Mann oder Posten beschossen.“

Die Enkeltochter von Ernst Beck berichtete, ihre Großmutter Henriette Beck habe sofort nach der Verhaftung ihres Mannes an Rudolf Heß geschrieben, an die gemeinsame Zeit in Alexandria erinnernd, und inständig gebeten, er möge sich doch dafür verwenden, dass ihr Mann schnellstens wieder aus dem KZ entlassen werde und nach Hause komme. Natürlich bekam sie darauf keine Antwort. Ob der Brief Rudolf Heß überhaupt erreicht hat, ist sehr fraglich, aber selbst wenn – nach Tagen -, da war Ernst Beck schon tot. Und auch wenn dieser Brief Heß rechtzeitig erreicht hätte, Heß hätte wohl nichts zugunsten von Ernst Beck unternommen.

Das KZ Dachau hatte damals noch kein eigenes Krematorium. Die Leichname der zu Tode gekommenen Häftlinge kamen in das Krematorium des Münchener Ostfriedhofs und wurden dort eingeäschert. Die Urnen mit der Asche wurden den Angehörigen – gegen Gebühr – zugesandt. So geschah es im Regelfall. Ob es auch bei Ernst Beck so geschah, ist nicht mehr verifizierbar. Aber angenommen, es war auch bei Ernst Beck so, blieb die Urne mit der Asche dann bei der Witwe in ihrer Freiburger Wohnung bis zu ihrem Umzug nach Bad Steben (s.u.)? Wir wissen, dass Ernst Beck zu einem späteren Zeitpunkt seine Ruhestätte auf dem Friedhof von Bad Steben fand, auch mit Grabstein, aber ganz am Rande des Friedhofs, hinter einem Zaun, wie die Enkeltochter berichtete. Nach dem Kriege wurden Grabstein und Urne (?) auf den Friedhof in Nürnberg, wo Henriette Beck mit der Familie ihrer Tochter lebte, überführt.

Vor dem Haus Dreilinden 1 in Freiburg, im Trottoir eingelassen, befindet sich seit 2005 ein „Stolperstein“, der an Ernst Beck erinnert.

Ab Januar 1939 erhielt Henriette Beck eine Witwenrente von monatlich 264,15 RM. Es wird sehr schwer gewesen sein, mit diesem geringen Betrag auszukommen. Ob die Becks noch einige Ersparnisse hatten, ist nicht bekannt. Vielleicht war diese erzwungene äußerste Sparsamkeit auch der Grund, warum Henriette Beck in eine andere Wohnung in Freiburg, nämlich in die Schwarzwaldstraße 6, umzog, die vielleicht billiger war. Aber zum 14. August 1939 gab sie auch diese Wohnung auf und zog nach Bad Steben zu ihrer Familie. Dort lebte sie bis 1950 und zog dann nach Nürnberg zur Familie ihrer Tochter, die 1945 in Bad Steben geheiratet hatte; 1946 wurde die Tochter Eva in Nürnberg geboren. Henriette Beck war noch einige Zeit in Nürnberg in einer Speditionsfirma tätig. Sie lebte in der Wohnung ihrer Tochter bis zu ihrem Tod am 30. November 1976.
In der Familie Burger wurde während der Nazizeit über den Tod von Ernst Beck wenig gesprochen, es war ein „heikles Thema“, wurde berichtet.
Ingeborg Beck starb 1998, 84-jährig, in Nürnberg; ihr Mann war bereits 1994 gestorben.

Fragen über Fragen
Viele Fragen zu Ernst Beck und seiner Familie bleiben – außer den bereits angesprochenen - unbeantwortet, z.B.:
- Welche Hobbies/Interessenbereiche hatte Ernst Beck – außer seiner beruflichen Tätigkeit – neben der schon erwähnten Liebe zum Wandern? Was tat er in seiner Freizeit? War er interessiert an Theater und Konzerten? War er politisch interessiert? (Mitglied in politischen Parteien oder Organisationen war er nachweislich nicht).
- Wo und wie verbrachte die Familie ihre Urlaube?
- Welche Freunde und Bekannte hatten er und seine Frau in Karlsruhe?
- Wie wirkte sich die nach dem 30. Januar 1933 schnell um sich greifende soziale und vor allem gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung der Juden auf Ernst Beck und seine Familie aus? Die Enkeltochter berichtete, ihr Großvater war eng befreundet mit einem Kollegen (von einer anderen Schule); nach der Machtübernahme Hitlers habe sich dieser Freund gänzlich von ihm abgewandt, was ihn sehr tief traf, weil er es von ihm nie erwartet hätte. Ernst Beck verfügte sogar, dass, wenn ihm, Beck, eines Tages etwas zustoßen sollte, dieser vormalige Freund nicht informiert werden solle. Aber das wird nicht die einzige Enttäuschung, die er – und vermutlich auch seine Frau – erlebte, gewesen sein, je weiter die ‚neue Zeit“ Platz griff, um so mehr.
- Wie erlebte er den 10. November 1938, und was erlebte er bis zur Einlieferung in Dachau?
- Wie war es mit seiner Religiosität bestellt? Es steht zu vermuten, dass er seine jüdische Religion kaum noch, wenn überhaupt, praktizierte. Gab es überhaupt noch Besuche in der Synagoge?
- Hatte er noch engen Kontakt zu seinen Verwandten in Lörrach? Auch nach dem Tod seiner Eltern?

Nachtrag zum Schicksal der Lörracher Verwandten:
Ernst Becks jüngste Schwester Berta heiratete den aus Mühlhausen/Elsaß stammenden Lucien Levi, wo die Familie danach auch lebte.
Ernst Becks Schwester Flora heiratete am 29. März 1921 in Lörrach den aus Gartz/Oder (Brandenburg, 30 km südlich von Stettin) stammenden Heinz (Hermann) Selinger, der danach den Betrieb seines Schwiegervaters übernahm. Die Eheleute Selinger hatten zwei Kinder, Max (geboren 1922) und Johanna Amalie (geboren 1923), beide geboren in Lörrach. Alle konnten noch rechtzeitig in die USA auswandern, Max über England. Er wurde in den USA Rabbiner und promovierte dort. Zur Einweihung der neuen Synagoge in Lörrach 2008 kam er, obwohl hochbetagt, nach Lörrach.

Am 22. Oktober 1940 wurden die badischen und saarpfälzischen Juden in einer ‚Nacht- und Nebelaktion’ der Gauleiter Wagner und Bürckel in das südfranzösische Gurs deportiert. Aus Lörrach waren es 50 Personen, darunter
- Adele Beck, geboren 31. März 1884 in Lörrach, ledig. Am 12. August 1942 kam sie mit Transport Nr. 18 vom Sammellager Drancy nach Auschwitz und wurde dort umgebracht.
- Emilie Heilbronner, geboren 23. Oktober 1886 in Ihringen/Kaiserstuhl, Schwester von Elise Beck geborene Heilbronner, bei der sie auch lebte, unverheiratet. Am 12. August 1942 mit Transport Nr. 18 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
- Isaac Beck, geboren 28. Januar 1878 in Lörrach, unverheiratet. Er kam mit Transport Nr. 19 am 14. August 1942 nach Auschwitz und wurde dort umgebracht.
- Ludwig Beck, geboren 2. Juli 1869 in Lörrach, Metzger und Viehhändler, Ehemann von Elise Beck und Vater von Walter Beck . Er starb im Lager Gurs am 26. Dezember 1940.
- Elise Beck geboren Heilbronner, geboren 6. August 1883 in Ihringen/Kaiserstuhl, Ehefrau von Ludwig Beck und Mutter von Walter Beck. Am 28. August 1942 mit Transport Nr. 25 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
- Walter Beck, geboren 22. Januar 1912 in Lörrach, Sohn von Ludwig und Elise Beck, Viehhändler, unverheiratet. Er starb am 16. Dezember 1940 im Lager Gurs.
- Samuel Beck, geboren 1. September 1872 in Lörrach, Kaufmann, unverheiratet. Er starb am 27. November 1940 im Lager Gurs.
- Babette Rieser (Riester) geborene Beck, geboren 18. Juli 1866 in Lörrach, Ehefrau des Metzgers Max Moses Rieser (Riester), der vor der Deportation in Lörrach starb, sie überlebte und starb 1953 in Frankreich.

Von Offenburg wurden am 22. Oktober 1940 u.a. nach Gurs deportiert:
- Judith Geismar geborene Beck, geboren 22.2.1877 in Lörrach, Ehefrau des Metzgers Siegfried Geismar. Sie wurde zusammen mit ihrem Ehemann nach Gurs deportiert, sie überlebte, während er am 4. März 1943 nach Majdanek deportiert und dort umgebracht wurde.

Alle die hier genannten Namensträger Beck waren weitläufige Verwandte von Ernst Beck (die Ururgroßväter bzw. Urgroßväter waren Brüder aus der zweiten Generation).

(Wolfgang Strauß, Februar 2009)