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Elsa Geiger, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Elsa Johanna Geiger

Nachname: Geiger
geborene: Metzger
Vorname: Elsa Johanna
Geburtsdatum: 23. Mai 1883
Geburtsort: Karlsruhe (Deutschland)
Familienstand: verwitwet
Eltern: Max und Babette, geb. Oppenheimer, M.
Verwandtschaftsverhältnis: Witwe von Albert G. (1866-1915);

Schwester von Sigmund (14.8.1872-?), Jakob (8.4.1874-?), Hermann (21.7.1875-?), Lina Regina (12.3.1877-11.1.1957), Robert (18.3.1878-?). Ludwig (2.1.-3.1.1880), Ludwig (18.1.1881-1949) und Frieda (20.12.1884-?)
Adresse: Adlerstr. 1
um 1900: Kronenstr. 10
1910 - 1916: Karlstr. 87
1916-1922: Schumannstr. 7
1922-1933: Wendtstr. 16
1933/34: Lammstr. 5
bis 1940: Kronenstr. 10
Schule/Ausbildung: Töchterschule
Badisches Konservatorium
Schauspielunterricht
Beruf: Schauspielerin
Künstlerin (Malerin)
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
12.8.1942 von Drancy nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Elsa Geiger

Elsa Johanna Geiger kam am 23. Mai 1883 in Karlsruhe auf die Welt. Ihre Eltern waren Max (24.11.1844 - 8.5.1917) und Babette (um 1851 - 8.3.1918) geborene Metzger. Vater Max wurde in Landau als Kind der Privatiers Lazarus Metzger und seiner Frau Regina geboren. Elsas Großeltern mütterlicherseits waren der Schuhmacher Judäus Oppenheimer und Hanchen, geborene Bodenheimer aus Hoffenheim. Elsa hatte sechs Brüder und zwei Schwestern. Einer der Brüder starb wenige Stunden nach der Geburt. Sie verbrachte ihre Kindheit in der Kronenstraße 10, besuchte die Töchterschule, das Badische Konservatorium (Musikschule) und nahm Schauspielunterricht.

Mit 20 Jahren fand die junge Schauspielerin ihr erstes Engagement am Stadttheater in Straßburg. In den nächsten Jahren folgten jeweils für ein Jahr weitere Engagements bei Ensembles verschiedener städtischer Bühnen, so im österreichischen Hallein (1904), im elsässischen Schlettstadt (1905), aber auch an etablierten privaten Häusern wie dem Bömly’schen Theater in Basel (1906). Dann folgten Jahre des Engagements in Norddeutschland. 1906/07 spielte sie am Thalia-Theater Hamburg und in der Spielzeit 1907/08 am Stadttheater Hamburg/Altona.
Es waren kleine Anfängerrollen. Häufig spielte sie einen Pagen (Hosenrollen), so u.a. in Maria Stuart, Piccolomini, Wallensteins Tod, Don Carlos. Jugendliche Männerrollen wurden in jenen Tagen immer noch mit zierlichen, jungen Schauspielerinnen besetzt. Elsas Aussichten auf eine größere Rolle waren denkbar gering. Denn sowohl das Stadttheater als auch das Thalia-Theater besaßen seinerzeit etablierte Frauenensembles mit erfolgreichen Künstlerinnen. Am Schiller-Theater, einem Volkstheater in Altona war sie dann in der Spielzeit 1909/10 als Charakterdarstellerin engagiert. Um diese Zeit scheint ihre Karriere als Bühnendarstellerin aber auch bereits geendet zu haben.

Zurück in Karlsruhe kam sie mit dem Schriftsteller Albert Geiger, geboren am 12. September 1866, in Kontakt. Zu jener Zeit trennte er sich von seiner Frau Anna, geborene Walz und durchlebte eine tiefe persönliche Krise. Elsa muss wohl seine moralische Stütze gewesen sein. Zumindest lässt dies die Lektüre seines 1924 postum erschienen Schlüsselromans "Die versunkene Stadt" vermuten. Schließlich heiraten die Beiden und gehen 1912 nach Berlin. Wenige Jahre später kehren sie nach Karlsruhe zurück. Albert Geiger stirbt am 15. Januar 1915 im 48. Lebensjahr. Elsa Geiger, zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alt, bleibt zeitlebens Witwe. 1916 zieht sie in die Schumannstraße 7.

Ihr Vater stirbt 1917 im Lazarett in Karlsruhe (Städtisches Krankenhaus). Mit seinen 72 Jahren war er Vize-Feldwebel des 1. Ersatzbataillons des Leib-Grenadier-Regiments 109. Ein Jahr darauf stirbt die Mutter. Da die Staatsanwaltschaft hinzugezogen wurde, ist zumindest von einem Verdacht auf einen nicht-natürlichen Tod auszugehen (Suizid, Unfall, Tod durch fremde Hand). 1922 zieht Elsa Geiger in die Wendtstraße 16 in der Weststadt. Bis 1933/34 ist sie Eigentümerin des Hauses. 1932 wohnt sie für kurze Zeit in der Lammstraße 5, um dann in das Haus ihrer Kindheit und Jugend in der Kronenstraße 10 zurückzukehren. Nach 1910 stand sie nicht mehr auf der Bühne. Durch ihre Tätigkeit als private Schauspiellehrerin bleibt sie jedoch der Theaterwelt verbunden.
Damit scheint sie neben den Mieteinnahmen aus dem Haus ihren Lebensunterhalt verdient zu haben. Elsa Geiger war zweifelsohne musisch veranlagt. Sie hat ebenfalls gemalt. Als bei der Ergänzung zur Volkszählung 1939 die Qualifikationen erfragt wurden und Berufe anzuzeigen waren, hat sie als Beruf - im August 1939 - Malerin angegeben. Bleibende Spuren als Künstlerin scheint sie auf diesem Gebiet jedoch nicht hinterlassen zu haben, ein malerischer Nachlass ist unbekannt. Weder an der Städtischen Galerie noch im internen Archiv der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe ist etwas zu einem Oeuvre von Elsa Geiger überliefert.

Am 22. Oktober 1940 wird Elsa Geiger nach Gurs (Frankreich) verschleppt. Ihre Deportation nach Auschwitz erfolgt am 12. August 1942. Dort wird sie ermordet.

(Roland Schinko, März 2010)