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Anna Goldberger, verh. Groß, Porträt in der "Judenkennkarte" 1938

Personendaten

Anna Groß

Nachname: Groß
geborene: Goldberger
Vorname: Anna
Geburtsdatum: 27. April 1920
Geburtsort: Königsbach/Pforzheim (Deutschland)
Familienstand: verheiratet
Eltern: Josua und Lina G.
Verwandtschaftsverhältnis: Ehefrau von Jacob Werner G.;

Schwester von Manfred
Adresse: Kaiserstr. 162
Zähringerstr. 50
1940: Markgrafenstr. 34
Beruf: Krankenschwester (Krankenpflegerin)
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
10.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Anna, geborene Goldberger, und Jacob Werner Groß mit ihren Familien

Letztes Jahr wandte sich der Neffe von Anna Groß, geborene Goldberger, an das Stadtarchiv. Er wusste praktisch nichts über sie und ihre Familie, allein Familienfotos sind in seinem Besitz.
Eines davon zeigt die vierköpfige Familie Goldberger um 1929/1930, wahrscheinlich auf einer Familienfeier, da alle festlich gekleidet sind.
Die Tochter Anna sitzt mit einem weißen Kleid und geflochtenem Haar auf einem Stuhl, hinter ihr stehen ihr kleiner Bruder Manfred und ihre Eltern Lina und Josua.
Auf einem weiteren Foto sieht man die 18-jährige Anna in der Berufskleidung einer Krankenpflegehelferin, da sie auch eine dementsprechende Ausbildung absolviert hatte.
Dann gibt es noch ein Foto von ihr mit ihrem Bräutigam Jacob Werner Groß. Beide schauen sich tief in die Augen und Anna lächelt ihn dabei zärtlich an. Hier wirkt nichts gestellt, sondern eher wie ein Schnappschuss einer Situation im gemeinsamen Gespräch.
Im Gedenkbuch für die Karlsruher Juden sind häufig allein Porträts aus offiziellen Kennkarten und Pässen, so dass diese privaten Bilder die Ausnahme darstellen. Sie machen neugierig und stellen die Frage, ob etwas mehr zu den abgebildeten Menschen zu erfahren ist.

Der Tabakwarenhändler Josua Goldberger kam am 27. Oktober 1871 in Ermershausen, der heutigen kleinsten Gemeinde Unterfrankens, als Sohn des Handelsmannes Abraham Moses und Karoline, geborene Weill, auf die Welt.
Über Josuas Lebensweg ließ sich nichts in Erfahrung bringen. Vielleicht hat er schon einmal geheiratet, doch das weiß man nicht. Aber eines ist sicher, der junge Mann begab sich irgendwann nach Baden.
Seine spätere Ehefrau Lina Goldberger, geborene Grünhut, war am 9. Januar 1895 in Neckarbischofsheim geboren. Zusammen mit ihrer elterlichen Familie ging sie aber bald nach Königsbach bei Pforzheim.
In Königsbach lebten bereits im 18. Jahrhundert zahlreiche jüdische Familien und stellten im 19. Jahrhundert bis zu 10 Prozent der Wohnbevölkerung, vergleichsweise eine Gemeinde mit den höchsten Anteilen jüdischer Bevölkerung in Baden.
Lina Grünhut gebar am 27. April 1920 in Königsbach ihr erstes Kind, Anna.
Sechs Jahre später, am 10. Juni 1926 heiratete sie dann mit 29 Jahren den 52-jährigen Josua in Königsbach und beide bauten sich dort ihre Existenz auf.
Josua stieg unverzüglich in das familiäre Geschäft ein. Der Schwager Samuel Grünhut betrieb in Stuttgart eine Zigarettenfabrik und der Schwiegervater Simon Grünhut betätigte sich im Öl- und Fetthandel, den Firmensitz aber hatte er in Karlsruhe in der Zähringerstraße 44. Diese Entfernung schien eine zeitlang kein Problem zu sein. Trotzdem zog die gesamte Familie 1926 nach Karlsruhe.
Die Zigarettenfabrik des Schwagers Samuel in Stuttgart musste aufgegeben werden. Dafür aber übernahm Samuel das Geschäft seines Vaters und Josua Goldberger blieb in der Tabakbranche, im Handel mit Rauchwaren.

Am 15. September 1926 kam dann auch das zweite Kind, Manfred Goldberger in Karlsruhe auf die Welt. Zu der Zeit lebten die Goldbergers noch in der Südstadt, in der Winterstraße 27.
Josua betrieb weiterhin die „Tabakwarengroßhandlung Grünhut“, das heißt, er dachte nicht daran, den alteingeführten Namen aufzugeben. Die Firma vertrieb Zigaretten und Zigarren an Einzelhändler und machte ein Geschäft auch mit der Vermietung der neumodischen Zigarettenautomaten.
Die Goldbergers konnten wohl vom Einkommen existieren, gerieten dann aber während der Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten, wie viele andere Geschäfte zu der Zeit auch und es brauchte ziemlich lange, bis sie sich wieder stabilisieren konnten.
Nach dem Konkurs schafften es die Goldbergers dennoch die Großhandlung neu zu eröffnen, allerdings verschlechterte sich das Geschäft kurz nach 1933, mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, da seine Ideologien, unter anderem der Antisemitismus, dramatisch ihren Lauf nahmen.
Ab Ende 1938 durften dann jüdische Betriebe nicht mehr existieren.
Die Tabakwarenhandlung aber hatten die Goldbergers schon 1937 aufgeben müssen, da sie immer weniger Umsatz machte. Die Rauchwaren waren ein umkämpfter Markt und hier waren zahlreiche nicht-jüdische Händler und Erzeuger froh, Konkurrenten loszuwerden.

Drei Jahre später, am 15. März 1940 starb der Familienvater Josua Goldberger im Alter von 68 Jahren in Karlsruhe. Da waren die beiden Kinder noch nicht volljährig und mussten ihre Wohnung in der Winterstraße verlassen, da Juden 1939 nicht mehr länger als Mieter nicht-jüdischer Häuser geduldet waren und hatten Unterkunft in der Zähringerstraße 50 nehmen müssen, ein so genanntes Judenhaus.
Manfred, der Jüngste der Familie, besuchte noch von 1933 bis 1935 die Volksschule in Karlsruhe, aber danach musste auch er, wie alle jüdischen Volksschulkinder zwangsweise auf die Jüdische Schule, bis 1938 in der Markgrafenstraße, danach in Gemeinderäumen in der Kronenstraße 15, die er bis 1940 besuchte.
Seine Schwester Anna absolvierte nach der Volksschule eine Ausbildung zur Pflegehelferin und gab 1939 als Beruf Krankenpflegerin an. Doch als Jüdin hatte auch sie nicht mehr die Gelegenheit in einer nicht-jüdischen Einrichtung zu lernen. Wo sie arbeitete ist nicht nachweisbar.
Anna heiratete am 4. Mai 1939 im Alter von 19 Jahren den Ingenieur Jacob Werner Groß, ebenfalls jüdischer Konfession.
Jacob Werner Issack Groß wurde am 3. August 1900 als Sohn des Kaufmanns Leo Groß und der Hausfrau Jenny Groß, geborene Joachimsthal (geboren am 17. Juni 1873 in Leipzig) in Leipzig geboren und hatte einen zwei Jahre jüngeren Bruder Fritz.
Jacob Werner Groß besuchte sechs Jahre lang die Jacobson-Schule zu Seesen am Harz, eine Realschule (seit 1862) und ein (Reform-) Realprogymnasium (seit 1903).
Diese Schule war 1801 als „Institut für arme Juden-Kinder“ vom jüdischen Landrabbiner und Lehrer Israel Jacobson (1764-1828) als Industrieschule (neben Schreiben und Rechnen, Aneignung praktischer handwerklicher Fertigkeiten) gegründet worden.
Nach seinem Abschluss auf der Jacobson-Schule zog Werner (sein Rufname) im Winter 1919 ins östlich gelegene Chemnitz, um auf die dortige Gewerbezeichenschule zu gehen. Im Winterhalbjahr 1919/1920 besuchte er die Abteilung für Projektionszeichen und erhielt am 20. April 1920 sein Abschlusszeugnis, welches ihn als sehr guten Schüler ausweist, denn für sein Fleiß und sein Verhalten bekam er die Schulnote „sehr gut“ und für seine Leistungen die Schulnote „gut“.
Im selben Jahr zog der 20-jährige Werner nach Bingen und besuchte bis 1922 das Rheinische Technikum, da er den Beruf des Maschinentechnikers ausüben wollte.
Seine Prüfungen vom 7. September bis zum 20. September 1922 bestand der angehende Ingenieur im Schnitt mit „gut“. Sein bestes Fach war die Maschinenbaukunde mit „recht gut“ („sehr gut“) und seine zwei schlechtesten Fächer waren die Wärmelehre und die Festigkeitslehre, auch Elastostatik genannt, die er mit „genügend“ („ausreichend“) absolviert hatte.
Ab diesem Zeitpunkt konnte Werner Groß als Maschinentechniker tätig werden und begann somit zwei Jahre später, am 1. Juli 1924 bei der Roland Fräsmaschinen-Fabrik GmbH in Leipzig zu arbeiten. Als er die Firma auf eignen Wunsch verließ, erhielt er am 30. April 1930 ein Arbeitszeugnis, in dem man ihn als sehr zuverlässigen Mitarbeiter beschreibt und sich für seine Dienste, insbesondere bei den Ausstellungen auf der Technischen Messe in Leipzig, wo er die Firma repräsentieren musste, bedankt.
1934 zog dann Jacob Werner Groß nach Karlsruhe und arbeitete bei der „Eisen- und Metallmanufaktur Rosenberger & Co.“ im technischen Betrieb. Als er aber am 31. Oktober 1938 entlassen wird, wird dies im Zeugnis wie folgt begründet:
„Wir müssen Herrn Groß nur wegen der allgemein zwingenden Verhältnisse entlassen, was wir sehr schmerzlich empfinden.“
Die antisemitische Politik der Nationalsozialisten zwang die Arbeitgeber dazu, ihre jüdischen Angestellten zu entlassen. Das, obwohl Werner Groß als „tüchtiger und in jeder Hinsicht brauchbarer Mensch“ empfunden wurde.
Die verwitwete Mutter Jenny Groß hatte bis 1936 in Leipzig gelebt und kam dann nach Karlsruhe zu ihrem Sohn Werner, zog aber sogleich in die Schweiz nach Basel weiter. Die 63-jährige, pflegebedürftige Frau wurde dort vom Sohn Werner mit monatlich 200 Reichsmark unterstützt. Dies ging aber nur bis zu seiner Entlassung, dann fehlten ihm selbst die Mittel.
Der jüngere Bruder Fritz war noch vor Kriegsbeginn nach Südamerika, Bogotá in Kolumbien emigriert und unterstützte von dort aus so gut es ging.
Das erste Jahr der Ehe zwischen Anna Goldberger und Jacob Werner Groß blieb ohne Kinder, dann kam auch schon das Schrecken vom 22. Oktober 1940 und trennte sie voneinander.

Der 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des jüdischen Laubhüttenfestes Sokkoth, aber ebenso der letzte Tag des Zusammenseins für fast alle badischen und pfälzischen Judenfamilien, denn in dieser Nacht wurde die jüdischen Bevölkerung aus Baden und der Saarpfalz in das Internierungslager Gurs im Südwesten Frankreichs deportiert.
Schon am frühen Morgen stand die Gestapo vor der Tür und forderte die noch nichts ahnenden Juden auf, ihre Sachen zu packen. Dabei erlaubten sie ihnen nur 50 Kilogramm Gepäck, die Mitnahme von 100 Reichsmark und Proviant für ein paar Tage.
Nachdem die Karlsruher Juden an den Sammelplätzen antrafen, wurden sie mit der Straßenbahn oder mit Lkws zum Hauptbahnhof gefahren und kamen von dort aus ins Internierungslager Gurs in Frankreich.
Insgesamt wurden in dieser Nacht 6504 Juden aus Baden und der Saarpfalz und allein aus Karlsruhe 923 Juden deportiert.
Gurs war im Frühjahr 1939 eigentlich für geflüchtete Spanienkämpfer eingerichtet worden, bei Kriegsbeginn im September 1939 wurden dann auch unerwünschte Ausländer und französische Kommunisten eingeliefert. Das Internierungslager war durch seine Bauweise und wegen des Klimas am Nordrand der Pyrenäen in keiner Weise für die Aufnahme von tausenden Juden, darunter zahlreiche ältere Menschen, geeignet. Aus Platzmangel mussten viele Menschen wochenlang auf dem kalten Boden schlafen. Folglich war dann auch die Sterberate vor allem im Winter sehr hoch.
Nach der Ankunft im Internierungslager wurden Männer und Frauen voneinander getrennt. Kinder bis zum 12. Lebensjahr durften noch bei ihren Müttern bleiben. Dies bedeutete für den 14-jährigen Manfred eine grausame Trennung von der Mutter Lina und der Schwester Anna.
Da französische und ausländische Hilfsorganisationen versuchten in den zahlreichen Internierungslagern Frankreichs zu helfen, kam Manfred dadurch nach fast einem Jahr aus Gurs heraus.
Manfred wurde am 8. September 1841 aus dem Lager Gurs mit vier oder fünf Kindern unter der Leitung des Schweizer Roten Kreuzes (SRK) aus Gurs in das 626 Kilometer weit entfernte Le Chambon sur Lignon gebracht und fand Unterkunft in einem dortigen Kinderheim des Schweizer Roten Kreuzes mit insgesamt 20 Kindern, unter ihnen sieben Juden.
Das Kinderheim wurde von einer geflüchteten Spanierin namens Juliette Usach geleitet, aber nicht nur Kinder fanden Schutz im Kinderheim, auch ein älterer jüdischer Mann aus Österreich lebte zusammen mit den Kindern im Heim.
Zum 1. Januar 1942 wurden die verschiedenen schweizerischen Kinderhilfsorganisationen in der „Kinderhilfe des Schweizer Roten Kreuzes“ (SRK, Kh) zentralisiert. Die Leitung des SRKs verlangte strikte Neutralität von ihren Mitarbeitern. Dies fiel den Helfern in Frankreich nicht leicht, da ab Sommer 1942 die Deportationen von Juden in den Tod anfingen.
Über das Leben im Lager von Lina Goldberger, ihrer Tochter Anna und ihrem Schwiegersohn Werner ist nichts überliefert worden. Allerdings ist gut vorstellbar, dass sie bis zuletzt hofften, aus dem Lager herauszukommen und zu ihren Verwandten in die USA oder Südamerika gelangen zu können. Dies war aber nur dann möglich, wenn Geld und Papiere vorhanden waren. Für Samuel Grünhut, Lina Goldbergers Bruder, öffnete sich dieser Weg. Im März 1941 kam er aus Gurs in das Transitlager Les Milles bei Marseille – Internierungslager für diejenigen, die ihre Ausreise mit Aussicht aus Erfolg betreiben konnten – und Anfang Januar 1942 gelang es ihm mit dem Schiff in die USA zu kommen.
Lina Goldberger, Anna und Jacob Werner Groß hatten dieses Glück nicht. Alle drei wurden mit dem ersten Zug aus Gurs nach Auschwitz deportiert und seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr von ihnen.
Es ist davon auszugehen, dass sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden sind.

Nachtrag:
Manfred Goldberger war zu diesem Zeitpunkt noch im Kinderheim in Chambon-sur-Lignon. Er bezeichnete dies später als Ort der Menschlichkeit, trotz der häufigen Untersuchungen von der französischen Gendarmerie. Manfred berichtete sogar, dass eines Tages, im Jahre 1943 die französische Polizei mit einem Zivilisten vor der Tür stand und nachsehen wollte wer alles im Haus war. Den alten jüdischen Mann aus Österreich nahmen sie mit, doch nach wenigen Tagen kam er wieder zurück, weil er unter dem Schutz des SRKs stand.
Später wurden zwei Pastoren und ein Schulleiter aus der Gegend verhaftet, weil sie Juden halfen. Deshalb schickte Madmoiselle Usach, die Leiterin des Kinderheims, die jüdischen Kinder, die nicht mehr sicher waren, bei Herannahen von Uniformierten für drei bis vier Stunden in den nahe gelegenen Wald. Dabei hatte sie den Kindern eingeschärft, wenn vor dem Kinderheim die französische Flagge gehisst war, dann bedeutete das für die Kinder, dass sie im Wald bleiben sollten, da Gefahr drohte. Doch wenn die schweizerische Flagge gehisst wurde, durften die Kinder wieder zurück ins Heim, denn dies bedeutete für sie Sicherheit. Im August 1944 versteckte sich Manfred bei einem Bauern, dessen Haus mehrmals durchsucht wurde, ob sich Widerstandskämpfer (Resistance-Leute) darin versteckten. Dabei musste sich der inzwischen 18-jährige Manfred im Heu verstecken, da die Unsicherheit nochmals gefangen zu werden, viel zu groß war. Manfred lebte und arbeitete auch bei den Bauern, doch blieb immer noch unter dem Schutz des Schweizer Roten Kreuzes. Nach der Befreiung im Sommer 1944 lebte er in einem Kinderheim in Montluel, ehe er 1946 volljährig auf sich gestellt wurde. Er konnte als Gärtner arbeiten und sich somit seine Unterkunft leisten. Währenddessen konnte er auch Kontakt zu seinem Onkel Samuel Grünhut in den Vereinigten Staaten aufnehmen. Mit der Unterstützung des SRKs und den Bemühungen seines Onkels konnte Manfred Goldberger 1947 in die USA emigrieren und arbeitete dort als Angestellter in einer Fleischwarenfabrik.

Fritz Groß konnte in Kolumbien nur schwer Fuß fassen, es gelang ihm lange Zeit nicht, seine Mutter, die in der Schweiz auf sich allein gestellt war zu unterstützen. Über sein weiteres Schicksal wurde nichts bekannt.

Jenny Groß lebte allein in Basel. Ohne Unterstützung ihrer Kinder blieb sie auf die Fürsorge und die Unterstützung jüdischer Hilfsorganisationen angewiesen. Sie wurde in der Schweiz nicht eingebürgert, aber erhielt 1950 den Aufenthaltsstatus „Dauerasyl“. Drei Jahre später stellte sie Entschädigungsanträge nach dem Bundesentschädigungsgesetz. Die dabei zugesprochene Geldsumme wurde für die von der schweizerischen Armenpflege bis dahin geleisteten und künftig zu leistenden Unterstützung verwendet. Zuletzt lebte Jenny Groß im Altenheim „La Chamille“ im Basler Vorort Riehen und starb dort am 6. September 1965.


Dies sind die Spuren, die Anna und Jacob Werner Groß samt ihren Familien hinterlassen haben. Es sind außer den Fotos allein amtliche Dokumente, die sich heute in Archiven befinden. Persönliches ist darunter nicht. Wir werden so vermutlich niemals mehr erfahren, wie diese Menschen gelebt und sich verhalten haben, was sie dachten, was ihnen gefiel oder nicht. Ihr aufgeschriebener Lebensweg soll wenigstens ein Ansatz sein, zu zeigen, sie haben hier einmal in Karlsruhe gelebt, ehe sie wegen ihrer jüdischen Herkunft vertrieben und ermordet wurden.

(Semirem Yüceli, 11. Klasse Lessing-Gymnasium, Juni 2011)