Personendaten

Prof. Alfred Friedmann

Titel: Prof.
Nachname: Friedmann
Vorname: Alfred
Geburtsdatum: 25. November 1869
Geburtsort: Mannheim (Deutschland)
Familienstand: ledig
Eltern: Hermann und Sara (Klara), geb. Levisohn, F.
Verwandtschaftsverhältnis: Bruder von Mathilde, Henry James Leo und Sophia Julia
Adresse: Leopoldstr. 4
Beruf: Lehrer (Professor am Lessing-Mädchengymnasium)
Deportation: 22.10.1940 nach Gurs (Frankreich)
später nach Noé (Frankreich)
Sterbedatum: 16. Februar 1942
Sterbeort: Noé (Frankreich)

Biographie

Alfred Friedmann

Aus Karlsruhe verloren während der nationalsozialistischen Verfolgung über 1.000 Juden ihr Leben. Darunter war der Lehrer Alfred Friedmann, der mit 72 Jahren in einem Internierungslager in Frankreich verstarb. Er war einst Lehrer für Englisch und Latein am damals noch reinen Mädchen-Gymnasium, dem Lessing-Gymnasium, in Karlsruhe gewesen. Diese Schule besuche ich heute.
Bei den Nachforschungen zu ihm, der in Mannheim auf die Welt gekommen war, stellte sich schnell heraus, dass eine ältere Schwester im englischen Manchester geboren war. Diese erstaunliche Erkenntnis führte zur genaueren Suche seiner Herkunft. Dabei stießen wir auf die aufregende Rolle seines Vaters. Wurde Alfred Friedmann Opfer eines der schlimmsten Kapitel in der deutschen Geschichte, so schrieb sein Vater aktiv an einem ganz anderen Kapitel deutscher Geschichte aktiv mit, der positiv besetzten demokratischen Revolution von 1848/49 in Baden. Auch um die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten darzustellen, soll zunächst der Vater Hermann Friedmann in den Blickpunkt genommen werden.

Väterliche Herkunft

Der Vater Hermann Friedmann wurde 1820 in Mannheim geboren und schloss 1846 ein Jurastudium ab. Als Jude blieb ihm zu dieser Zeit noch eine Stellung im Staatsdienst versagt, weshalb nur eine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Frage kam. Bis er dazu „gnädigst“ die Erlaubnis bekam, wurde es 1848. Zugewiesen erhielt er die Erlaubnis für Bruchsal vor dem dortigen Hofgericht.
Als ehemalige Residenz des Fürstbistums von Speyer war es eine sehr katholisch geprägte Stadt, auch nach der Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschlus von 1803. In der Zeit des Vormärz und 1848 hatte sich ein politischer Katholizismus herausgebildet, der in Bruchsal tonangebend war. Hermann Friedmann aber war ein Anhänger des Liberalismus, dazu einer des sich unmittelbar vor 1848 radikalisierenden demokratischen Flügels. Vermutlich lernte er in diesem einen Jahr in Bruchsal mehr, als sonst gewöhnlich in einem Jahrzehnt an Erfahrung zu sammeln war. Als Rechtsanwalt verteidigte er auch angeklagte Revolutionäre der gescheiterten bewaffneten Aktionen vom Frühjahr und September 1848. Im Frühjahr 1849 wirkte er sogar als einer von mehreren Rechtsanwälten bei der Verteidigung der in Freiburg vor dem dortigen Hofgericht angeklagten Revolutionäre Gustav Struve und Karl Blind. Hermann Friedman war jedoch auch selbst ein Organisator des politischen Lebens. Die großherzoglichen Behörden und die fürstentreue konservative Presse sah in Demokraten wie ihm, einen „Wühler“; dies ist sogar amtlich festgehalten. Nach dem fehlgeschlagenenen Aufstand in Baden unter Friedrich Hecker im April 1848 und dem erneuten Versuch von Gustav Struve im September desselben Jahres begannen die Demokraten in Baden, seit Ende des Jahres 1848 ein Netz von so genannten Volksvereinen zu knüpfen. Diese bekamen Massenanhang, unterschiedlich je nach Region in Baden. Dass in dem katholisch geprägten Bruchsal überhaupt ein Volksverein entstand, lag am Wirken von Hermann Friedmann. Die großherzoglichen Behörden sahen in ihm den „Hauptorganisator“ und sahen ihn dementsprechend als gefährlich an, da er auf den damals von den radikalen demokratischen Liberalen initiierten Volksversammlungen „heftige Reden“, also aufrührerische, gehalten habe. Nur in Baden gelang es 1849 als Folge des Kampfes zur Durchsetzung der von den Fürsten unter Führung Preußens abgelehnten Reichsverfassung der Frankfurter Paulskirche mit einer erneuten Revolution tatsächlich den Staatsapparat zu übernehmen. Die Armee ging auf die revolutionäre Seite über, der Großherzog floh. Diese erneute Bewegung fußte vor allem auf den Volksvereinen. Die neue revolutionäre Regierung ernannte so genannte Zivilkommissäre. Diese sorgten für die Umsetzung der republikanischen Regierungsbeschlüsse, d.h. Organisation einer Verfassunggebenden Versammlung und vor allem die Mobilisierung der Volkswehren gegen die durch die preußische Armee bedrohte revolutionäre badischen Republik. Mit dem preußischen Sieg über das badische Heer am 21./22. Juni bei Waghäusel waren die Revolutionäre auf dem Rückzug, mit ihnen Hermann Friedmann. Die schließlich geschlagenen badischen Truppen und Revolutionäre gingen Mitte Juli 1849 beim südbadischen Jestetten über die Grenze in die Schweiz, mit ihnen Friedmann. Der hatte vor seiner Flucht aus Bruchsal - es wirkt wie ein Versuch, nicht alle Brücken abzubrechen - noch ein ordentliches Urlaubsgesuch an das Ministerium verfasst. Dies half ihm natürlich nichts. Der durch preußische Hilfe wieder eingesetzte alte Staatsapparat schrieb Friedmann zur Fahndung aus, verlangte seine Auslieferung aus der Schweiz - die dortige Republik lieferte jedoch keinen der Revolutionäre aus - entzog ihm die Staatsbürgerschaft und verurteilte ihn schließlich in Abwesenheit zu einem halben Jahr Zuchthaus. Hermann Friedmann verließ wie andere Beteiligte die Schweiz, um ein neues Leben in England zu führen. Als Rechtsanwalt konnte er dort nicht arbeiten, aber er machte offensichtlich seinen Weg in der Wirtschaft. Er wurde „cashier“ - dies dürfte eher die Finanzverantwortung gewesen sein - einer der Schifffahrtsbüros in der industriell emporschießenden Region Liverpool - Manchester. Zunächst wirkte er in Liverpool, heiratete dort auch 1854 die ursprünglich 1833 in Hoppstädten im Fürstentum Birkenfeld, das eine linksrheinische Exklave des Großherzogtums Oldenburg war, geborene Sarah Levisohn. Das Ehepaar bekam mehrere Kinder, zog schließlich von Liverpool nach Manchester, die Familie lebte in ihrem Haus n der 3 Queens Terrace Rusholm in Wohlstand und mit Dienstpersonal. Aus einer Erhebung in Manchester von 1861, die das dortige Stadtarchiv verwahrt, gehen die Kinder der Friedmanns zu diesem Zeitpunkt hervor: Mathilde (5 Jahre), Henry James (3 Jahre und bereits in Manchester geboren) sowie Julia Natalie Sophia (1 Jahr). Trotz seiner wirtschaftlich guten Lage dachte Hermann Friedmann an eine Rückkehr nach Baden, stellte 1857 von Manchester aus einen Antrag auf Begnadigung und 1861 gar die Anwaltswiederzulassung. Es dauerte aber bis nach 1862, als in Baden eine so genannte Neue Ära unter einer Regierung mit (gemäßigt bis konservativen) Liberalen wie Karl Mathy die Bedingungen änderte. Die Familie Friedmann konnte tatsächlich zurückkehren, ließ sich in Mannheim nieder. Es sollte aber noch bis 1869 dauern, ehe Hermann Friedmann wieder in die Anwaltskammer aufgenommen wurde und im Februar 1869 erneut den Eid vor dem Kreis- und Hofgericht ablegen konnte. Nach Stationen in Lahr und Offenburg wurde ihm 1874 endlich die ersehnte Zulassung in Karlsruhe erteilt. Hier wirkte er noch lange, ehe er am 20. Januar 1887 verstarb. Noch in Mannheim war das Nesthäkchen der Familie geboren worden, Alfred Friedmann, am 25. November 1869.

Das Leben von Alfred Friedmann

So wie die Stellung des Vaters bedeutete, dass eine Dienstakte zu ihm angelegt wurde, die im Archiv überliefert ist, so existiert auch für Alfred Friedmann eine Personalakte, was Erkenntnisse aus seinem Leben ermöglicht, die sonst bei „gewöhnlichen“ Menschen nicht zu erwarten sind. Zwar wissen wir auch hier über seine Kindheit wenig, nur dass er eine Zeit davon in England bei alten Bekannten der Familie verbracht habe, dies muss vermutlich vor dem Besuch des Gymnasiums gewesen sein. Gesichert ist, dagegen, dass er ab 1880 das Gymnasium in Karlsruhe, das heutige Bismarck-Gymnasium, besuchte und dort 1889 sein Abitur ablegte. Sein Abiturszeugnis wies die heutigen Durchschnittsnote 2,0 auf. Er hatte in Deutsch, Griechisch, Französisch, Geschichte, Geographie und Verhalten „gut“ (heute: 2) und in Latein und Mitarbeit (Fleiß) „gut bis sehr gut“ (heute: 1-2). Nur in Mathematik hatte er eine etwas schlechtere Note bekommen, nämlich „nur“ „ziemlich gut“ (heute: 3).
Sein Vater hatte den Schulabschluss also bereits nicht mehr erlebt. Trotz dieser Situation war es Alfred Friedmann möglich, ein Studium zu beginnen. Nicht selbstverständlich in jener Zeit, es muss also ein gewisses Vermögen in der Familie vorhanden gewesen sein.
Zum Wintersemester 1889 schrieb Alfred Friedmann sich für ein Studium der Philologie an der Ruprecht-Karl Universität ein. Wie seinerzeit zur Komplettierung der Ausbildung üblich, ging er 1892 für ein Wintersemester an die damalige Friedrich Wilhelm Universität (heute: Humboldt-Universität), um nach Heidelberg zurückzukehren und 1893 sein Studium abzuschließen. Er meldete sich zum Staatsexamen an, musste dieses jedoch wieder absagen, da er gesundheitlich nicht dazu in der Lage war. Nur ein Jahr später meldete er sich erneut an und konnte wieder aufgrund seiner Gesundheit nicht teilnehmen. In seinen Akten ist ein ärztlicher Befund zu finden, der folgendermaßen lautet: „ […] ist derzeit dermaßen nervös abgespannt, dass [er] deshalb dringend die Schonung und Enthaltung an anstrengender, geistiger Arbeit bedarf.“ Die Robustheit seines Vaters wies Alfred Friedmann offensichtlich nicht auf.

Die Erkenntnis über seine Religionszugehörigkeit anlässlich seines Prüfungszulassungsantrages führte zur konkreten Nachforschung. Alfred Friedmann gab nämlich die protestantische Zugehörigkeit an. Da die Nachforschung daraufhin ergab, dass der Vater, der als Jude geboren war, ebenso wie die Mutter, die sich statt des jüdisch-klingenden Sarah nur noch Klara nannte, bereits protestantisch-freireligiös konvertiert war, wenn wir auch das genaue Datum nicht feststellen konnten, und ebenso die Schwester Natalie Sophia protestantischer Konfession. So kann angenommen werden, dass die Familie ihr Judentum nicht mehr lebte und dass Alfred Friedmann bereits mit der jüdischen Religion gar nichts mehr zu tun hatte. Erst der Nationalsozialismus machte ihn aus rassistischer Zuordnung zum Juden.

1895 bestand Alfred Friedmann schließlich sein Staatsexamen mit den Noten „gut bis sehr gut“ in Latein und „gut“ in Englisch. Am 27. April desselben Jahres leistete er den Beamteneid. Sein anfängliches Gehalt betrug damals 1.200 Mark. Das war zunächst nicht viel, kaum mehr als ein qualifizierter Arbeiter zu jener Zeit verdiente. Aber es war der Einstieg und in seiner Beamtenstellung hatte er die Gewissheit eines stetigen Aufstieges in einer sicheren Stellung, wenn nichts dazwischen kam. Und es kam nichts dazwischen, bis 1932/33.
1900 hat er ein jährliches Gehalt von 2.900 Mark, das weiterhin jährlich wuchs. Schließlich wurde er zum Professor ernannt - eine Besonderheit in Baden, da nur hier die Gymnasiallehrer trotzdem sie nicht an der Universität unterrichteten, diesen Titel erhielten - und verdiente zur Zeit des Ersten Weltkrieges über 5.300 Mark. Dies gestattete einen ordentlichen bürgerlichen Lebenswandel.

Der Unterricht der Gymnasial-Lehrer wurde seinerzeit von Vertretern des Kultusministeriums bei Unterrichtsbesuchen streng kontrolliert und beurteilt, Visitation genannt.
Erstaunt bin ich vom heutigen Verständnis jener Zeit, dass es dabei eher nicht um „Zucht und Ordnung“ ging, also autoritäre Verhaltensweisen einzubringen, sondern vielmehr auf die pädagogischen Fähigkeiten Wert gelegt wurde und wie die Lehrer den Unterrichtsstoff vermittelten und dies bei den Schülern ankam.
Beurteilungen zu Alfred Friedmann geben ein Bild von ihm als Lehrer wie auch als Mensch, einige davon fielen nicht gut aus, andere dafür besser. Einige Beispiele sind: „Unterricht monoton, spricht zu viel, ist aber freundlich zu den Schülern. Seine Gesundheit ist nicht stabil. (Note: 2-3)“ (1898), „Anfängermängel abgelegt, geliebt von den jüngeren Klassen, könnte aufgrund seiner Kenntnisse auch ältere Klassen unterrichten, ist aber gesundheitlich nicht dazu im Stande.“ (1900).

Auch hier wird wieder die labile Gesundheit Friedmanns deutlich, aber ebenso seine bei den Schülern beliebte Art.

Seine Lehrerlaufbahn begonnen hatte Alfred Friedmann am Gymnasium in Bruchsal, 1902 wurde er an das Gymnasium nach Lörrach versetzt. Hier hieß es bei einer Visitation u.a.; „Ein insgesamt guter Lehrer, sorgfältige Korrekturen der Arbeiten“ und auch weitere Berichte an das Kultusministerium beweisen seine Befähigung.
In Lörrach schien es ihm aber immer weniger zu gefallen. So bat er 1907 erstmals um Versetzung, gab konkret Durlach an (das dortige Gymnasium, heutige Markgrafen-Gymnasium), vielleicht weil er nahe der Stadt seiner Jugendzeit sein wollte. Er nannte auch einen Grund, aus dem zugleich seine familiäre Situation hervorgeht: Wegen seiner 75-jährigen Mutter, mit der er zusammenlebe und die möglichst näher zu ihren Verwandten in Mainz sein mochte. Nach Durlach kam er nicht, dafür an das Gymnasium in Tauberbischofsheim. Anzunehmen ist, dass ihm das missfiel und so stellte er 1909 erneut Versetzungsantrag nach Durlach. Im Kultusministerium kam man seinem Wunsch jedoch ohne Begründung nicht nach. Er musste über Jahre in Tauberbischofsheim bleiben. Erst ein wiederholter Antrag 1915 wurde endlich positiv beschieden. Er kam nun nach Karlsruhe, an das Mädchengymnasium, das heutige Lessing-Gymnasium, mit dem seit 1911 neu errichteten Gebäude, wie es heute noch benutzt wird.
Im Ersten Weltkrieg musste Alfred Friedmann nicht einrücken, auch eine Kriegs-Verwendung in irgendeiner Position in der Heimat hatte er nicht, er blieb in seiner Stellung als Lehrer. Er erhielt das 1916 gestiftete Kriegsverdienstkreuz, mit dem häufig Beamten, die in ihrer zivilen Stellung nun viel Mehrarbeit leisten mussten, eine gewisse Anerkennung zuteil wurde. 1919 leistete Alfred Friedmann seinen Beamteneid neu auf die badische Republik.

Zu Alfred Friedmann als privater Mensch ist nicht viel festzustellen gewesen. Er blieb zeitlebens ledig. Die Mutter wohnte bei ihm und offensichtlich sorgte er bis in das hohe Alter für sie, bis sie am 26. März 1918 verstarb. Oder war für den Haushalt, das wäre nämlich noch eher anzunehmen, seine gleichfalls ledige Schwester Nathalie Sophia (am 23. Oktober 1859 in Manchester geboren), zuständig, die nämlich auch bei ihm in der Wohnung in der Leopoldstraße 4 lebte?
Neben seinem Beruf widmete er sich leidenschaftlich der Musik und Literatur. Politisch meinungsführend, wie es sein Vater einst gewesen war, das muss ihm fern gelegen haben. Dennoch war er auch politisch, trat 1919 gar in die Deutsche Volkspartei (DVP) ein, deren bekanntester Vertreter Gustav Stresemann war. Es war eine Nachfolgepartei der Nationalliberalen. Eventuell war schon der Vater dort dabei gewesen, denn nicht wenige Revolutionäre von 1848/49 hatten später ihren Frieden mit der Bismarckschen Reichsgründung geschlossen und die Nationalliberalen verkörperten diesen gewandelten Liberalismus, der wirtschaftliches Streben im Bunde mit Bürgersinn, das dem konservativen konstitutionell-monarchisch ausgerichteten System des deutschen Kaiserreiches verpflichtet war, verband. Ein genaueres Wissen zur politischen Betätigung Alfred Friedmanns haben wir jedoch nicht, wissen auch nicht, ob er die ganze Zeit bis 1933 Mitglied der DVP war, in der sich zahlreiche Beamte organisiert hatten.

Aus einer der in der fortgeschrittenen Berufslaufbahn weniger werdenden Visitationen (1926) heißt es über seine Lehrertätigkeit: Er sei „abgeklärt, väterlich führend, ein wenig zu weich und abschweifend.“ Also ein Lehrer, wie ihn sich die Schülerinnen wohl nur wünschten.

Inzwischen war die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, die die Weimarer Republik auch politisch in Schwierigkeiten brachte. Statt einer dem Parlament verantwortlichen Regierung regierten seit 1930 nur noch so genannte Notverordnungskabinette. Das erste unter Heinrich setzte als eine Maßnahme eine strikte staatliche Sparpolitik um, mit Kürzung von Beamtengehältern und auch der vorzeitigen Zurruhesetzung von Beamten.

Genau dies erlebte nun Alfred Friedmann. Am 23. März 1932 wurde er vorzeitig in den Ruhestand versetzt.
Die Begründung des Ministers für den vorzeitigen Ruhestand war folgendermaßen verfasst, „[…] eine größere Zahl von Lehrstellen aller Schulgattungen [muss] abgebaut werden. Eine Entlassung junger Lehrkräfte in entsprechender Zahl […] hätte […] zur Folge, dass der betroffene junge Beamte samt seiner Familie brotlos würde. Die Unterrichtsverwaltung ist daher genötigt, den notwendigen Abbau durch Zurruhesetzung älterer Lehrkräfte und Beamte durchzuführen.“
Damit wurde er zwei Jahre früher in den - zunächst vorläufigen - Ruhestand geschickt, als unter gewöhnlichen Umständen, verbunden auch mit einem empfindlich gekürzten Ruhestandsbezug als vor der Brüningschen Sparpolitik.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, mussten sie Alfred Friedmann erst gar nicht nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen, und dies wäre ihm als Nichtkriegsteilnehmer zwangsläufig widerfahren. Stattdessen wurde er bloß mit einem formalen Verwaltungsakt 1934 endgültig in den Ruhestand versetzt.

Zwar verfügte er über eine gekürzte Rente, doch war sie hoch genug, um ihm und seiner Schwester, die dann am 21. September 1938 verstarb, ein auskömmliches L eben zu ermöglichen.
Wir wissen nichts Näheres, gehen aber davon aus, dass ihn die NS-Diskriminierungen gegen Juden, und vor allem auch da er sich niemals als solcher empfunden hatte, schwer getroffen haben müssen.

Der Nationalsozialismus war unerbittlich in seiner Rassepolitik und so gehörte er auch zu den über 900 Menschen aus Karlsruhe, die am 22. Oktober 1940 weil sie Juden waren, abgeschoben wurden und in das Internierungslager Gurs kamen. Aufgrund der besonders schlechten Umstände mit Mangel an Lebensmitteln, fehlender medizinischer Versorgung und Massenepidemien sowie feuchtnassem Klima in den unzureichend geschützten Baracken, starben innerhalb der ersten drei Monate mehr als 650 der insgesamt etwa 6.500 aus Baden, der Pfalz und der Saar deportierten Juden.

Trotz seiner inzwischen 71 Jahre überlebte Alfred Friedmann diese Zeit. Im Frühjahr 1941 organisierte das Vichy-Regime das Internierungssystem anders. Alte Menschen beispielsweise kamen in ein anderes Internierungslager, fast ausschließlich alle nach Noé, wo es steinerne Baracken gab. Die Lebensbedingungen waren jedoch insgesamt nicht wesentlich besser als in Gurs. Ein knappes Jahr später, am 16. Februar 1942 verstarb Hermann Friedmann dort.

(Cyntya Mirona-Andreea Knuff, 13. Klasse Lessing-Gymnasium, Oktober 2010)