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Martha Gemmeke, 1938. Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Personendaten

Martha Gemmeke

Nachname: Gemmeke
geborene: Kern
Vorname: Martha
Geburtsdatum: 12. Juni 1884
Geburtsort: Wien (Österreich)
Familienstand: verwitwet
Eltern: Maximilian und Bertha, geb. Graf, K.
Verwandtschaftsverhältnis: Witwe von Paul G.
Adresse: Yorckstr. 41
Schule/Ausbildung: Höhere Mädchenschule
Deportation: 22.8.1942 nach Theresienstadt (Protektorat Böhmen-Mähren, heute Tschechien)
15.5.1944 nach Auschwitz (Polen)
Sterbeort: Auschwitz (Polen)

Biographie

Martha Gemmeke und „Paul“ Gemmeke

Martha Gemmeke wurde im Sommer 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und etwa zwei Jahre später von dort nach Auschwitz gebracht und ermordet, ihr nichtjüdischer Ehemann verstarb 1937 in Karlsruhe. Verschiedentlich wurde behauptet, sein Tod sei Selbstmord wegen der nationalsozialistischen Anfeindungen gewesen. Dies versuchen wir zu erhellen.
Die Persönlichkeit von Martha Gemmeke lässt sich nirgends anhand von Quellen näher beleuchten, das Leben der Eheleute fast nur anhand des beruflichen Werdegangs von „Paul“ Gemmeke nachzeichnen.

Martha Gemmeke, geborene Kern, war am 12. Juni 1884 in Wien geboren worden und jüdischer Herkunft. Vater Maximilian war Kaufmann. Zum Zeitpunkt ihrer Heirat 1912 war er bereits verstorben und sie lebte mit ihrer Mutter Bertha, geborene Graf, in Berlin-Schöneberg. Die Wohnung befand sich in einem der großen Altberliner Mietshäuser in der Münchener Straße 10 im Stadtteil Schöneberg. Sie hatte die Höhere Mädchenschule besucht, dann, wie zu dieser Zeit für gut gestellte Bürgerstöchter üblich, keinen Beruf erlernt. 1908 war sie für einige Zeit in Frankreich zu „Studienzwecken“, wie sie später angab.

Georg August Friedrich Gemmeke wurde am 13. Dezember 1880 in Rothenditmold, heute Stadtteil von Kassel, als Sohn der evangelischen Eheleute Friedrich (1850-1934) und Rosine Gemmeke, geborene Kurzrock (1856-1904), geboren. Der Vater war Lokomotivführer. Auch über seine Kindheit und die Ausbildung ist nur wenig bekannt. Vermutlich musste er zunächst einen „handfesten“ Beruf erlernen, konnte dann aber seiner Neigung, der Schauspielerei, entsprechen. Ob und welche Schauspielausbildung er genoss, ist nicht nachvollziehbar. Jedenfalls war er ordentlicher Schauspieler seit etwa 1901 mit Engagements an verschiedenen Bühnen: 1901-1903 Residenztheater Hannover, 1903-1906 Stadttheater Flensburg und seit 1906 am Schillertheater in Berlin. Seine Gagen betrugen etwa 1.200 Mark im Jahr, schließlich 1.560 Mark in Berlin. Das war nicht besonders viel und es war sicherlich schwierig, damit in einer Metropole wie Berlin auszukommen, aber Gemmeke gehörte zu den jungen Ensemblemitgliedern, die sich Hoffnungen auf eine größere Bühnenkarriere machen konnten.
Das Theaterjahr umfasste im Sommer etwa eine zweimonatige Pause. Diese nutzte er zwischen 1902 und 1907 für Engagements im Kurtheater auf der Nordseeinsel Norderney, wo er als Regisseur und Charakterspieler in bekannten Stücken wie „Nathan der Weise“ von Lessing, in Goethes „Faust“ oder auch in Schillers „Die Räuber“ als Haupt- und Nebenrollenspieler wirkte. Während er sonst kleine Rollen auszufüllen hatte, war sein Repertoire auf Norderney beachtlich, sowohl ernst wie komödienhaft, unter anderem den Philipp in „Don Carlos“, den Wurm in „Kabale und Liebe“, Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“, Schöller in „Pension Schöller“ oder Hinzelmann im „Weißen Rößl“. Bereits in dieser Zeit, also lange vor Karlsruhe, benutzte Gemmeke den Künstlervornamen „Paul“ statt einen seiner zahlreichen offiziellen Vornamen.
Paul Gemmeke plante offensichtlich ganz bewusst seine Theaterlaufbahn, bislang waren die Engagements befristet auf ein oder zwei Jahre. Existenzsorgen aufgrund der Gehalts- und Vertragsunsicherheiten sollten ihn bis zu seinem Karriereende noch häufiger beschäftigen. Für die Karriere nutzte er auch die Dienste einer Agentur. Als das Großherzogliche Hoftheater Karlsruhe 1909 einen Schauspieler zur Abdeckung zahlreicher Nebenrollen suchte, pries ihn die Berliner Schauspieler-Vermittlungsagentur Otto Mertens im Februar 1909 dort mit Hinweis auf seine Erfahrungen samt großem Repertoire an. Jedoch zeigte sich das Hoftheater in Karlsruhe nicht sofort überzeugt, führte längere Verhandlungen über mögliche Kostproben und Vertragsausgestaltungen. Schließlich erhielt Paul Gemmeke durch den Intendanten Bassermann ein Engagement am Karlsruher Hoftheater, beginnend mit der neuen Saison ab 1. September 1909, zunächst für ein Probejahr, und, sicherlich enttäuschend für Gemmeke, ausschließlich für kleinere Rollen. Immerhin betrug das Salär jährlich 2.500 Mark, eine beträchtliche Steigerung gegenüber dem am Schillertheater.
Gemmeke nahm sich zunächst eine Wohnung in der Kaiserstraße 233, im Jahr 1912 wohnte er in der Schillerstraße 36.
1912, in den Theaterferien, die er früher für Sommertheaterauftritte aber auch längere Aufenthalte bei seinem seit 1904 verwitweten Vater in Rothenditmold benutzt hatte, am 15. Juli, heiratete er in Berlin-Schöneberg die vier Jahre jüngere Martha. Vermutlich hatten die beiden Bekanntschaft während seiner Berliner Zeit geschlossen. Zum Zeitpunkt seiner Heirat war Gemmeke ohne Konfession, das heißt, dass er bewusst aus der Kirche ausgetreten war. Vermutlich lebte auch Martha Gemmeke nicht besonders religiös.
Das Ehepaar zog in Karlsruhe in die Yorckstraße 41, die Adresse, die bis zuletzt gültig war.

Paul Gemmekes erstes Gehalt als Schauspieler in Karlsruhe bestand, wie zu dieser Zeit in diesem Beruf üblich, aus einem fixen Anteil, dieser betrug 2.500 Mark, sowie einem zugesicherten variablen Anteil pro Auftritt von 10 Mark, bei 100 zugesicherten Auftritten. In den folgenden Jahren erhielt er immer wieder Vertragsverlängerungen mit allmählich steigenden Gagen und zunehmende Anerkennung als Schauspieler. Der erhoffte Durchbruch aber gelang ihm nicht, für Haupt- oder Charakterrollen wurde er nicht vorgesehen, musste sich stattdessen Jahr für Jahr wieder mit Chargen-Rollen, das sind kleinere, aber doch die Aufführung mittragende Nebenrollen, begnügen. Seine 1916 brieflich an den Intendanten des Hoftheaters gerichtete Beschwerde über die ihm zugewiesenen Rollen unter Verweis auf die zahlreichen positiven Kritiken in den Karlsruher Zeitungen blieb ungehört. Tatsächlich blieb Gemmeke bis zum Ende auf diese Einsätze abonniert, nur mit etwas steigenden Gehältern. Aber er gehörte zu den Stützen des Hoftheaters bzw. Badischen Landestheaters, das ab 1933 Badisches Staatstheater hieß, denn er erhielt immer wieder mehrjährige Verlängerungen, die Intendanz bescheinigte ihm wiederholt „überzeugend“ und „fähig“ zu sein. Auch mit seiner Gage, beispielsweise die 1930/31 erreichte Spitze mit 6.000 Mark für das Jahr (vergleichsweise fast das Doppelte des Verdienstes eines Facharbeiters) war Gemmeke unzufrieden, da sie nur schwerlich für das Leben ausreichte, bisweilen musste er um einen Vorschuss nachsuchen. Immerhin hatte er als Schauspieler Ausgaben für die Garderobe, Äußeres oder Literatur, die sich summierten. Die Brüningschen Notverordnungen mit Gehaltskürzungen staatlich Bediensteter zwischen 1931 und 1932 belasteten die Gemmekes sehr, zunächst mit 6, dann mit über 16 Prozent Kürzung.

Gesundheitlich bedingt hatte Paul Gemmeke erstmals 1923 einen Ausfall, wegen „Nervenleiden“ musste er sich auf Kur nach Wörrishofen begeben. Das Ehepaar blieb kinderlos. Aber im Haushalt wohnte auch die inzwischen betagte Mutter von Martha Gemmeke, die 1857 in Wien geborene Bertha Kern, geborene Graf, für deren Unterhalt als Mittellose mit geringen Fürsorgeleistungen Gemmeke zu einem beträchtlichen Teil mit aufkam. Wenn auch sonst über das Eheleben nichts festgehalten ist, so scheint ein Hinweis ein kurzes Schlaglicht auf eine mögliche Krise im Zusammenleben zu geben. Gemmeke beantragte bei der Theaterdirektion im Januar 1927 die Zuweisung einer Wohnung mit der Begründung wegen „ernsthafteren familiären Zerwürfnissen“. Ob dies eine Ehekrise oder „Zerwürfnisse“ wegen oder mit der Schwiegermutter waren, muss offen bleiben.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Situation der Gemmekes schwierig. Der Hauseigentümer in der Yorckstraße 41, Hugo G., Blockwart und Scharführer i.R[eserve]. des Motorsturms 1/109, denunzierte Gemmeke am 30. April 1933 bei der NSDAP-Kreisleitung und nochmals insistierend im September desselben Jahres beim Kultusministerium – scheinbar war seine Hatz erfolglos geblieben? -, weil Paul Gemmeke dessen Ansinnen nach das Hissen der Hakenkreuzfahne am Balkon der Wohnung mit der angeblichen Bemerkung verweigert habe, seine Frau sei Jüdin und dass dies zudem ein „Schlag ins Gesicht der Glaubensbrüder seiner Frau“ sei. Gemmeke scheint wohl noch erklärt zu haben, dass er sich mit dem Deutschen Reich identifiziere und gewillt sei, eine schwarz-weiß-rote Fahne anzubringen. Das Kultusministerium erklärte dem Denunzianten wie dem Staatstheater, dass die Heirat mit einer Jüdin kein Grund zur Lösung des Arbeitsverhältnisses sei, forderte aber zugleich einen Bericht über die politische Einstellung Gemmekes an. Die Theaterdirektion bescheinigte, dass Gemmeke nicht politisch hervorgetreten sei. Damit schien erst einmal alles ausgestanden zu sein, jedenfalls folgte nichts darauf – zunächst. Ein Jahr später im September 1934 erhielt Gemmeke den schriftlichen Dank der Direktion für 25 Jahre Engagement am Karlsruher Theater mit „nie versagender Arbeitsfreudigkeit und nie versagendem Pflichtgefühl“ und dass er „zum Erfolg beigetragen“ habe, „Heil Hitler“. Vermutlich lastete aber ein immer größerer Druck auf Gemmeke. Im Jahr 1935 versagte ihm des Öfteren die Gesundheit: Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzbeschwerden machten einen Kuraufenthalt notwendig, wegen eines schweren Gesichtsekzems musste er in das Städtische Krankenhaus und blieb drei Wochen krankgeschrieben.

„Oben“ geriet Gemmeke inzwischen in das Fadenkreuz. Anfang April 1936 forderte die Reichstheaterkammer, Fachschaft Bühne, bei der Generalintendanz des Staatstheaters die vertrauliche Mitteilung über die Eigenschaften und künstlerischen Fähigkeiten des Schauspielers an. Die antwortete nicht unkorrekt über seine Nebenrollen, „seine künstlerischen Leistungen sind nicht überdurchschnittlich zu bezeichnen. Er entledigt sich aber der ihm gestellten Aufgaben mit Geschick und künstlerischem Empfinden“, insgesamt sei ihm „nichts Nachteiliges“ nachzusagen.
Im Januar 1937 schließlich schloss ihn die Fachschaft Bühne wegen „mangelnder Zuverlässigkeit“ aus der Reichstheaterkammer aus, womit er auf keiner öffentlichen Bühne mehr auftreten durfte. Dagegen legte Gemmeke mit dem Rechtsanwalt Dr. Hans Ingenohl die noch möglichen Rechtsmittel ein. Das Staatstheater scheint ihn unterstützt zu haben, denn das Badische Kultusministerium unter dem zweifelsohne unnachsichtig nationalsozialistischen und „alten Kämpfer“ Otto Wacker teilte der Reichstheaterkammer mit, dass man Gemmeke nach 27 Jahren „treuer Pflichterfüllung“ am Staatstheater halten wolle, bis auf Weiteres, und dass weder er noch die Ehefrau „Beziehung zu jüdischen Kreisen“ haben. Die Reichstheaterkammer blieb hart, Gemmeke wurde schließlich zum 8. März 1937 gekündigt, das Ruhegehalt auf 270,50 RM festgelegt.

Am 25. Mai 1937 starb Paul Gemmeke. Sein Tod wurde in Veröffentlichungen (Schwarzmaier, Theatergeschichte, 1982; Werner, Hakenkreuz und Judenstern, 1990) als Suizid wegen der erlittenen Verfolgung bezeichnet. Die Generalintendanz brachte am selben Tag eine Bekanntmachung heraus, die auch im NS-Organ „Der Führer“ abgedruckt wurde, die lautete: „Staatsschauspieler Paul Gemmeke ist heute Nacht plötzlich an den Folgen einer Angina pectoris [Durchblutungsstörung des Herzmuskels infolge Gefäßverengung] gestorben“, und dass man ihm „dankbar der verdienstvollen langjährigen Tätigkeit gedenke“. Dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Selbstmord war, darauf weist die standesamtliche Registrierung hin, denn die in solchen Fällen unnatürlichen Todes obligatorisch durch die Staatsanwaltschaft zu erfolgende Todesanzeige nach Ermittlungen gab es hier nicht.
Die sich verschlechternde gesundheitliche Situation von Gemmeke dürfte aber durchaus mit dem gegen ihn angestrengten Kesseltreiben zusammenhängen.

Martha Gemmekes monatliches Witwengeld betrug gerade 74,49 RM. Dass sie und ihre Mutter damit auskommen konnten, ist unwahrscheinlich. Welches Einkommen oder Unterstützung sie von wem auch immer erhielten ist nicht belegbar.
Bekanntschaft pflegte sie mit den Zweifels in der Bahnhofstraße 26. Die 1900 geborene Goldine Zweifel war jüdischer Herkunft und wie Martha Gemmeke mit einem Nichtjuden, dem Lehrer Heinz Zweifel, verheiratet.

Beide, Martha Gemmeke und ihre Mutter Bertha Kern, gehörten, obwohl das Kriterium „privilegierte Mischehe“ nicht bestand, nicht zu den am 20. Oktober 1940 nach Gurs deportierten Juden. Am 18. September 1941 erhielten sie den auch noch selbst zu bezahlenden Judenstern, der seit dem 1. September zwangsvorgeschrieben war.
Nach der Wannseekonferenz 1942 wurde in der Festung von Theresienstadt im Protektorat Böhmen und Mähren ein „Judenaltersheim“, tatsächlich ein KZ-mäßiges Ghetto eingerichtet.
Am 22. August 1942 ging der erste Transport mit Karlsruher Juden nach Theresienstadt. Unter dem einen Dutzend älterer Menschen aus Karlsruhe unter den insgesamt 1.078, die tags zuvor zum Abfahrtsbahnhof nach Stuttgart überführt worden waren, befanden sich auch Martha Gemmeke und Bertha Kern.

Bertha Kern überlebte diese Deportation nur um 8 Tage. Sie starb im Konzentrationslager Theresienstadt mit 85 Jahren am 30. August 1942.

Martha Gemmeke konnte den Kontakt mit Goldine Zweifel halten, die ihr - soweit möglich - Pakete mit Lebensmitteln schickte. Einige der als Formular gehaltenen Rückscheine, die den Erhalt der Pakete bestätigen, sind von Goldine Zweifel gesammelt worden. Auch Schreiben von Postkarten, aber nur etwa eine pro Vierteljahr und zensiert, war möglich. Einige der Postkarten an Goldine Zweifel blieben überliefert. Daraus wird deutlich, dass Martha Gemmeke über diesen Briefwechsel auch ihren Freundes- und Bekanntenkreis in Karlsruhe ansprach. „Jetzt trinke ich ein Glas Hag-Kola auf Euer Wohl und danke für alles – auch für die warme Mütze, die mir gut passt – herzlich. Bleibt gesund, Eure Martha“, endete sie am 3. März 1944. Im Januar zuvor hatte sie sich mit „1000 innigen Grüßen‘“ für die aus dem Garten übersandten Äpfel bedankt. Dabei hatte sie auch noch berichtet, dass sie im Herbst freiwillig an zehn freien Nachmittagen in der Landwirtschaft geholfen habe. Außerdem schreibt sie, dass von gemeinsamen Bekannten hier allein die Frau Müller sei. Es handelte sich um die 52-jährige Witwe Cäsi Müller. Zu entnehmen sind darüber hinaus verschiedene Aufenthaltsorte innerhalb des Ghettos. So hat sie etwa im Sommer 1943 C III, das ist die Hamburger Kaserne, im November desselben Jahres ist ihre Adresse mit Langestraße 5, also der Geniekaserne, angegeben. Am 7. April 1944 bestätigt sie abermals ein Paket von Goldine Zweifel, Adresse Bäckergasse 5.
Immer wieder wurden in Theresienstadt große Transporte nach Auschwitz zusammengestellt. 1944 zusammen fast 30.000, allein zwischen dem 15. und 18. Mai 1944 drei mit 7.503 Menschen. Am 15. Mai war im Transport mit 2.503 Menschen, darunter 1.736 Frauen und Mädchen, auch Martha Gemmeke. Die am 16. Mai in Auschwitz Angekommenen wurden nicht nach der berüchtigten Selektion sofort in die Gaskammer gebracht, sondern in das so genannte Familienlager von Auschwitz-Birkenau. Dieser Lagerteil war 1943 auch zur Täuschung des Internationalen Roten Kreuzes angelegt worden. Die Einlieferung der Juden aus Theresienstadt in diesen Lagerabschnitt im Mai 1944 könnte aber auch mit Kapazitätsproblemen bei der industriellen Ermordung zusammenhängen, da gleichzeitig täglich Transporte mit Tausenden Juden aus Ungarn eintrafen. Das Familienlager wurde schließlich am 7. Juli 1944 aufgelöst, das heißt alle Insassen wurden in die Gaskammer getrieben. Martha Gemmeke gehörte nicht zu den 385 Überlebenden aus den Maitransporten. Irgendwann zwischen dem 16. Mai und 7. Juli 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

(Julian Müller, August 2017)


Quellen und Literatur:
Stadtarchiv Karlsruhe 1/AEST/1237, 8/13/348, 8/StS 34/166.
Generallandesarchiv Karlsruhe 57a Nr. 839 und 57b Nr. 83.
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Karlsruhe 1990, S. 141f, 393-396, 467.
Hansmartin Schwarzmaier u.a. (Bearb.): Karlsruher Theatergeschichte . Vom Hoftheater zum Staatstheate, Karlsruhe 1982.