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Simon Alexander Grünhut, um 1920 (Foto: privat)

Personendaten

Simon Alexander Grünhut

Nachname: Grünhut
Vorname: Simon Alexander
Geburtsdatum: 10. März 1867
Geburtsort: Waag Sellye (Vágsellye) (Österreich-Ungarn, heute Slowakei)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Jakob und Regine G.
Verwandtschaftsverhältnis: Ehemann von Margarete G.;

Vater von Rosel Preis, geb. G.
Adresse: Karl-Wilhelm-Str. 66, 1903 von Mainz zugezogen
Gerwigstr. 21
seit 1909: Reinmuthstr. 30, 1937 nach Wien verzogen
Schule/Ausbildung: Konditorlehre
Beruf: Fabrikant (für Zuckerwaren)
Deportation: 22.7.1942 von Wien nach Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)
Sterbedatum: Januar 1944
Sterbeort: Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)

Biographie

Simon Alexander Grünhut

Im Geschichtsunterricht beschäftigten wir, die Klase 10a der Drais-Realschule, uns in einem Projekt mit dem Schicksal der Juden, insbesondere der Karlsruher Juden. Hierzu gab uns der Schulleiter Herr Peter Baumbusch den Anstoß. Im Rahmen dieser Arbeit besuchten wir das ehemalige Konzentrationslager Struthof im Elsass und luden Hans Clauser zu einem Vortrag über das Leben des Großvaters seiner Ehefrau, Simon Alexander Grünhut, ein. Er war einer der über 1.000 jüdischen Karlsruher Bürger, die in der Zeit des Nationalsozialismus umgebracht worden sind. Die Präsentation der Recherchen erfolgte am 9. November 2001 bei einer Mahnwache zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 63 Jahre zuvor an der ehemaligen jüdischen Synagoge in der Kronenstraße.

Lebenslauf
Simon Alexander Grünhut wurde am 11. März 1869 in Waag Sellye, damals Österreich-Ungarn geboren; heute gehört der nahe Bratislava gelegene Ort zur Slowakei. Die Eltern von Simon Grünhut waren Jakob Grünhut, Kaufmann, und Regine Grünhut, Hausfrau. Simon Grünhut war jüdischer Abstammung, ließ sich später jedoch in Knielingen evangelisch taufen. Davor lag ein Lebensweg mit vielen Windungen. Direkt nach der Schule war er 1882 nach Budapest gegangen, 1890 in die Herzegowina und 1894 zurück nach Budapest. Er zog mit einem eigenen Verkaufswagen auf die Märkte und Jahrmärkte, wo er Zuckerwaren verkaufte. 1895 ging er in das Deutsche Reich nach Mainz, absolvierte eine ordentliche Lehre als Konditor und erhielt 1903 nach bestandener Meisterprüfung den Meisterbrief. Im selben Jahr wandte er sich dann nach Karlsruhe, ehe er sich 1909 in Knielingen niederließ, damals noch selbständige Gemeinde, die erst 1935 nach Karlsruhe eingemeindet wurde. Immer noch besuchte er die großen Messen und Jahrmärkte und muss dabei einen guten Umsatz gemacht haben, hatte es zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg setzte er einen anderen Plan um. Anstatt selbst die Märkte zu befahren, baute er eine Zuckerwarenfabrik auf, in Knielingen in seinem Haus in der Reinmuthstraße.
Der Weltkrieg bedeutete erst einmal einen Einschnitt - 1914-1918 musste er als österreichischer Feldwebel daran teilnehmen - ehe er dann seine Fabrik ausbauen konnte. Selbst in den schwierigen Jahren nach 1920 beschäftigte er 8 bis 10 Arbeitskräfte darin, später, vermutlich waren es die so genannten Goldenen Zwanziger (etwa 1925 bis 1929 bis zur großen Krise) sollen es sogar bis zu 20 gewesen sein.

Geheiratet hatte er bereits am 16. Juni 1902 in Mainz, Margarete Juliane Höfer, die Tochter des Konditors Friedrich Höfer aus Schwetzingen, sie war protestantischer Konfession. Am 14. April 1903 wurde die einzige Tochter von Alexander Simon und Margarete Grünhut, Rosa, auch Rose genannt, geboren. Diese heiratete am 22. März 1923 den Lehrer Willy Preis. Aus dieser Ehe wurde wiederum die Tochter Ingeborg Preis, verheiratete Clauser, geboren. Am 13. Oktober 1936 starb Margarete Grünhut beim Einkaufen. Ihre Tochter Rosel Preis geborene Grünhut, starb 1983 in Karlsruhe.

Eine kleine Anekdote belegt: Simon Alexander Grünhut war ein Opa wie aus dem Bilderbuch.
Kurz vor Weihnachten, irgendwann in den dreißiger Jahren stand Simon Alexander Grünhut mit seiner Enkelin vor dem Spielwarengeschäft Döring in Karlsruhe. Da die Enkelin sehr schüchtern war und nie sagte, wenn sie sich etwas wünschte, stand sie stumm vor dem Schaufenster und schaute sehnsüchtig auf eine wunderschöne Puppe. Opa Simon bemerkte dies, denn er konnte ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen.
Einige Wochen später kam dann das Weihnachtsfest. Unter dem Weihnachtsbaum lag eine Puppe. Es war die ersehnte Puppe aus dem Schaufenster.
Simon Alexander war ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch. Er war fußballbegeistert, und wenn eine ungarische Fußballmannschaft in Karlsruhe war, veranstaltete er immer ein großes Fest. Weiterhin liebte er das Kartenspiel. Er traf sich oft gegen Abend mit seinen Freunden, um ein paar Runden Skat zu spielen. Im Jahr 1918 ersteigerte er nur zum Spaß eine großherzogliche Kutsche, die er später an einen Filmverlag verkaufte.
Aber zurück zum Lebenslauf. 1936 nach dem Tod seiner Frau Margarete ging Simon Alexander Grünhut 1937 nach Wien, um seine Familie zu schützen. Hier lebte er die nächsten Jahre in bescheidenen Umständen. Die nationalsozialistischen Machthaber verfolgten nach dem Anschluss Österreichs zunächst das Programm, die Juden Österreichs aus dem Land zu vertreiben. Doch wohin hätte Simon Alexander Grünhut gehen sollen? Dann folgten die planmäßigen Deportationen. Am 22. Juli 1942 wurde er in einem der Züge nach dem KZ Theresienstadt verbracht.

Simon Alexander Grünhuts Enkelin Ingeborg hatte 1943 Konfirmation. Sie hoffte darauf, dass ihr Opa deshalb zu Besuch kommen würde.
Als er nicht kam, war erst einmal jede Hoffnung erloschen. Doch der Briefträger brachte kurze Zeit danach eine Nachricht in Form einer Postkarte von ihm.
Ingeborg war froh, wieder ein Lebenszeichen zu haben. Doch es war keine gute Nachricht. Dem sonst so glücklichen und lebensfrohen Mann ging es sehr schlecht, weil ihn ständig der Hunger plagte. Zwar schreibt er auf der Postkarte: "Ich kann jederzeit Kaffee trinken", doch dies waren genau die verabredeten Worte, die darauf hinwiesen, dass es ihm sehr schlecht gehen musste. Die Familie hörte ab diesem Zeitpunkt nie wieder etwas von ihm.

Simon Alexander Grünhut starb im Januar 1944 in Theresienstadt. Er wurde am 12. Januar 1944 eingeäschert. Seine Asche wurde in den Fluss Eger geworfen. Die vermutliche Todesursache war Verhungern.

(Melanie Clour, Daniela Turek und Michèle Moreau, Schülerinnen der Klasse 10a – Jahrgang 2001/2002 - der Drais-Realschule)