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Albert Gumprich, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Albert Gumprich

Nachname: Gumprich
Vorname: Albert
Geburtsdatum: 9. Oktober 1886
Geburtsort: Karlsruhe (Deutschland)
Familienstand: ledig
Eltern: Eduard und Helene, geb.Münzesheimer, G.
Verwandtschaftsverhältnis: Bruder von Johanna (20.3.1879), Josef (25.5.1880), Emilie (5.11.1881), Adolf (27.5.1884) und Max
Adresse: Kreuzstr. 21
Schule/Ausbildung: 1897-1901: Humboldt-Realgymnasium, bis Untertertia
Beruf: Buchhalter (bei Kaufhaus Geschwister Knopf)
Kaufmann
Deportation: 11.11. - 22.12.1938 in Dachau (Deutschland)
22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
Sterbedatum: 11. März 1941
Sterbeort: Gurs (Frankreich)

Biographie

Albert Gumprich

Albert Gumprich wurde am 9. Februar 1886 als sechstes Kind des Ehepaares Eduard Gumprich und Helene, geborene Münzesheimer, in Karlsruhe geboren. Die Eltern hatten am 21. Mai 1878 in Karlsruhe geheiratet. Sie wohnten zunächst in der Waldhornstraße 48, zum Zeitpunkt von Alberts Geburt lebte die Familie in der Werderstraße 21, zog aber schon vier Jahre später in das von ihnen neu errichtete Mietshaus Kreuzstraße 21 ein. Albert blieb sein ganzes Leben ledig.

Der Vater Eduard Gumprich war eine hervorzuhebende Persönlichkeit. Er war am 30. Oktober 1852 geboren worden. Er war der Sohn der selbstständigen Kleiderhändlerin Johanna Gumprich, welche nie verheiratet war. Für Juden galt zwar in Baden seit 1862 die staatsbürgerliche Gleichberechtigung, doch war es keine Selbstverständlichkeit für sie, in höhere staatliche oder kommunale Stellungen zu gelangen. Eduard wurde städtischer Beamter, Stadtsekretär, schließlich gar Hauptsekretär im Bürgermeisteramt und damit einer der bedeutenden leitenden Beamten der Stadt. Seit 1870 wurden in Baden zivile Standesregister geführt, für die örtlich der Bürgermeister Verantwortung trug. Infolge der Arbeitsteilung erledigten diese Aufgaben später spezielle Standesbeamte. Eduard Gumprichs Beurkundungen für Geburten, Heiraten und Tod liegen vor allem während der 1880er Jahre zahlreich vor. Zugleich war er auch in das Leben der Jüdischen Gemeinde Karlsruhes eingebunden. Durch diese berufliche wie private Einbindung veröffentlichte er 1898 die fast halbamtlich zu bezeichnende Druckschrift „Ein Stück Alt-Karlsruhe, Der alte israelitische Friedhof 1723-1826, dessen Zwangsenteignung und Ausgrabung 1898.“
Er berichtet darin als Chronist neutral von den Anfängen des ersten jüdischen Friedhofes in Karlsruhe beim Mendelssohnplatz bis zur Schließung 1826 und schließlichen Einebnung 1898 für neue städtebauliche Planungen. Ihm standen dafür Informationen zur Verfügung, die heute nicht mehr vorhanden sind, so dass durch ihn zugleich ein bedeutender historischer Überblick zum jüdischen Friedhof vorliegt. Eduard Gumprich starb am 22. September 1933 in Karlsruhe.

Von den Geschwistern Albert Gumprichs ist nicht allzu viel bekannt. Die Erstgeborene, Schwester Johanna, verheiratete Wildberg, wurde am 20. März 1879 geboren. Sie heiratete Sigmund Wildberg, welcher in Baden-Baden wohnhaft war. Sowohl Johanna als auch ihr Mann wurden von dort am 22. Oktober 1940 zusammen mit den anderen badischen Juden deportiert. Johanna starb noch am 30. November 1940 in Gurs, während ihr Mann am 16. Januar 1942 in Récébédou starb.

Emilia, verheiratete Ernstein, wurde am 5. November 1881 geboren. Sie heiratete Leopold Ernstein und hatte mit ihm zwei Kinder, Erna Karola und Friedrich. Die Familie sah sich gezwungen Deutschland zu verlassen, konnte noch vor 1938 nach Palästina emigrieren. Genaue Daten über „Emmy“, wie sie laut ihrer Tochter liebevoll genannt wurde, sind nicht bekannt.

Von den zwei anderen älteren Geschwistern, Josef (geboren am 25. Mai 1880) und Adolf (geboren am 27. Mai 1884) ist nichts bekannt. Ihr Tod in Karlsruhe konnte nicht festgestellt werden. Da sie im Geburtenregister nicht nachträglich den Beinamen „Israel“ standesamtlich eingetragen bekamen wie es die „Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ vom 17. August 1938 vorsah, kann angenommen werden, dass sie 1939 entweder bereits verstorben waren oder aber im Ausland lebten.

Todesopfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung aus der Familie waren allein Albert sowie seine Schwester Johanna.

Der jüngste Sohn der Familie, Max Gumprich wurde am 13. Juli 1885 geboren. Nach Besuch des Gymnasiums (Bismarck-Gymnasium) und Medizinstudium an den Universitäten Heidelberg, Berlin und München wurde er praktischer Arzt mit eigener Praxis in der Erbprinzenstraße 1, später in der Gartenstraße 11. Unter dieser Adresse wohnte er auch. Max Gumprich wurde mit Beginn des Ersten Weltkriegs eingezogen und leistete als Militärarzt seinen Dienst für das Deutsche Reich. Dabei wurde er bereits bei der ersten Schlacht an der Somme am 30. September 1914 schwer verwundet. Er verlor sein rechtes Bein und linkes Auge, war fortan Kriegsversehrter mit versorgungsrechtlicher Anerkennung von 150 %. 1918 heiratete er die Protestantin Else Frystatzki. Durch diese so genannte privilegierte Mischehe wurde er im Nationalsozialismus vor einer Deportation bewahrt. Dr. Max Gumprich starb am 20. Mai 1949 in Karlsruhe.

Albert Gumprich besuchte das Realgymnasium. Doch die Schulzeit an der Humboldt-Schule in Karlsruhe war nicht nur von Erfolgen geprägt. In der Quinta, welche er im Schuljahr 1897/98 besuchte, bekam er überwiegend schlechte Noten, vor allem in Mathematik und Freihandzeichnen. Nach einem Klassenwechsel und der Wiederholung der achten Klasse besuchte er im Schuljahr 1900/1901 die Untertertia. Hier besserte sich seine Leistung etwas, obwohl die schlechten Noten in Mathematik und Freihandzeichen beständig blieben. Nach diesem Jahr verließ er die Schule und begann eine kaufmännische Lehre bei der Firma I.K. Marx in Bruchsal. Nach Beendigung trat er als kaufmännischer Angestellter in das Warenhaus der „Geschwister Knopf“ in Karlsruhe ein.

Im Mai 1915 wurde Albert Gumprich als Soldat einberufen, wo er bis September 1918 Kriegsdienst leisten musste. Der letzte bekannte Truppenteil war das Reserve Infanterie Regiment 234. Hier hatte er den einfachen Dienstgrad eines Musketier - Schütze - inne. Im Gegensatz zu seinem Bruder Max, sind bei Albert keine Kriegsverletzungen bekannt.

Laut den Berichten der Nichte Erna Karola, geborene Ernstein, welche sich nach 1945 im Wiedergutmachungsverfahren für Albert Gumprich engagierte, arbeitete dieser, ausgenommen die Kriegsjahre, mehr als 25 Jahre bei den „Geschwister Knopf“. Dort führte er als kaufmännischer Angestellter die Filialbücher in der Abteilung für en gros. Er soll zuletzt 250 bis 300 RM monatlich verdient haben. Folglich war Albert Gumprich, in der Hierarchie betrachtet, allenfalls ein mittlerer Angestellter. Er wohnte zeitlebens im elterlichen Haus in der Kreuzstraße 21, das nach deren Tod an die Erbengemeinschaft der Kinder übergegangen war, in der elterlichen Wohnung im 3. Obergeschoss.

Albert Gumprich gehörte zu den jüdischen Männern, die am Morgen nach der Reichspogromnacht verhaftet und nach dem KZ Dachau deportiert wurden. Am 11. November 1938 wurde er dort mit der Häftlingsnummer 20914 registriert. Die Haft im KZ sollte die jüdischen Männer durch Gewalt und Schikane demoralisieren und sie zum Ausreisen aus Deutschland bewegen, um das nationalsozialistische Ziel Deutschland „judenrein“ zu machen zu erreichen. Wer seinen Willen zur Emigration glaubhaft machte, wurde früher aus dem KZ entlassen, oft nach zwei Wochen. Nur wenige der Männer aus Karlsruhe mussten länger als vier Wochen in Dachau verbringen, darunter aber Albert Gumprich. Er kehrte erst am 22. Dezember 1938 wieder nachhause zurück. Welch schlimme Erlebnisse er dort erfahren haben muss, geht allein aus der Information der Nichte Erna Karola hervor, dass Albert in Dachau schwerste Misshandlungen erfahren und seither an einer Gesichtslähmung gelitten habe.

Am 22. Oktober 1940 wurden nahezu alle badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs deportiert. Darunter befand sich auch Albert Gumprich. Nähere Umstände über sein Leben im Lager liegen nicht vor. Die allgemeinen katastrophalen Bedingungen in Gurs mit fehlenden Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Hygiene sind dagegen bekannt, über 600 der 6.500 Deportierten vom 22. Oktober starben im ersten Winter unter diesen Umständen. Albert Gumprich starb ebenfalls in Gurs unter nicht bekannten Umständen am 11. März 1941.

Als Haupterben beim Wiedergutmachungsverfahren wurden zu jeweils 1/2 sein Bruder Dr. med. Max Gumprich und seine Schwester Emilia Ernstein berücksichtigt. Beide waren jedoch zu dem Zeitpunkt, als das Erbe angetreten werden sollte (1956), bereits verstorben. An ihrer Stelle traten die beiden Kinder der Schwester Emilia das Erbe an.

Erna Karola bemühte sich mit großer Anstrengung aus Tel-Aviv um die Wiedergutmachung für ihren Onkel Albert Gumprich. Man kann nur erahnen was für ein Trauma das Geschehene bei der Nichte hinterlassen haben musste, wenn selbst tausende Kilometer noch zu nah sind um Abstand zu der Erinnerung zu gewinnen.

( Selina Rastetter, Oktober 2012, Humboldt-Gymnasium Karlsruhe Kursstufe 2)